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Mitteldeutschland Leipziger Freunde von Sophia erinnern sich an anstrengende Suche
Region Mitteldeutschland Leipziger Freunde von Sophia erinnern sich an anstrengende Suche
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19:40 30.07.2019
Der Angeklagte Boujemaa L. (Mitte), hier zusammen mit Strafverteidiger und Übersetzer, legte zu Beginn des Prozesses ein Geständnis ab. Quelle: Matthias Puppe
Bayreuth/Leipzig

Schon wenige Stunden nach dem Verschwinden von Sophia im Juni 2018 suchten bis zu 100 Menschen an der A9 nach der Leipziger Tramperin. Sie fuhren in Gruppen Rasthöfe und Parkplätze ab, durchkämmten angrenzende Waldstücke, verteilten Handzettel an Autofahrer. Später ermittelten sie die Spedition des tatverdächtigen Lkw-Fahrers, auch den 48-Jährigen selbst und befragten ihn am Telefon zum Verbleib der Tramperin. Letztlich war alles Bemühen vergeblich. Der Marokkaner hatte Sophia zu diesem Zeitpunkt bereits getötet.

Eine Uniform trugen die Ermittler nicht, es waren keine Polizisten sondern allesamt Freunde und Familienmitglieder der Vermissten. Beim Mordprozess am Dienstag klangen deren Zeugenaussagen auch wie Anklagen an die Leipziger Polizei. Diese hätte viel zu lange viel zu wenig unternommen, um die 28-Jährige zu finden.

Frühzeitig Kontakt zu den Behörden gesucht

„Es kamen immer wieder Aussagen, Sophia mache sich vielleicht nur einen schönen Urlaub“, sagte Sophias Cousine Klara am Dienstag dem vorsitzenden Richter Bernhard Heim. Ihre Empörung beim Erzählen ist im voll besetzten Gerichtssaal bis auf den letzten Platz zu hören.

Schon am 15. Juni 2018, einen Tag nachdem Sophia von Schkeuditz aus zum Geburtstag ihres Vaters nach Amberg (Oberpfalz) aufgebrochen war, versuchte Klara in Leipzig Kontakt mit den Behörden aufzunehmen – um eine Vermisstenanzeige aufzugeben. Erst mehrfach vergeblich per Notrufnummer, dann direkt in der Hauptwache in der Dimitroffstraße. Zu diesem Zeitpunkt gab es aber keinen Beamten, der ihre Aussage aufnehmen konnte, sagt die 34-Jährige. Es war Freitagabend.

Wegen des Mordes an Sophia Lösche aus Leipzig steht ein Lkw-Fahrer aus Marokko vor dem Landgericht in Bayreuth. Ein Rückblick auf den Fall.

Ähnlich erging es Sophias Cousine auch am folgenden Samstag, diesmal tagsüber. Wieder sei sie erst mehrfach weggeschickt worden, diesmal mit der Begründung, die Kollegen in Bayern seien zuständig. Dort machte Sophias Bruder Andreas parallel allerdings ähnliche Erfahrungen. „Die Amberger Polizei hat alles getan, was in ihrer Macht steht“, soll ihm laut Zeugenaussage entgegnet worden sein. Danach kam auch von höheren bayrischen Behörden Schulterzucken.

Freunde durchsuchen Waldgebiet in Thüringen

Für den Bruder war das damals Motivation, noch intensiver nach Sophia zu suchen. Für viele andere auch. „Als die uns immer so abgewimmelt haben, wurde mir klar, dass wir suchen müssen“, so Freundin Eva im Zeugenstand. Die junge Frau erzählt in der Folge, wie sie mit anderen den Wald am Hermsdorfer Kreuz durchkämmt habe – immer mit der Angst, Sophias Leiche könnte irgendwo im Unterholz liegen. Als sie dann zum Rastplatz zurückkehrten, tauchten Beamte auf und hätten einen Drogentest verlangt. „Eine absurde Situation“, so die 29-Jährige.

Absurd erschien den Suchenden auch der Moment, als sie am Montag nach dem Verschwinden bereits gewonnene Erkenntnisse der Leipziger Polizei übergeben wollten. Statt bei der nun gegründeten Sonderkommission landeten Klara und zwei weitere Mitstreiter in verschiedenen Vernehmungsräumen und seien „zwei bis drei Stunden befragt worden“.

Erst danach konnten sie unter anderem 21 Fotos übergeben, die ihnen der Angeklagte inzwischen per Whatsapp geschickt hatte – wohl um seine Unschuld zu beweisen. Auch deren Übergabe habe sich als problematisch herausgestellt, weil es der Leipziger Polizei angeblich an Technik zum Auslesen von iPhones fehlte.

Spediteur gibt bereitwillig GPS-Daten

Am Montag kamen die Ermittler dem Täter dennoch auf die Spur. Per E-Mail wurde Kontakt zur Spedition aufgenommen, erzählte einer der involvierten Kriminalbeamten am Dienstag im Gericht. Das Unternehmen in Tanger gab sofort GPS-Daten des gesuchten Fahrzeugs frei.

Am Folgetag kam die Nachricht, der Lastwagen stehe in Flammen und die spanische Polizei habe den Fahrer festgenommen. Zwei Tage später wurde Sophias verbrannte Leiche in Spanien entdeckt.

Die Leipziger Polizei wollte sich vorerst nicht zu Vorwürfen äußern, zu langsam reagiert zu haben, verwies auf das noch laufende Gerichtsverfahren. In diesem soll am 19. August auch der leitende Ermittler aus der Messestadt zur Suche nach Sophia aussagen.

Von Matthias Puppe

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