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Mitteldeutschland Bürgermeisterwahlen: AfD siegt in Görlitz und Däne Madsen liegt in Rostock vorn
Region Mitteldeutschland Bürgermeisterwahlen: AfD siegt in Görlitz und Däne Madsen liegt in Rostock vorn
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23:43 26.05.2019
Der Däne Claus Ruhe Madsen (parteilos) wird in Rostock von CDU und FDP unterstützt. (Archivfoto) Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Leipzig

Parallel zu den Europa- und Kommunalwahlen sowie zur Bürgerschaftswahl in Bremen wurden gestern vielerorts auch Bürgermeisterposten neu besetzt. Aufgrund des Vorrangs der EU-Ergebnisse blieb der Ausgang der Rennen bis spät in die Nacht spannend. Größte mediale Aufmerksamkeit erhielten die Auszählungen im sächsischen Görlitz und in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern). Hier deutete sich jeweils ein Novum in der bundesdeutschen Wahlgeschichte an.

Im sächsischen Dreiländereck in Görlitz hatten die Prognosen dem AfD-Politiker Sebastian Wippel schon mindestens gute Chancen eingeräumt, als erster Rechtspopulist ein Oberbürgermeisteramt in Deutschland zu übernehmen. Spätestens seit der Bundestagswahl 2017 galt die Stadt ohnehin als Hochburg der AfD. Damals scheiterte der heutige sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) überraschend an AfD-Kandidat Tino Chrupalla.

Schicksalswahl der Görlitzer CDU

Wippel ging am Sonntag mit Rückenwind von Chrupalla ins OBM-Rennen. Sein härtester Konkurrent, der CDU-Politiker Octavian Ursu, gewann 2014 in Görlitz noch das Landtagsmandat für die Union und lag zuletzt auch in Umfragen noch vor der Konkurrenz. Die CDU rief den Urnengang zur Schicksalswahl aus, warnte vor einem „antieuropäisches Signal“, sollten die Rechtspopulisten auch das Amt des Görlitzer Oberbürgermeisters übernehmen.

Nach den ersten Auszählungen am Sonntagabend wurde Ursu immer schweigsamer. Je näher das Endergebnis heranrückte, umso deutlicher schlug die Tendenz zugunsten der AfD aus. Am Ende war Sebastian Wippels Sieg mit etwa 40 Prozent mehr als deutlich – wenn auch die absolute Mehrheit verfehlt wurde. Ursu lieferte sich dahinter ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Franziska Schubert von einem linken Bündnis. Aller Voraussicht nach kommt es am 16. Juni zur Stichwahl zwischen der Grünen-Politikern Schubert und dem AfD-Mann Wippel.

Madsen mit Unterstützung von Konservativen und Liberalen

400 Kilometer weiter nördlich in Rostock ging am Sonntag unter anderem der parteilose Claus Ruhe Madsen aussichtsreich ins Rennen. Der seit 26 Jahren in der Hansestadt lebende Madsen ist Chef einer regionalen Möbelkette, war zuvor auch IHK-Präsident in der Hansestadt und wurde von CDU und FDP unterstützt.

Als viel beachtetes Alleinstellungsmerkmal gilt vor allem seine Staatsbürgerschaft: Der in Kopenhagen geborene Madsen hat keinen deutschen Pass. Als Däne wollte er gestern der erste ausländische Verwaltungschef einer deutschen Großstadt werden. Als härteste Konkurrenten stellten sich ihm der frühere Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) und Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD).

Nach Auszählung von etwa der Hälfte der Rostocker Wahlbezirke lag am späten Sonntagabend Claus Ruhe Madsen mit mehr als 30 Prozent in der Wählergunst deutlich vor seinen Konkurrenten.

Liebhauser mit absoluter Mehrheit

Neben den Bürgern in Görlitz waren gestern in Sachsen auch die Wähler in weiteren zwölf Kommunen aufgerufen, sich für neue hauptamtliche Stadtoberhäupter zu entscheiden – darunter in Aue-Bad Schlema (Erzgebirgskreis), in Dippoldiswalde (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge), Döbeln (Mittelsachsen), Rodewisch (Vogtlandkreis) und in Werdau (Landkreis Zwickau).

In Döbeln konnte der 37-jährige Sven Liebhauser (CDU) am späten Sonntagabend bereits feiern: Mit 65,7 Prozent gelang ihm die absolute Mehrheit. In Aue-Bad Schlema, das als Zusammenschluss vorher eigenständiger Gemeinden erst seit Jahresanfang existiert, war am Sonntag Franz Heinrich Kohl (CDU) aussichtsreichster Kandidat. In Dippoldiswalde trat der bisher amtierende Jens Peter (parteilos) im November aus gesundheitlichen Gründen zurück. Gestern Nacht sah es so aus, als könnte CDU-Kandidatin Kerstin Körner ihm in „Dipps“ auf den Posten folgen.

In Sachsen-Anhalt stand gestern in Zerbst eine Bürgermeisterwahl an, in Thüringen wurde in 20 neu gegliederten Gemeinden Führungspersonal gesucht, darunter in Bad Liebenstein (Wartburgkreis) und Königsee (Saalfeld-Rudolstadt).

Von Matthias Puppe

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