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Mitteldeutschland Sprunghafter Anstieg von rechter Gewalt in Sachsen – 74 Angriffe auf Asylunterkünfte
Region Mitteldeutschland Sprunghafter Anstieg von rechter Gewalt in Sachsen – 74 Angriffe auf Asylunterkünfte
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13:52 29.02.2016
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Archivfoto  Quelle: dpa-Zentralbild
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Leipzig

Die Zahl der rechtsradikalen und fremdenfeindlichen Angriffe in Sachsen ist im vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Statistik der Opferberatung rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt (RAA Sachsen) hervor. Nach Angaben der Initiative wurden 2015 insgesamt 477 solcher Angriffe registriert, das seien 86 Prozent mehr als im Vorjahr. „Rechtsmotivierte Gewalt ist im zurückliegenden Jahr massiv angestiegen und hat sich innerhalb von drei Jahren – seit 2012 – mehr als verdoppelt. Die Zunahme im Jahr 2015 ist jedoch besonders erschreckend“, erklärte RAA-Mitarbeiterin Andrea Hübler.

Mehr als die Hälfte der Angriffe seien fremdenfeindlich gewesen, ein Viertel richtete sich gegen politische Gegner. Regional führt die Landeshauptstadt mit 116 registrierter Attacken die Statistik an, gefolgt von Leipzig (77) und dem Landkreis Leipzig (56). In Dresden habe sich die Zahl der rechtsradikalen Übergriffe mehr als verdoppelt, so die Opferberatung. In den Landkreisen Leipzig (180 Prozent), Sächsische Schweiz/Osterzgebirge (267 Prozent) und Meißen (240 Prozent) war der Anstieg noch extremer.

Der Großteil der Angriffe war rassistisch motiviert (285) oder richtete sich gegen politische Gegner (121). Quelle: RAA Sachsen

Etwa Zweidrittel der rechten Angriffe seien Körperverletzungen gewesen, so das RAA Sachsen. Es folgen Nötigungen und Bedrohungen (139) sowie 74 Angriffe auf oder im Umfeld von Flüchtlingsheimen. Die meisten Brandsätze und Steine gegen Asylunterkünfte wurden in der Sächsischen Schweiz/Osterzgebirge (16), in Dresden (14) und im Landkreis Leipzig (9) geworfen.

Ebenfalls angestiegen sind Angriffe im Umfeld von Demonstrationen, 72 Attacken auf politische Gegner und Journalisten hat das RAA Sachsen für 2015 registriert. „Pegida und die flächendeckend in Sachsen aktiven Anti-Asyl-Proteste haben ein Klima des Hasses erzeugt, der die letzten Dämme brechen ließ: Attacken gegen Geflüchtete auf der Straße; Steine, Böller, Sprengsätze und Molotowcocktails auf bewohnte und unbewohnte Asylunterkünfte und Ausschreitungen wie in Heidenau – die Gewalt nahm im letzten Jahr besorgniserregende Ausmaße an“, so Hübler in einer Mitteilung weiter.

Die Opferberatung des RAA Sachsen unterstützt nach eigenen Angaben seit 2005 Betroffene von rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt im Freistaat.

Von mpu