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Mitteldeutschland Städtezoff Torgau-Striegau: Honorarkonsul vermittelt, Bürgermeister gerät unter Druck
Region Mitteldeutschland Städtezoff Torgau-Striegau: Honorarkonsul vermittelt, Bürgermeister gerät unter Druck
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19:03 05.12.2019
Kann er den Bruch zwischen Torgau (Wappen links) und Striegau noch kitten? Der polnische Honorarkonsul Markus Kopp bietet seine Vermittlerdienste im zerrütteten Verhältnis der beiden Stadtspitzen an. Quelle: André Kempner / TZ
Torgau

Das Porzellan scheint zerschlagen: Nach dem Fäkalien-Eklat einer polnischen Delegation in Torgauhatte die Elbestadt die 22-jährige Partnerschaft mit der niederschlesischen 16 000-Einwohner-Stadt Striegau (Strzegom) beendet. Die Verwüstung der Hotelzimmer von offenbar nicht ganz magenfesten Mitgliedern der polnischen Delegation wertete Oberbürgermeisterin Romina Barth (CDU) als „unmenschliches Verhalten“. Eine Entschuldigung fehle, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sei kaum noch vorstellbar.

Honorarkonsul Kopp telefonierte mit beiden Seiten

Den Bruch will Markus Kopp, polnischer Honorakonsul für Sachsen, nicht einfach so hinnehmen. Der frühere Vorstandschef der Mitteldeutschen Flughafen AG in Leipzig, ist seit August 2011 als Honorarkonsul und damit als deutsch-polnischer Vermittler aktiv. Kopp sagt auf Anfrage von LVZ.de: „Das ist natürlich eine höchst bedauerliche Entwicklung. Vor allem weil dabei leider oft auch zwischenmenschliche Beziehungen Schaden nehmen.“

Finanzielle Unterstützung für Austausch soll bleiben

Kopp bestätigte, dass er sich inzwischen in den Fall eingeschaltet habe. „Ich habe mit beiden Seiten gesprochen und versucht, die Emotionen wieder etwas zu beschwichtigen.“ Vor allem nach seinem Telefonat mit Torgaus Oberbürgermeisterin Barth sei er zuversichtlich, dass trotz der gescheiterten Städtepartnerschaft die vielen Kontakte von Vereinen, Schüler und Jugendgruppen erhalten bleiben. Barth habe ihm gegenüber auch signalisiert, dass es dafür weiterhin finanzielle Unterstützung gebe. „Da ist so vieles in den letzten 20 Jahren gewachsen. Ich will da gern mit unterstützen, dass dieser Austausch und diese Begegnungen weiter stattfinden.“

Dieses Interesse habe auch die polnische Seite, die im übrigen die Städtepartnerschaft von sich aus noch nicht aufgekündigt hat. „Auch in Striegau sind viele nicht glücklich über diese Entwicklung. Ich glaube, wenn der Schaden im Hotel sofort geregelt worden wäre, dann hätte es dieses Medienecho gar nicht erst gegeben.“

Fällt Bürgermeister Suchyta über den Fäkalien-Eklat?

In Polen wächst derweil der Druck auf Striegaus Bürgermeister Zbigniew Suchyta. Stadtchef Suchyta, bis 2015 Mitglied der post-kommunistischen Partei SLD, kam 2018 ins Amt und ist bis 2023 gewählt. Allerdings mehren sich Stimmen, die Konsequenzen für die unappetitlichen Vorfälle in Torgau fordern. So meldete sich der ehemalige Bürgermeister und jetzige Oppositionsführer im Striegauer Stadtrat, Lech Markiewicz, auf dem Nachrichtenportal swidnica24.pl zu Wort. Sein Vorwurf: Allein Bürgermeister Suchyta trage für den Skandal die Verantwortung. „Ich bin erschüttert von den Vorgängen, die in unserer Partnerstadt Torgau vor sich gingen. Niemand beendet so einfach die Zusammenarbeit, dafür muss es triftige Gründe geben.“

Bei der nächsten Stadtratssitzung soll es eine Aussprache dazu geben, Markiewicz will eine umfassende Erklärung des Bürgermeisters einfordern. Für den Moment aber blieben nur „Scham und Trauer, dass die Zusammenarbeit, von der besonders unsere Kinder und Jugendlichen profitiert haben, vorbei ist.“

Bereits zuvor hatte eine Striegauer Lokalzeitung in einer Facebook-Abstimmung die Frage gestellt: Soll Bürgermeister Suchyta zurücktreten? Die klare Mehrheit antwortete mit Ja.

Was passierte im Oktober im Torgauer Hotel? So berichtete das polnische Portal „Gazeta pl.“ über den Eklat mit der Striegauer Delegation. Quelle: Screenshot / Gazeta.pl

Striegauer Stadtchef: „Kann jedem mal passieren“

Der kritisierte Stadtchef selbst hat sich jetzt auf dem Portal swidnica 24 geäußert: „Ich akzeptiere diese Entscheidung, aber vor zwei Jahren hatten wir eine ähnliche Lage mit einer deutschen Delegation. Wir haben allerdings keine große Sache daraus gemacht, weil das jedem passieren kann. Ich weiß nicht, worum es hier geht, denn das, was der Person passierte, ist schließlich über die Rechnung geregelt worden.“ Zudem bestritt der Bürgermeister den Vorwurf, übermäßiger Alkoholkonsum habe zu dem Eklat geführt. Insgesamt würden die Geschehnisse übertrieben dargestellt.

Lesen Sie auch: Polnische Delegation verwüstet Hotelzimmer

Zuvor hatte Suchyta gesagt, lediglich ein Mitglied der Delegation würde unter einem Magengeschwür und einem Reflux leiden. In der besagten Nacht habe dieser Mann seine Reaktion nicht mehr kontrollieren können und daher „den Raum beschmutzt.“ Zudem ist die Schadenersatzforderung des Hotels über 1500 Euro längst beglichen.

„Abende in Striegau verkamen zu Alkoholexzessen“

In Torgau ist man über diese Andeutungen Suchytas mehr als verwundert: Einen vergleichbaren Vorfall habe es beim Besuch einer deutschen Delegation nicht gegeben, der Stadtverwaltung Torgau seien keine entsprechenden Vorfälle bekannt, hieß es auf Nachfrage. Auch der parteilose Stadtrat Edwin Bendrin, Teilnehmer der letzten offiziellen Besuche in Striegau dementiert: „Die Gesellschaftsabende sind leider zu Alkoholexzessen verkommen, von denen sich die Torgauer Stadtvertreter sehr schnell zurückgezogen haben.“

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Mit einigen Erfahrungen in Sachen Städtepartnerschaft ausgestattet, berichtet Bendrin von einer deutlichen Verschlechterung der Beziehungen auf offizieller Ebene, seit Bürgermeister Zbigniew Suchyta im Amt ist. Den Torgauern sei immer mehr mit Desinteresse und Unhöflichkeit begegnet worden. „Unter diesem Bürgermeister halte ich eine Wiederbelebung der Partnerschaft für unmöglich.“

Was passierte im Torgauer Hotel?

Zimmer verwüstet nach Alkoholexzess? Oder war es nur ein Magenleiden? Was genau in den Zimmern des Torgauer Hotels passiert ist, wird von Torgauer und Striegauer Seite nach wie vor unterschiedlich dargestellt.

Torgaus Oberbürgermeisterin Romina Barth hatte auf Facebook erklärt: „Die polnische Delegation, darunter auch der Bürgermeister, haben nicht nur ein Teil der Einrichtung der Hotelzimmer zerstört, sondern auch alle denkbaren Exkremente in mehreren Hotelzimmern an undenkbaren Orten hinterlassen.“

Das polnische Nachrichtenportal swidnica24.pl veröffentlichte dagegen eine Erklärung aus Striegau. Darin werden die beiden Ratsmitglieder Roman Asynger und Cezary Wlodarczyk zitiert, die neben Bürgermeister Suchyta Teil der Delegation Striegaus in Torgau waren. In der Erklärung heißt es: „In der Nacht, während des Schlafens, kam es zu einem ,unkontrollierten Übergeben des Mageninhaltes‘ wobei es nicht möglich war, rechtzeitig das WC zu benutzen, so wurden Auslegeware und Bettwäsche beschmutzt.“ Und weiter heißt es: „Unser Fehler war, dass wir die Situation nicht sofort der Rezeption gemeldet haben“.

Der Vorsitzende des Striegauer Stadtrats, Tomasz Marczak, ergänzte auf swidnica24.pl: „Es ist schade, dass dieser Vorfall, der sich unter keinen Umständen hätte ereignen sollen, solche Auswirkungen auf die 20-jährigen Beziehungen hatte, die sehr fruchtbringend und erfolgreich waren.“ Laut Marczak sei die Rechnung über 1500 Euro, die das geschädigte Torgauer Hotel gestellt hatte, aus eigener Kasse der betreffenden Ratsteilnehmer bezahlt worden. Er fügte an: „Die Reaktion in den Medien ist Strafe genug.“

Marczak betont aber auch, dass es von Torgauer Seite keine Kontaktversuche gab, um die Hintergründe zu erfahren. „Wir haben keinen Brief der Partnerstadt erhalten, keine offizielle Beschwerde erreichte das Büro der Ratsmitglieder. Es gab auch keine Bitte, die Situation in einem Gespräch zu klären“, wird der Ratsvorsitzende zitiert.

Nach Informationen der „Torgauer Zeitung“ zeigen Fotos des Hotelzimmers, dass eher die Beschreibung der Oberbürgermeisterin Romina Barth zutrifft. Ihr Striegauer Amtskollege Suchyta hatte inzwischen auch gegen Torgau ausgeteilt und erklärt, dass ein ähnlicher Vorfall in Striegau von ihm diskret geklärt worden sei. Dies wird in Torgau klar dementiert.

MDR-Bericht: Polen in Torgau herablassend behandelt?

Indes brodelt auch in Torgau die Gerüchteküche. Laut einem Bericht von „MDR aktuell“ macht die Behauptung die Runde, wonach sich die polnische Delegation mit ihrem Ausraster rächen wollte – dafür, dass sie von der Torgauer Oberbürgermeisterin Romina Barth zuletzt angeblich herablassend behandelt wurde. Die CDU-Politikerin weist das von sich. „Das kann ich so nicht bestätigen. Ich denke, wir haben doch eine sehr herzliche Partnerschaft miteinander gepflegt und ich empfand das immer als sehr offene Partnerschaft“, sagte sie dem Sender. Dennoch bleibt sie in der Sache hart: Die Kündigung der Partnerschaft sei vom Stadtrat beschlossen, das könne man nur schwer rückgängig machen.

Unterschriftenliste gegen die gekündigte Städtepartnerschaft: Mit einem offene Brief, der im Torgauer Buchladen „Bücherwald“ ausliegt, versuchen Bürger den Bruch noch zu kitten. Quelle: TZ

Unterschriftenaktion will Partnerschaft retten

Das allerdings sehen in Torgau nicht alle so. Die Kirchenmusikerin Hildegard Saretz hat zusammen mit anderen Bürgern bereits 300 Unterschriften gegen den Beschluss gesammelt. In dem offenen Brief an die Stadtverwaltungen Torgau und Striegau heißt es: „Die Vorfälle im Hotel sind von polnischer Seite bereinigt, so dass nach unserer Meinung kein Anlass mehr für diese Entscheidung vorliegt. Es haben viele freundschaftliche Begegnungen stattgefunden, die die Bürger beider Städte verbunden haben. Ein Beschluss, der die Förderung der menschlichen Beziehungen über Ländergrenzen hinweg abbrechen lässt, ist gerade in unserer Situation, in der sich viele Länder Europas politisch voneinander entfernen, untragbar und sollte daher von der Stadt Torgau nochmals überdacht werden.“

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Von Olaf Majer, Sebastian Stöber

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