Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Stellenabbau führt zu eingeschränkten Studienmöglichkeiten in Sachsen
Region Mitteldeutschland Stellenabbau führt zu eingeschränkten Studienmöglichkeiten in Sachsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 22.04.2019
Schluss mit Vorlesung? Mehrere Studiengänge wie Wirtschaftspädagogik und Sprachmittler stehen an der Leipziger Uni auf der Kippe. Quelle: Christoph Hardt/dpa
Anzeige
Leipzig

Der Universität Leipzig droht der Verlust eines weiteren renommierten Studienganges. Nachdem bereits angehende Sprachmittler des Institutes für Angewandte Linguistik und Translatologie Alarm geschlagen hatten, weil das Studienfach Russisch vor der Abwicklung steht, droht nun der Wirtschaftspädagogik das gleiche Schicksal. Derzeit liefen Gespräche zur Zukunft der Wirtschaftspädagogik am Standort Leipzig, „die auch eine Abwertung und sogar die Streichung der einzigen Professur beabsichtigen“, wie es in einer Petition der Studierenden heißt. „Dies hätte für die Studierenden bereits ab dem Sommersemester 2019 dramatische Folgen, da der Lehrbetrieb am ältesten Institut für Wirtschaftspädagogik Deutschlands (1923 gegründet) unter diesen Umständen möglicherweise nicht gesichert werden könnte“, warnen die Initiatoren.

Aktuell sind reichlich 200 Studenten in dem Bachelor- und Masterstudiengang der zweitältesten deutschen Universität eingeschrieben. Die Nachricht sorgte für große Resonanz im In- und Ausland. Hunderte Kommentatoren bekundeten ihre Solidarität mit den künftigen Wirtschaftspädagogen.

Anzeige

Grüne fordern 66 Millionen Euro mehr

„Das Fächersterben an Sachsens Hochschulen muss ein Ende haben“, fordert Claudia Maicher, hochschulpolitische Sprecherin der sächsischen Grünen. Der vor sieben Jahren von der CDU/FDP-Koalition beschlossene Stellenabbau „wirft einen sehr langen Schatten“, so die Abgeordnete. „Es rächt sich immer wieder, dass die Universität Leipzig dadurch gezwungen war, 101 Stellen abzubauen, bevor die jetzige CDU/SPD-Regierung diesen Aderlass viel zu spät gestoppt hat.“ Nach der einzigen Ausbildungseinrichtung für Russisch-Dolmetscher stehe nun auch die traditionsreiche Wirtschaftspädagogik zur Disposition. Dem Rotstift fallen zudem die Musikwissenschaften an der TU Dresden und die Mikrosystemtechniker an der Westsächsischen Hochschule Zwickau zum Opfer.

Für ihre Fraktion stehe fest, dass die Hochschulen auf eine solide finanzielle und personelle Grundlage gestellt werden müssten. Anstelle zeitlich befristeter Programmfinanzierung fordern die Grünen „eine deutlich bessere Grundfinanzierung der Hochschulen“. Maicher rechnet mit zusätzlich 66 Millionen Euro. „Die Studierenden brauchen endlich Planungssicherheit“, betont die Abgeordnete.

Uni setzt Immatrikulationen für Bachelor aus

„Die Professur für Wirtschaftspädagogik steht der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät nach aktuellem Stand ab 2022 nicht mehr zur Verfügung“, sagt Carsten Heckmann, Sprecher der Leipziger Universität. „Dass die Professur bereits seit Anfang vorigen Jahres vakant ist und derzeit vertreten wird, hängt mit dem plötzlichen Tod des bisherigen Stelleninhabers zusammen.“ Sowohl die Universitäts- als auch die Fakultätsleitung seien bestrebt, die Ausbildung von Wirtschaftspädagogen in Leipzig fortsetzen. „Aktuell laufen Gespräche über Lösungsmöglichkeiten“, so der Uni-Sprecher. Ob es dann wie bislang sowohl Bachelor- als auch Master-Studiengang geben wird, sei allerdings zu bezweifeln, räumte Heckmann ein: „Es ist denkbar, dass wir uns auf den Master-Studiengang konzentrieren.“

Bereits in dem im Herbst beginnenden Wintersemester werde die Immatrikulation in den Bachelor-Studiengang ausgesetzt. „Solange nicht alle Weichen für die Zukunft gestellt sind, wäre eine Neu-Immatrikulation kaum zu verantworten.“ Alle Zukunftsoptionen auszuloten und dafür auch mit politischen Akteuren Gespräche zu führen, werde allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen, heißt es aus dem Rektorat.

Ministerin will Fächervielfalt erhalten

„Der Stellenabbau an den sächsischen Hochschulen ist Geschichte“, versichert die sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD). Auf maßgeblichen Einfluss der SPD habe die aktuelle schwarz-rote Regierungskoalition seit Anfang 2017 alle geplanten Stellenkürzungen zurückgenommen. „Wegen der Auswirkungen zu den bereits vollzogenen Stellenkürzungen stehen wir mit den Hochschulen in Kontakt und sind sehr daran interessiert, dass ein möglichst breites und ausdifferenziertes Angebot an Studienfächern vorgehalten werden kann, damit die für die Gesellschaft nötigen Fachkräfte ausgebildet werden können“, so die Ministerin. Sie sei froh, dass „das Rektorat der Universität Leipzig - die am stärksten vom Stellenabbau bis 2016 betroffen war – sehr verantwortungsvoll versucht, den Belangen der Studierenden und des Freistaats dennoch gemeinsam mit den Fakultäten entgegenzukommen.“

Für die letzte akademische Ausbildung zum Russisch-Dolmetscher in den neuen Bundesländern bemühe sich die Universitätsleitung gemeinsam mit der Philologischen Fakultät um Lösungen für die Fortsetzung des Lehrangebots. Auf die konkrete Einrichtung von Studienangeboten könne das Ministerium aber keinen Einfluss nehmen, betont Ministeriumssprecher Andreas Friedrich: „Bei der Ausgestaltung von Forschung und Lehre gilt die Hochschulautonomie.“

Von Winfried Mahr