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Mitteldeutschland Stornierungen von Weihnachtsfeiern setzen sächsischem Gastgewerbe zu
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Stornierungen von Weihnachtsfeiern setzen sächsischem Gastgewerbe zu

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09:37 25.10.2020
Während in den Vorjahren in vielen Gaststätten die Termine für Weihnachtsfeiern schon Monate vor dem Fest ausgebucht waren, haben die Wirte in diesem Jahr mit Stornierungen zu kämpfen. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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Dresden

Die Corona-Pandemie droht den Gastwirten in Sachsen das Weihnachtsgeschäft zu verderben. „Das Gastgewerbe blickt etwas mit Bangen in Richtung Weihnachtszeit“, sagte Sachsens Dehoga-Hauptgeschäftsführer Axel Klein, in Dresden. Während in den Vorjahren in vielen Gaststätten die Termine für Weihnachtsfeiern schon Monate vor dem Fest ausgebucht waren, haben die Wirte in diesem Jahr mit Stornierungen zu kämpfen, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

„Es ist besser, die Menschen feiern in öffentlichen Gaststätten als zu Hause.“

„Die Zeit von Mitte November bis Jahresende ist wichtig für die Branche“, sagte Klein. Die Politik sollte bei den Infektionsschutzmaßnahmen berücksichtigen, dass sich aktuell die meisten Menschen bei Privatfeiern in der häuslichen Umgebung infizierten, nicht bei Feiern in Gaststätten, wo Schutzvorschriften beachtet würden. „Es ist besser, die Menschen feiern in öffentlichen Gaststätten als zu Hause.“

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Klein zufolge hat sich die Branche während der Sommermonate vom Lockdown des Frühjahrs wieder erholt. Zu starke Beschränkungen drohen laut Klein diese Erfolge wieder zunichte zu machen.

Der Hauptgeschäftsführer der Dresdner Industrie- und Handelskammer, Detlef Hamann, nannte es unverständlich, dass laut der jüngsten Corona-Schutz-Verordnung ab einem Inzidenzwert von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen Feierlichkeiten nur noch im Freundes- und Familienkreis erlaubt seien. „Dies wird unter den aktuellen Bedingungen dazu führen, dass es in diesem Jahr kaum betriebliche Weihnachtsfeiern oder Vereinsfeiern geben wird. Eine weitere Hiobsbotschaft für die Gastronomiebranche.“

Etwa eine Million Euro, das ist fast ein Viertel des Jahresumsatzes, ist dem Ratskeller Leipzig durch die Stornierung von Weihnachtsfeiern verloren gegangen. Allein von Oktober bis Ende Dezember erwirtschafte das Unternehmen die Hälfte des Jahresumsatzes, sagte Geschäftsführer Ingo Winkler. In anderen Jahren waren die Weihnachtsfeiertage schon zur Jahresmitte ausgebucht, für Weihnachtsfeiern konnte in der Regel nur noch an weniger gefragten Wochentagen reserviert werden. „Jetzt leben wir von der Hand in den Mund“, sagt Winkler. Und obwohl das Haus gefühlt voll sei und Menschen offensichtlich froh seien, wieder ausgehen zu können, werde das Haus schon wegen der reduzierten Plätze im Oktober etwa 40 Prozent weniger erwirtschaften als in anderen Jahren.

Niemand weiß, ob die Feiern erlaubt sein werden

Winkler sagt, es ärgere ihn, das die Bundeskanzlerin Angela Merkel im Fernsehen den Menschen nahelegt habe, zu Hause zu bleiben. „Wir haben in die Belüftungstechnik und die Sicherheit investiert, wir habe Abstände geschaffen, die Menschen hinterlassen ihre Kontaktdaten und die Kanzlerin empfiehlt ihnen, zu Hause zu bleiben, wo sie sich anstecken.“

„Es wird noch ein spannender, aber auf keinen Fall ein guter Jahresausklang werden“, prophezeite Janette Lipar von den Restaurants „Sophienkeller“ und „Pulverturm“ in der Dresdner Altstadt. „Die Adventszeit ist theoretisch unsere stärkste Zeit im Jahr, auch durch die Weihnachtsmärkte und Veranstaltungen in der Stadt.“ Doch in diesem Jahr seien alle durch die sich ständig ändernden Bestimmungen verunsichert. Viele Firmen veranstalten keine Weihnachtsfeier oder sagten Veranstaltungen ab, weil zum jetzigen Zeitpunkt niemand wisse, was überhaupt gestattet sei. Ähnlich gehe es den Veranstaltern von Busreisen. Es werde viel storniert und sehr kurzfristig neu angefragt.

In den Sommermonaten seien viele Touristen in der Stadt gewesen, die Restaurants seien gut besucht gewesen. Das habe die Schließmonate und die verordneten begrenzten Sitzplatzkapazitäten jedoch nicht aufgewogen. Vor allem sei die Zusammenarbeit mit internationalen Reiseunternehmen besonders aus Asien komplett weggebrochen.

„Ein Weihnachtsgeschäft wie wir es bisher kannten, wird es in diesem Jahr nicht geben“, sagte Heike Weiß von Auerbachs Keller in Leipzig. „Wenn wir im Sommer noch verhaltene Buchungen hatten, so ist in den vergangenen 14 Tagen wegen der steigenden Infektionszahlen alles wieder storniert worden.“ Die Ungewissheit, ob Weihnachtsmärkte stattfänden und ob es den Firmen überhaupt erlaubt sei, zu feiern, lasse das Buchungsverhalten gegen Null gehen. Die beiden Weihnachtsfeiertage seien von Individualgästen noch gut gebucht. Das komplette Silvestergeschäft mit Gruppen aber sei ebenfalls weggebrochen. Derzeit hofften die fast 100 Mitarbeiter, dass es nicht wieder zu einer Schließung des Restaurants komme.

Von Ralf Hübner, dpa