Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Streit um Bestattung von al-Bakr - Familie prüft Strafanzeige gegen Sachsen
Region Mitteldeutschland Streit um Bestattung von al-Bakr - Familie prüft Strafanzeige gegen Sachsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:47 22.10.2016
Dschaber al-Bakr nahm sich in der JVA Leipzig das Leben. Wo er bestattet wird, ist noch unklar. Quelle: André Kempner
Leipzig

Der Leichnam des mutmaßlichen Terroristen Dschaber al-Bakr soll in den nächsten Tagen durch die Staatsanwaltschaft freigegeben werden – doch wo der Syrer bestattet wird, steht noch nicht fest. Es ist sogar ein Streit zwischen der per Gesetz zuständigen Stadt Leipzig und dem sächsischen Justizministerium entbrannt. Hintergrund ist: In Leipzig wird befürchtet, dass ein etwaiges Grab von al-Bakr zu einer Wallfahrtsstätte für Islamisten werden könnte.

Aufgrund der Brisanz des Falls und der politischen Tragweite hat Leipzigs Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) ein Hilfeersuchen an das Justizministerium in Dresden gerichtet. „Es geht nicht um Zuständigkeiten, sondern darum, in einer solchen Situation unterstützt zu werden. Das kann man in einem solchen Fall erwarten“, erklärt Stadtsprecher Matthias Hasberg.

Wenn Verstorbene keine Angehörigen haben, ist in Sachsen die jeweilige Gemeinde für die Bestattung zuständig. Im Fall von al-Bakr also Leipzig – der mutmaßliche Terrorist, der Kontakt zur IS-Miliz gehabt haben soll, hatte sich vor anderthalb Wochen in der Justizvollzugsanstalt Leipzig erhängt.

Ministerium erklärt sich für nicht zuständig

Die Stadtverwaltung hat das Justizministerium unter anderem gebeten, einen Kontakt zur syrischen Botschaft herzustellen. Dort soll geklärt werden, ob sich die Familie wegen einer möglichen Überführung des Leichnams gemeldet hat oder ein Kontakt zu ihr hergestellt werden kann. Auf LVZ-Anfrage erklärt sich das Ministerium für nicht zuständig, was formal richtig ist: „Wir haben damit nichts zu tun.“ Die Stadtverwaltung müsse sich zuständigkeitshalber selbst kümmern, heißt es in Dresden.

Sollte al-Bakr in Leipzig begraben werden müssen, würden auf alle Fälle die muslimischen Regeln eingehalten, macht Hasberg klar, „damit haben wir schon Erfahrung“. Das Verbrennen des Leichnams ist somit ausgeschlossen. Die Bestattung soll anonym und geheim erfolgen – so will die Stadt vermeiden, dass das Grab zur Pilgerstätte wird. „Ansonsten würde es aber ein ganz normales Begräbnis, so wie es jeder bekommt, auch nach den jeweiligen Glaubensregeln. Die Kosten übernehmen wir.“

Medien: Familie will Strafanzeige stellen

Die Familie des toten Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr will nach Medienberichten gegen Beamte der sächsischen Justiz Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung erstatten. Dies habe der deutsche Anwalt der Familie am Freitag bestätigt, berichteten Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR.

Man müsse prüfen, ob die Behörden fahrlässig handelten, als sie al-Bakr in einem gewöhnlichen Haftraum allein ließen und nur alle 30 Minuten nachsahen, obwohl der Inhaftierte bereits die Lampe in seinem Haftraum zerstört und an den Steckdosen manipuliert hatte, sagte der Leipziger Anwalt der Familie, Alexander Hübner, der Zeitung und den beiden Sendern.

Zudem soll al-Bakr nach Informationen des «Spiegel» schon Wochen vor der Festnahme und seinem späteren Suizid in Leipzig mit Sprengstoff experimentiert haben. Wie das Magazin berichtet, weisen darauf Spuren hin, die der 22-jährige Syrer Ende August in einem Apartmenthotel der Messestadt hinterlassen habe. Demnach wurde die Einrichtung durch das Hantieren mit Chemikalien stark beschädigt.

Fotos aus der Küche zeigten Rußspuren, braune Flecken wie von Flammen an der Abzugshaube und Spuren am Spülbecken wie von Säureschäden, heißt es in dem Bericht. Der Hotelbesitzer habe nach al-Bakrs Verschwinden Anzeige erstattet. Allerdings habe die Polizei den Vorfall lediglich als Sachbeschädigung eingestuft.

Andreas Debski / dpa

Viel Staub wurde aufgewirbelt: Am Freitag sind die letzten Reste des seit 17 Jahren stillgelegten Kraftwerkes Thierbach bei Kitzscher (Kreis Leipzig) gesprengt worden. Zum krachenden Abschied kamen dutzende Zaungäste. Die B95 musste zeitweise gesperrt werden.

21.10.2016

Auf Sachsens höchster Erhebung hat in der Nacht zu Freitag schon mal der Winter angeklopft: Sieben Zentimeter Schnee liegen derzeit auf dem Fichtelberg. Die Schneedecke kann bis zum Sonntag sogar noch dicker werden.

21.10.2016

Die sächsische Staatsregierung hat beschlossen, dass die Polizei um tausend Stellen aufgestockt werden soll – doch im Innenministerium ist man noch nicht über den Planungsstatuts hinausgekommen. Fast ein Jahr nach dem Bericht der Fachkommission und deren Stellenvorgaben existiert kein konkretes Personalkonzept, um die Aufstockung umzusetzen.

20.10.2016