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Mitteldeutschland Streit um Polikliniken geht weiter
Region Mitteldeutschland Streit um Polikliniken geht weiter
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19:00 30.04.2019
Neuer Streit um die ärztliche Versorgung in Sachsen. Quelle: Arno Burgi/dpa
Leipzig

Der Streit um eine Rückkehr zu Polikliniken in Sachsen geht weiter. Die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag hatte sich in einem Positionspapier für „das Modell der Poliklinik“ in Sachsen ausgesprochen. Klaus Heckemann, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Sachsen, konterte in der LVZ: „Das ist grober Unfug und zeugt nur von Unkenntnis der Materie.“ Es sei schon erschreckend, dass die SPD immer noch die Lösung darin sehe, dass die Ärzte nur nicht mehr selbstständig sein sollen, sondern angestellt arbeiten – und alles sei gut. Dabei sei das Gegenteil der Fall.

Die SPD-Fraktion kündigte gestern an, Heckemann zu einem Fachgespräch im Mai einzuladen. Fraktionschef Dirk Panter sagte aber auch, er sei „erschüttert, welches Bild der KV-Präsident von angestellten Ärzten hat und in welcher Tonlage er es in der Öffentlichkeit verbreitet.“ Gleichzeitig räumte er ein: „Wir haben bei der medizinischen Versorgung in einigen Regionen Sachsens eine angespannte Situation. Die SPD-Fraktion hat deshalb Vorschläge unterbreitet, um die Versorgung langfristig zu sichern.“

Die Idee der Poliklinik sei natürlich angelehnt an das Konzept aus DDR-Zeiten, so Panter: „Denn es hat funktioniert und bietet einen Lösungsansatz für wichtige Probleme: Patienten haben dann kürzere Wege, Ärzte mehr Zeit für jeden einzelnen Patienten, der Verwaltungsaufwand für den einzelnen Arzt wird kleiner. Das Modell kann und sollte natürlich an die Gegenwart angepasst werden.“ Er schlug vor, daraus eine Art „Poliklinik+“ zu machen.

Der SPD-Fraktionschef stellte auch klar, man habe nicht vorgeschlagen, dass alle Ärzte künftig angestellt arbeiten sollen – und alles werde gut. „Es geht vielmehr darum, diejenigen zu unterstützen, die anders arbeiten möchten.“ Und gehe es um zusätzliche Möglichkeiten. Die Lösungen seien vielfältig und reichten von Tandempraxen, in denen ein erfahrener Arzt über einen längeren Zeitraum einen potenziellen Nachfolger einarbeitet, über die wichtigen Reformen des Medizinstudiums sowie des Praktischen Jahrs bis zu mehr Arztassistentinnen und Arztassistenten.

Panter mahnte: „Wenn jetzt nicht gehandelt wird, türmen sich immer mehr Probleme auf – mit Langzeitfolgen. Was Langzeitfolgen von Nicht-Handeln sind, haben die Sachsen bei fehlenden Lehrern und fehlenden Polizisten durchlebt.“

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Susanne Schaper, sagte, die Forderungen der SPD seien unehrlich, weil auch die Partei Anträge der Linken mit inhaltlich ähnlichen Forderungen im Landtag immer abgelehnt habe. Dennoch könne sie die Kritik Heckemanns nicht nachvollziehen. Die KV überziehe Ärzte, die aufgrund des Ärztemangels immer mehr Patienten versorgen müssen, mit existenziell bedrohlichen Regressforderungen, wenn sie mehr als die vorgesehen 780 Stunden an Sprechzeiten pro Quartal abrechnen. „Nun hält ihr Vorsitzender Polikliniken für ,groben Unfug’, weil angestellte Ärzte eine deutlich kürzere Arbeitszeit hätten und dementsprechend noch weniger Patienten versorgen könnten. Das ist schon paradox“, sagte Schaper.

Heckemann selbst präzisierte seine Aussagen in Bezug auf eine Landarztquote. Sie habe in der momentan angedachten Form nur den „Schönheitsfehler“, dass sie leider nicht gleichzeitig zusätzliche Studienplätze bedeute.

Von Roland Herold

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