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Mitteldeutschland Streitthema Wolf: Bundesamt beobachtet Zunahme auf 60 Rudel
Region Mitteldeutschland Streitthema Wolf: Bundesamt beobachtet Zunahme auf 60 Rudel
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17:20 22.11.2017
Wolfsrudel in Deutschland (Archivbild)
Wolfsrudel in Deutschland (Archivbild) Quelle: epd
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Leipzig/Berlin

Trotz einiger Gefahren wie dem Straßenverkehr haben sich die Wölfe in Deutschland weiter vermehrt. Inzwischen sind 60 Rudel nachgewiesen, 13 mehr als vor einem Jahr. Das geht aus Daten des Bundesamts für Naturschutz (BfN) und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurden. 13 Wolfspaare und drei sesshafte Einzelwölfe einberechnet, gehe man von 150 bis 160 erwachsenen Wölfen aus, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. Vor einem Jahr waren es 140.

Die Zahlen werden in den Bundesländern erhoben und kommen den Angaben zufolge durch überprüfbare Nachweise zustande, zum Beispiel Kot und Spuren der Tiere sowie Aufnahmen aus Fotofallen. Mit dem Betonen der eigenen Methoden stellt sich das BfN erneut auch gegen Aussagen von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD). Er hatte vergangene Woche eine Zahl von rund 650 Wölfen in den Raum gestellt. Auf politischen Druck hin war die ursprünglich schon vor zwei Wochen geplante BfN-Pressekonferenz zum Wolf auch verschoben worden.

Valide belegen könne Backhaus die Zahl nicht, betonte Jessel. Solche Gesamtzahlen seien für Aussagen zum Erhaltungszustand auch nicht ausschlaggebend - dieser sei beim Wolf weiterhin ungünstig, betonte Jessel. Amtlich werden Rudel, Paare und sesshafte Einzelwölfe erfasst, die für die Fortpflanzung eine Rolle spielen. Wolfswelpen hingegen sterben oftmals früh, zudem sei deren eindeutige Erfassung schwierig. Die Zahl der Wölfe pro Rudel kann stark schwanken, zwischen drei und elf im Schnitt.

Nach den Daten von BfN und DBBW hat sich die Wolfspopulation in einem Band von der Lausitz im Osten bis in den Nordwesten verdichtet. Das Verbreitungsgebiet habe sich aber auch für die Experten überraschend nicht in dem Maße ausgeweitet, wie es die Rudelzahlen vermuten ließen, sagte Jessel. Die meisten Wölfe leben in Brandenburg und Sachsen. Zum Verbreitungsgebiet - sieben Bundesländer - zählt im Süden nun auch Bayern.

Bislang sind Straßen die größte Gefahr für die Tiere: Bei 140 von rund 200 tot gefundenen Wölfen seit dem Jahr 2000 waren Unfälle der Grund. Allein im vergangenen Beobachtungszeitraum vom 1. Mai 2016 bis 30. April 2017 wurden laut Angaben fünf Wölfe illegal getötet. Damit ist die Zahl dieser Taten auf 26 seit dem Jahr 2000 gestiegen.

In Deutschland gibt es nach langer Phase der Ausrottung wieder Wölfe, seit im Jahr 2000 ein Paar aus Polen zuwanderte. Heute sind die Tiere streng geschützt. Allerdings wollen viele Nutztierhalter und Jäger die Wildtiere legal abschießen dürfen, vor allem, wenn sie Weidevieh gefährlich werden könnten. Umweltschützer fordern verstärkte Prävention, vor allem durch Elektrozäune oder Herdenschutzhunde. Eine pauschale Bejagung von Wölfen lehnen Tierschützer und das BfN ab.

Jessel betonte, dass Wölfe, die Schafe oder Ziegen reißen, nicht automatisch eine Gefahr für den Menschen seien. „Wir kennen keinen einzigen Angriff auf Menschen seit es wieder Wölfe in Deutschland gibt“, sagte Jessel. Wichtig sei, dass Menschen Wölfe als selbstständige und freie Tiere respektierten und das Anfüttern, zum Beispiel für Fotos, unterlassen. Eine Gewöhnung an den Menschen könne sonst tatsächlich zu gefährlichen Situationen führen. Statt einer Diskussion über eine „Obergrenze“ für Wölfe in Deutschland müsse es darum gehen, wie Tierhaltungen besser geschützt werden könnten, betonte Jessel. Für den Wolf sei in Deutschland noch genügend Platz zur Ausbreitung.

dpa