Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Studie: Junglehrer finden Sachsens Schulen immer attraktiver
Region Mitteldeutschland Studie: Junglehrer finden Sachsens Schulen immer attraktiver
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:10 06.06.2019
An der Universität in Leipzig sitzen Lehramts-Studenten in einer Vorlesung. Nach dem Studium wollen die meisten in Sachsen bleiben, ergab jetzt eine neue Studie. Quelle: Waltraud Grubitzsch/dpa
Dresden

Die meisten Lehramtsabsolventen sächsischer Hochschulen wollen auch in Sachsen unterrichten. Drei von vier Absolventen, die in Leipzig, Dresden oder Chemnitz ausgebildet wurden, bewerben sich nach dem Vorbereitungsdienst an sächsischen Schulen. Das ergab einer Studie des Kompetenzzentrums für Bildungs- und Hochschulforschung der TU Dresden, die am Donnerstag von Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) vorgestellt wurde, bewerben sich drei Viertel von ihnen nach dem Vorbereitungsdienst in Sachsen. Etwa jeder fünfte Absolvent bewarb sich demnach in Sachsen-Anhalt und jeder Zehnte in Brandenburg. Befragt wurden 1225 Lehramtsabsolventen der Prüfungsjahrgänge 2014 bis 2017 in Sachsen. Die Zahl der Studienanfänger für das Lehramt hatte sich von rund 1000 im Jahr 2012 auf 2600 im Jahr 2018 erhöht.

Klebeeffekt: Auswärtige bleiben in Sachsen

Die Studie belege, dass die massive Erhöhung der Studienplätze im Lehramt Wirkung zeige, erklärte Stange. „Damit erfüllen die Hochschulen ihre Aufgabe bei der Lösung des Personalproblems an den Schulen.“ Es sei wichtig, die jungen angehenden Lehrer nach dem Ersten Staatsexamen in Sachsen zu halten. „Wenn sie sich zum Vorbereitungsdienst außerhalb Sachsens bewerben, verlieren wir sie“, erklärte Stange.

Der Studie zufolge bewarben sich 58 Prozent der Befragten, die den Vorbereitungsdienst bereits begonnen oder absolviert haben, ausschließlich in Sachsen. Für 21 Prozent stand fest, dass sie sich in einem anderen Bundesland bewerben. Aber immerhin verbleiben von Alumni aus anderen neuen und alten Bundesländern jeweils etwa zwei Fünfteln in Sachsen, hob Studienleiter Karl Lenz hervor und sprach von einem „erfreulichen Klebeeffekt“.

Jeder Dritte mit politischem Klima unzufrieden

Wesentliche Gründe, sich außerhalb Sachsens zu bewerben, seien die Aussicht auf bessere Arbeitssituation außerhalb Sachsens (60 Prozent) sowie eine bessere finanzielle Vergütung (57 Prozent) oder auch private Umstände (56 Prozent), hieß es. Nur geringfügig dahinter rangiere mit 55 Prozent die Unzufriedenheit mit der sächsischen Bildungspolitik. Auch das politische Klima im Freistaat gab jeder dritte der Befragten als Grund an, sich anderswo zu bewerben. Diese Wert nannte die Ministerin erschreckend hoch.

Dennoch äußerte sich Stange zuversichtlich, dass Studienbedingungen und Schulen in Sachsen immer attraktiver für Neulehrer werden. Der Bedarf bleibe durch viele altersbedingte Abgänge aus dem Schuldienst hoch, auch von befristeten Stellen wolle man in spätestens zwei Jahren wegkommen. Deshalb soll en auch in den kommenden Jahren Lehramtsstudenten auf hohem Niveau ausgebildet werden. Um das zu verstetigen, habe der Zukunftspakt bis 2025 die richtigen Weichen gestellt, so die Ministerin.

Kultusminister setzt auf Sonderzuschlag für Landlehrer

Kultusminister Christian Piwarz (CDU) sah sich ebenfalls durch die Studie bestätigt. Die Befragung von Junglehrerinnen und -lehrern zeige, dass Sachsen die richtigen Weichenstellungen vorgenommen hat.“ Dabei verwies er auf die bessere Bezahlung und die Verbeamtung von Lehrkräften. „Auch die Gewährung von einem Anwärtersonderzuschlag von 1000 Euro für Nachwuchslehrkräfte, die ihren Vorbereitungsdienst an Schulen in ländlichen Bedarfsregionen absolvieren, wird sich hoffentlich langfristig auszahlen“, so der Minister.

Lob kam auch aus der SPD-Fraktion im Landtag. „Es war richtig, in den letzten Jahren die Lehramtsstudienplätze in Sachsen zu verdoppeln“, sagte Wissenschaftsexperte Holger Mann. Trotz übernommener Defizite der Vorgängerregierung sei er zuversichtlich: „Wir können so mittelfristig dem Lehrermangel begegnen. Dafür muss jetzt aber auch das Bildungspaket an den sächsischen Hochschulen verstetigt und durch Dauerstellen untersetzt werden“, sagt SPD-Wissenschaftsexperte Holger Mann.

SPD-Bildungsexpertin Sabine Friedel hingegen mahnte: „Wenn 54 Prozent der Befragten angeben, sich aufgrund der Unzufriedenheiten mit der sächsischen Bildungspolitik außerhalb von Sachsen zu bewerben, müssen wir hier genauer auf die Ursachen schauen.“ Künftige Lehrerinnen und Lehrer bräuchten größere Gestaltungsmöglichkeiten und mehr Eigenverantwortung in den Schulen vor Ort. Neue Methoden zuzulassen und zugleich Tätigkeiten als Klassenleiterin zu honorieren, könne neue Impulse geben, so Friedel.

Von Winfried Mahr

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ende Mai hat ein Pinguin-Paar im Dresdner Zoo nach einer missglückten Ei-Befruchtung zwei benachbarte Pinguin-Paare angegriffen. Dabei verstarben zwei Küken und die Elterntiere zweier Jungvögel.

06.06.2019

Der Mittwoch war in Leipzig der bisher wärmste Tag des Jahres. Im Südosten der Stadt kletterten die Temperaturen auf 32,5 Grad. Am Donnerstag soll es zu heftigen Gewittern kommen.

06.06.2019

Die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) bekommt einen neuen Rektor. Der 40-jährige Wirtschaftsprofessor Mark Mietzner erhielt bei der Wahl am Mittwoch die meisten Stimmen. Viele hatten mit einer Wiederwahl der amtierenden Rektorin Gesine Grande (54) gerechnet.

17.06.2019