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Mitteldeutschland Studie: Leipzig wächst am schnellsten in Deutschland
Region Mitteldeutschland Studie: Leipzig wächst am schnellsten in Deutschland
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16:53 05.04.2019
Die Skyline von Leipzig. Bis 2035 könnte die Bevölkerung in der Messestadt um rund 16 Prozent wachsen. Quelle: Andreas Schmidt
Leipzig

Sachsen – das Land der Unzufriedenen und Abgehängten. Diesem Bild, das vor allem außerhalb des Freistaats die Runde macht, widerspricht eine aktuelle Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. „Auch wenn die zahlreichen Demonstrationen von Pegida es so vermittelt haben: Der Freistaat ganz im Osten ist in vielerlei Hinsicht auf der Überholspur und der eigentliche Gewinner seit der Wiedervereinigung“, sagt Institutsmitarbeiter Manuel Slupina.

Mit einem Wirtschaftswachstum von im Schnitt 2,3 Prozent in den Jahren 2013 bis 2017 liege Sachsen auf Platz drei aller Bundesländer. Nirgendwo außer in Berlin sei die Arbeitslosigkeit stärker zurückgegangen. Außerdem sei kein anderes Bundesland so attraktiv für Studenten wie Sachsen, sagt der Wissenschaftler. Im Vergleich zur Vorgängerstudie aus dem Jahr 2011 zähle Sachsen neben Berlin zu den größten Aufsteigern. „Sachsen hat sich unter allen Bundesländern um vier Plätze verbessert und rangiert nun auf Platz acht – vor zahlreichen westdeutschen Ländern wie Schleswig-Holstein oder Nordrhein-Westfalen und knapp hinter seinem Nachbarn Thüringen“, sagt Slupina. Thüringen liegt demnach auf Rang sieben. Eisenach und Jena sind die beiden wirtschaftsstärksten Regionen im Osten.

Dresden unter den Top-20

Thüringen und Sachsen haben ihren Erfolg vor allem den größeren Städten zu verdanken. Von den untersuchten 401 deutschen Kreisen und kreisfreien Städten nimmt Dresden im Ranking Platz 15 ein. „Besser stehen nur Kreise in Bayern und Baden-Württemberg da“, heißt es.

Die Studie vergleicht die Zukunftsfähigkeit der Regionen und nimmt insgesamt 21 Indikatoren wie Demografie, Wirtschaft, Bildung und Familienfreundlichkeit unter die Lupe.

Während Leipzig im Gesamtranking Platz 92 von 401 Kreisen einnimmt, liegt die Stadt bei der Bevölkerungsentwicklung bundesweit an der Spitze. „Leipzig ist der Leuchtturm schlechthin“, so Slupina. Bis 2035 sei ein weiteres Einwohnerplus von rund 16 Prozent zu erwarten. Keine andere Stadt in Deutschland entwickle sich so gut. Neben bekannten Boom-Regionen wie Hamburg, Frankfurt am Main oder München sei aber auch in Potsdam, Dresden, Erfurt, Halle, Magdeburg, Rostock und Jena in den nächsten Jahren mit Bevölkerungszuwachs zu rechnen.

Großes Stadt-Land-Gefälle

Hingegen sieht es anderenorts im Osten traurig aus. „Weite Regionen zwischen Rügen und dem Erzgebirge werden mehr als jeden fünften Einwohner verlieren. Die Alterung der Gesellschaft führt dazu, dass im brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße 2035 auf eine Geburt vier Beerdigungen kommen dürften“, sagt Institutschef Reiner Klingholz.

Das Ranking offenbart ein bekanntes Nord-Süd-Gefälle: Vorne liegen vor allem wirtschaftsstarke Städte mit ihren Umlandkreisen in Bayern und Baden-Württemberg. Am Ende finden sich Regionen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und dem Saarland. Im Osten liegen laut Studie zwar viele vom demografischen Wandel schwer gezeichnete Kreise, aber in den Problemzonen des Westens sei die Lage mittlerweile schwieriger. „Daran zeigen sich die punktuellen Erfolge des Aufbaus Ost und die Tatsache, dass die jahrzehntelange Abwanderung von Ost nach West gestoppt ist“, nennt Slupina einige Gründe.

Herausforderungen bleiben

Dank Zuwanderung und leicht gestiegener Kinderzahlen sei die Einwohnerzahl entgegen früherer Voraussagen mit rund 83 Millionen auf eine neue Rekordmarke geklettert, heißt es in der Studie. Auch in den nächsten Jahren dürfte die Bevölkerung laut Prognose kaum schrumpfen und 2035 bei etwa 82,3 Millionen liegen. Dennoch bleiben die Herausforderungen des demografischen Wandels: Weniger Arbeitskräfte, steigende Kosten in den Sozialsystemen und immer stärker zu Tage tretende regionale Verwerfungen verlangten nach neuen Antworten der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Von Andreas Dunte

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