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Mitteldeutschland Suche nach Endlager: Sachsen will kein „Atomklo“
Region Mitteldeutschland Suche nach Endlager: Sachsen will kein „Atomklo“
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09:00 06.07.2019
Thermografie-Aufnahme eines Castorbehälters, in dem hoch radioaktive abgebrannte Brennelemente befördert werden. Quelle: dpa
Dresden

Bei der Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Müll wurde Deutschland zu einer „weißen Landkarte“ erklärt. Das heißt, sämtliche Regionen in allen 16 Bundesländern werden danach bewertet, ob sie sich potenziell für ein solches Lager eignen. Gesucht werden große Salz- oder Tonlagerstätten sowie Granitformationen, die sich nach Erkenntnissen der Wissenschaft für ein Endlager eignen würden. Die Suche ist politisch hoch brisant und bereits jetzt regt sich in Sachsen Widerstand gegen ein „Atomklo“. Denn es gibt gleich drei Regionen mit Kristallingestein (Granit), die sich potenziell eignen könnten. Neben Gesteinsvorkommen in der Lausitzer Scholle und im Westerzgebirge/Vogtland auch in der sogenannten Halle-Wittenberger Scholle, etwa um Delitzsch in Nordsachsen.

Sämtliche Bergbaugebiete sind tabu

Allerdings sind sämtliche Bergbaugebiete tabu, wie der Chef der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), Stefan Studt, dieser Zeitung versicherte: „Bei der derzeitigen Standortsuche sind Gebiete mit Einflüssen aus gegenwärtiger oder früherer bergbaulicher Tätigkeit explizit ausgeschlossen. Das steht so im Standortauswahlgesetz und das werden wir selbstverständlich so berücksichtigen.“ Und der Chef der Aufsichtsbehörde (Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit – BfE), Wolfram König, erläuterte: „Das Gestein tief unter der Erde, in dem der radioaktive Abfall eingeschlossen werden soll, darf durch Bergbauaktivitäten keinen Schaden genommen haben. Darauf kommt es an, nur dann eignen sich die Standorte möglicherweise für ein Endlager.“

2020 geologische Daten auch für Sachsen

Dennoch ist Sachsen, wie ganz Mitteldeutschland, bei der Suche damit nicht außen vor. In einem Zwischenbericht, vermutlich im dritten Quartal 2020, würden Ergebnisse der Auswertung geologischer Daten aus allen Bundesländern, „also auch für Sachsen“, enthalten sein, sagte Studt. Doch hinter den Kulissen wird heftig um die Endlagersuche gestritten. Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) etwa mahnte mehr wissenschaftlich fundierte Sachlichkeit beim Auswahlprozess an.

„Ich bin für eine wirkliche weiße Landkarte, auf der jeder Ort nach gleichen Kriterien bewertet wird. Es darf keine Sonderregelungen für kristalline Gesteine geben, nur weil diese zu Rissbildungen neigen und damit wasserdurchlässig sind“, sagte Schmidt. Salz- oder Tonformationen seien daher besser für ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle geeignet, meinte der Minister. Die große Herausforderung bei der Endlagersuche wäre nicht nur, einen Standort zu finden, sondern die Akzeptanz in der Bevölkerung für ein solches Endlager. Es werde „schwierig sein, in Sachsen einen geeigneten Standort für ein atomares Endlager zu finden“, sagte er dieser Zeitung.

Es geht um den Inhalt von 1900 Castoren, die je rund 120 Tonnen Atommüll enthalten

Dabei steckt hinter dem spröden Titel „Endlager“ eine riesige, viele Generationen übergreifende Herausforderung. Der immer noch hoch radioaktive Abfall aus fünf Jahrzehnten Atomenergienutzung muss sicher verwahrt werden. Und das für einen Zeitraum von einer Million Jahre! Konkret geht es um den Inhalt von 1900 Castoren, die je rund 120 Tonnen Atommüll enthalten.

Vorbehalten und Protesten gegen ein mögliches Endlager versuchte BfE-Chef König mit „Angeboten zur Information, zur Diskussion und zur Mitgestaltung“ bei der Standortsuche den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Dass es von Verbänden und Initiativen Kritik gibt, ist angesichts der Geschichte der Endlagerung in Deutschland keine Überraschung. Mir kommt es darauf an, zu erklären, dass das jetzige Suchverfahren eines ist, das die Fehler der Vergangenheit reflektiert hat und eine einmalige Chance bietet, einen sicheren Ort für die dauerhafte Verwahrung der gefährlichen Hinterlassenschaft aus der Atomenergienutzung zu finden.“ Jahrzehntelange Proteste, wie gegen das einst geplante Endlager im niedersächsischen Gorleben, solle es nicht wieder geben.

Von Reinhard Zweigler

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