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Mitteldeutschland Taktische Wahl: Kretschmer holt auch Stimmen bei Linken und Liberalen
Region Mitteldeutschland Taktische Wahl: Kretschmer holt auch Stimmen bei Linken und Liberalen
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14:39 02.09.2019
Eine Wählerin wirft bei der Stimmabgabe zur Landtagswahl in Sachsen den Wahlzettel in einem Wahllokal in eine Wahlurne.
Eine Wählerin wirft bei der Stimmabgabe zur Landtagswahl in Sachsen den Wahlzettel in einem Wahllokal in eine Wahlurne. Quelle: Robert Michael/dpa-Zentralbild/d
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Dresden

Die sächsische Union hat bei ihrem Sieg bei der Landtagswahl auch von taktischen Wählerstimmen aus dem Lager der Linken, Grünen und Liberalen profitieren können. „Die schlechteren Ergebnisse von Linken, SPD, Grünen und FDP gegenüber den letzten Umfragen erklären sich dadurch, dass sich potenzielle Sympathisanten der Parteien am Ende für die Wahl der CDU entschieden haben, um den Wahlsieg der AfD zu verhindern“, sagte der Chemnitzer Parteienforscher Tom Thieme in Dresden. Nach dem gleichen Muster sei die Wahl in Brandenburg zugunsten der SPD ausgegangen.

Strategie zieht auch bei Zweitstimmen

„Die Strategie vieler Direktkandidaten der CDU, als aussichtsreiche Bewerber den AfD-Kandidaten entgegenzutreten und um die Stimmen der Wähler anderer Parteien zu werben, hat offenbar auch bei den Zweitstimmen funktioniert“, erklärte der Wissenschaftler. Da die AfD gegenüber den letzten Umfragen ebenfalls zugelegt habe, liege die Vermutung nahe, dass Stimmen des linken Lagers an die CDU gegangen sind. „Das überrascht, da doch gerade die sächsische Union als ein eher konservativer Landesverband gilt.“

Thieme zufolge ist solches strategisches Wählen aus „demokratietheoretischer“ Perspektive problematisch, wenn die Wahlentscheidung eher darauf zielt „gegen“ etwas zu stimmen als für das inhaltliche Angebot der Parteien zu votieren. In Sachsen laufe nun alles auf eine „Kenia“-Regierung aus CDU, SPD und Grünen hinaus - auch wenn die Koalitionsverhandlungen ebenso wie eine zukünftige Zusammenarbeit alles andere als einfach werden dürften. Vor allem zwischen CDU und Grünen lägen teilweise Welten - etwa bei den Themen Innere Sicherheit, Bildung und Umwelt.

Von LVZ