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Mitteldeutschland Tempolimit: Kirche in Sachsen will Kampagne nicht unterstützen
Region Mitteldeutschland Tempolimit: Kirche in Sachsen will Kampagne nicht unterstützen
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13:50 07.03.2019
Kommt doch noch das Tempolimit auf deutschen Autobahnen? Die Evangelische Landeskirche Mitteldeutschland sammelt derzeit Unterschriften für eine Bundestags-Petition, die Landeskirche Sachsen bleibt dagegen zurückhaltend.
Kommt doch noch das Tempolimit auf deutschen Autobahnen? Die Evangelische Landeskirche Mitteldeutschland sammelt derzeit Unterschriften für eine Bundestags-Petition, die Landeskirche Sachsen bleibt dagegen zurückhaltend. Quelle: dpa
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Dresden/Erfurt

Rückenwind sieht anders aus: Die evangelische Landeskirche in Sachsen betrachtet die Aktion der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM) für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen sehr reserviert. „Bisher ist keiner in unseren kirchlichen Leitungsgremien auf die Idee gekommen, auf diese Aktion aufzuspringen“, sagt der sächsische Landeskirchensprecher Matthias Oelke auf Anfrage von LVZ.de. Es sei zwar auch keiner dagegen, jeder könne da mitmachen. Doch eine konzertierte Unterstützung der Aktion sei nicht geplant. „Das ist bislang schlicht kein Thema bei uns“, so Oelke.

Unterstützung anderer Landeskirchen kaum sichtbar

Dagegen hatte EKM-Sprecher Ralf-Uwe Beck zum Start der Online-Petition am Aschermittwoch in Erfurt erklärt, die meisten Landeskirchen wollten den Vorstoß für maximal Tempo 130 km/h auf deutschen Autobahnen unterstützen. Allerdings scheint sich dieser Rückhalt allgemein bisher in engen Grenzen zu halten: So findet sich auf den Internetseiten der Landeskirchen kaum ein Hinweis auf die EKM-Tempolimit-Aktion. Auch auf der EKD-Seite ist der Petitionsvorstoß aus Magdeburg aktuell kein Thema.

Sachsen: Thema geht an Lebenswirklichkeit vorbei

Sachsens Kirchensprecher Oelke sagt: „Bis jetzt gab es keine Anfragen an uns in diese Richtung.“ Offenbar würde das Thema größtenteils an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei gehen. „Wer die Situation auf sächsischen Autobahnen kennt, der weiß, dass man froh ist, überhaupt rechtzeitig seine Termine zu erreichen.“ Gerade im Raum Dresden gebe es bereits auf vielen Streckenabschnitten Tempobeschränkungen.

Zweifel, ob Aktion zur Landeskirche passe

Er habe aber auch grundsätzlich Zweifel, ob die Aktion so gut zum Selbstverständnis der sächsischen Landeskirche passe. „Es ist bei uns nicht üblich, dass wir als Landeskirche Forderungen aufstellen, die konkrete Auswirkungen außerhalb unserer Region in anderen Teilen Deutschlands hätten.“ Für ihn gebe es zudem einen erheblichen Unterschied, ob man sich im kirchlichen Selbstverständnis zum Erhalt von Feiertagen oder zum Schutz der Sonntagsruhe äußere oder eben zu einer verkehrspolitischen Frage wie dem Tempolimit.

EKM will Beitrag zum Klimaschutz leisten

Hintergrund: Am Aschermittwoch hatte die EKM ihren Petitionsaufruf für Tempo 130 km/h auf deutschen Autobahnen gestartet. Oberkirchenrat Christian Fuhrmann begründete den Vorstoß damit, dass die Kirche eine breite gesellschaftliche Debatte zu dem Thema anstoßen will und so einen Beitrag für mehr Klimaschutz und Verkehrssicherheit leiste. Laut Landesbischöfin Ilse Junkermann habe die Kirche einen Auftrag zum Erhalt der Schöpfung, der mit der konkreten EKM-Aktion auch sehr gut deutlich werde.

Petition hat schon 4500 Unterschriften

Ziel der Kampagne ist es, bis zum 3. April 50 000 Unterschriften zusammen zu bekommen – pro Tag sind etwa 1800 Unterschriften nötig. Erst dann muss sich der Petitionsausschuss des Bundestages mit dem Tempolimit-Vorstoß beschäftigen. Der Start lief gut: Bis Donnerstag Mittag hatten 4500 Menschen die Petition unterzeichnet.

Dresdner Bischof Rentzing kommentiert Tempolimit-Vorstoß nicht

Ob aus Sachsen allzu viele Unterschriften hinzukommen, bleibt abzuwarten. In einigen Kirchgemeinden, die durch Personalabbau und Fusionen ohnehin ganz andere Sorgen haben, wird die politische Aktion kritisch gesehen. Und auch Einsatzkräfte in der Region Leipzig sagen: Ein reines Tempolimit bringt nichts, wirkungsvoller wäre ein LKW-Überholverbot. Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing wollte zum Tempolimit-Vorstoß der Nachbarkirche persönlich nichts sagen. „Diese Frage brennt nicht gerade unter den Nägeln“, sagt sein Sprecher Matthias Oelke. Und fügt mit feiner Ironie hinzu: „Der Bischof wird sich aber bei seinen Dienstfahrten, zum Beispiel nach Hannover, auf dem Gebiet der EKM jetzt an Tempo 130 km/h halten und hoffen, seine Termine dennoch rechtzeitig zu erreichen.“

Von Olaf Majer