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Mitteldeutschland Tierschützer von Peta nehmen Leipziger Angler aufs Korn
Region Mitteldeutschland Tierschützer von Peta nehmen Leipziger Angler aufs Korn
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19:45 24.08.2019
Ein Angler sitzt am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder im Oderbruch unter einem Sonnenschirm Quelle: Patrick Pleul/dpa
Leipzig/Delitzsch

Matthias Kopp liebt es, am See zu sitzen, in die Natur zu schauen und auf die Pose – wie sie ruhig im Wasser liegt. „Die muss nicht zappeln“, sagt er. Wenn sie es doch macht, habe er wohl den richtigen Köder an den Haken gehängt. Wenn nicht, auch gut. Angeln, sagt der Leipziger, beruhige ihn ungemein. Oft fährt der Vize-Chef des Leipziger Anglerverbandes nach der Arbeit direkt vom Büro an den See, um auszuspannen. Runterkommen, nennt er das. Ohne Handy, Smartphone, Laptop – fern von Alltagsproblemen. Wenn er am Abend dann noch einen Fisch auf den Grill legen kann – bestens.

Aber haben es die Petrijüngen nicht gerade schwer, in Ruhe ihrem Sport nachzugehen – schließlich hat die Tierschutzorganisation Peta dazu aufgerufen, Angler bei der Ausübung ihrer Leidenschaft zu stören? Matthias Kopp hat die Antwort schnell parat: „Nein, in unserer Region gibt es so gut wie keine Vorfälle.“ Sauer reagierten zahlreiche heimische Angler allerdings schon auf den Aufruf der Organisation.

Regeln bei „Sichtung eines Anglers“

Im Internet rät Peta vermeintlichen Tierschützern, wie sie sich bei der „Sichtung eines Anglers“ verhalten sollten. Aufgefordert wird dazu, in der Nähe der Angelstellen Kieselsteine ins Wasser zu werfen. Und „wenn Sie nicht alleine mit einer Gruppe von betrunkenen Anglern konfrontiert sind“, sollten Tierschützer versuchen, die gefangenen Fische zu retten. „Wenn man Gewalt – egal, gegen wen – beobachtet, sollte man niemals zuschauen, sondern immer eingreifen, es sei denn, man gerät dadurch selbst in Gefahr“, heißt es bei Peta weiter. Dann sollte man lieber die Polizei rufen.

Matthias Kopp, diplomierter Fischereiingenieur, ist ziemlich sauer auf die Tierschutzorganisation. „Der Aufruf fordert regelrecht zu aggressivem Verhalten auf“, kritisiert er Peta.

Ratgeber sorgt für Sturm der Entrüstung

Auch Martin Schuster vom Landesanglerverband Sachsen ist auf die Organisation nicht gut zu sprechen. Bei vielen der im Verband organisierten Angler habe der Ratgeber zu einem Sturm der Entrüstung geführt, sagt er. „Wir sind entsetzt über diese bodenlose, unsachliche und absolut schamlose Diffamierung.“ Peta zeichne „bewusst das Bild eines alkoholisierten, gewaltbereiten Wilden, der aller Wahrscheinlichkeit nach eine Straftat begeht“.

„Was die Tierschützer komplett ausblenden, ist unsere Arbeit für und nicht gegen die Natur“, meint Schuster. Angler leisteten Jahr für Jahr ehrenamtliche Arbeitsstunden am Gewässer, reinigten Ufer, sammelten Müll und setzten Hegepläne um. So würden die Verbandsmitglieder, von denen es in ganz Sachsen 43000 in 600 Angelvereinen gibt, Minifische aussetzen – Forellen, Zander, Äschen oder auch Aale. Sie bauten künstliche Unterstände, legten Steine in die Flüsse als Versteck für Fische.

Hecht steht des öfteren auf dem Speiseplan

Nicht zu vergessen die vielen Tagebauseen, erinnert Kopp vom Leipziger Verband. „Hier leisten wir, was den Fischbestand angeht, Aufbauarbeit.“ Der Leipziger Verband, dessen Mitgliederzahl in den letzten Jahren auf 13500 angewachsen ist, kümmert sich um rund 350 Gewässer mit einer Wasserfläche von 8000 Hektar. Um über ihre Arbeit zu informieren, gehen Verbandsmitglieder in Schulen, sagt Kopp. Bei Projekttagen im Biologieunterricht gehe es um die Anatomie der Wirbeltiere, deren Fortpflanzung, um Lebensräume und Umweltschutz.

Oft werde er von Schülern auch direkt zu seinem Hobby, dem Angeln befragt. Es sei gerade aus Mecklenburg-Vorpommern zurück – nahe Canow habe er mit Freunden Fische gefangen. Hecht stand des öfteren auf dem Speiseplan, erzählt er. Allerdings nur, wenn die Fische nicht kleiner als 55 und nicht größer als 85 Zentimeter waren. Sonst habe man sie wieder freigelassen. Auch die größeren? Ja, sagt Kopp, denn größere Fische würden mehr Eier legen und so für mehr Nachwuchs sorgen. „So sind die Regeln. Das macht alles Sinn.“

Trotz verhärteter Fronten: Angler hat Hoffnung auf Dialog

Stress mit Tierschützern, sagt er auf Nachfrage, habe es im Verbandsgebiet, dem ehemaligen Bezirk Leipzig, bislang nicht gegeben. Er wisse nur von einem Vorfall aus dem Raum Dresden. Da hätten tatsächlich Passanten – wie von Peta gefordert – mit Steinen Fische verscheucht.

Alexander Bley von den Wolteritzer Angelfreunden in Schkeuditz findet den Aufruf von Peta ebenfalls abstrus, kann ihm aber dennoch etwas Positives abgewinnen. „Ich habe die Hoffnung, dass aus dieser Konfrontation ein Dialog werden kann.“ Wer sich ernsthaft mit einem Angler unterhält, würden viel über das Leben in heimischen Gewässern erfahren können, auch über den waidgerechten Umgang mit dem Fang.

Ob es zu diesem Dialog allerdings kommt, ist derzeit mehr als unwahrscheinlich. Denn der Deutsche Angelfischerverband hat vor wenigen Tagen Strafanzeige gegen Peta gestellt – unter anderem wegen Aufforderung zu Straftaten und Volksverhetzung.

Von Andreas Dunte

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