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Mitteldeutschland Todesfall Daniel H.: Tatverdächtiger Syrer legt Haftbeschwerde ein
Region Mitteldeutschland Todesfall Daniel H.: Tatverdächtiger Syrer legt Haftbeschwerde ein
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14:15 29.10.2018
Passanten stehen am Tatort, an dem zahlreiche Blumen und Kerzen niedergelegt wurden. (Archivfoto) Quelle: dpa
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Chemnitz

Gut neun Wochen nach dem gewaltsamen Tod eines Deutschen in Chemnitz strebt auch der zweite Tatverdächtige die Aufhebung seines Haftbefehls an. Wie das Oberlandesgericht in Dresden am Montag auf dpa-Anfrage bestätigte, ist dort die Haftbeschwerde des 23-jährigen Syrers Alaa S. anhängig. Wann mit einer Entscheidung zu rechnen sei, konnte eine Gerichtssprecherin nicht sagen. Zuvor hatten der MDR und die „Freie Presse“ darüber berichtet.

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Der mutmaßliche Syrer steht im Verdacht, mit zwei anderen Asylbewerbern an der tödlichen Messerattacke auf einen 35-jährigen Chemnitzer am 26. August beteiligt gewesen zu sein. Ein zweiter Tatverdächtiger, der vermutlich aus dem Irak stammt, war am 18. September aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Gegen ihn bestehe kein dringender Tatverdacht mehr. Nach einem dritten Tatverdächtigen, der ebenfalls aus dem Irak stammen soll, wird international gefahndet.

Gegen Alaa S. war am 27. August und damit nur einen Tag nach dem Gewaltverbrechen Haftbefehl erlassen worden. Der Vorwurf lautet auf Totschlag. Am 18. September hatte das Amtsgericht Chemnitz nach einer mündlichen Verhandlung den Haftbefehl aufrecht erhalten.

Die Beschwerde gegen diese Entscheidung wurde am 27. September vom Landgericht Chemnitz abgelehnt. Dies sei mit einem nach wie vor bestehenden dringenden Tatverdacht begründet worden, sagte eine Sprecherin des Landgerichts. In der zweiten Instanz habe es keine mündliche Verhandlung gegeben. Die Beschwerdekammer habe nach Aktenlage entschieden. Dagegen habe der Beschuldigte beim Oberlandesgericht erneute Beschwerde eingelegt.

Die Messerattacke am Rande des Stadtfestes, bei der zwei weitere Männer zum Teil schwer verletzt worden waren, hatte zahlreiche Demonstrationen, Kundgebungen und Aufmärsche nach sich gezogen. Insbesondere rechtsgerichtete Parteien und Gruppierungen wie Pro Chemnitz, AfD und Pegida haben den Tod des 35-Jährigen für sich eingenommen und instrumentalisiert.

Insgesamt sind seit der Gewalttat mehr als 40 000 Menschen zu Protesten und Gegenprotesten in Chemnitz auf die Straße gegangen. Zu den 18 Demonstrationen zwischen dem 26. August und dem 12. Oktober seine jeweils zwischen 100 und 6000 Teilnehmer gekommen, teilte die Grünen-Politikerin Irene Mihalic das Ergebnis einer entsprechenden Anfrage im Bundestag mit.

„Über 40 000 Teilnehmer an Demonstrationen im Kontext der Ereignisse Chemnitz zeigen das große Mobilisierungspotenzial rechtsextremer Kräfte“, erklärte Mihalic. Insbesondere die rechtspopulistische Bewegung Pro Chemnitz ruft wöchentlich zu Demonstrationen auf. Zuletzt hatte der Zulauf jedoch abgenommen: Am vorigen Freitag hatten sich nach Polizeiangaben 1050 Menschen beteiligt. Ende September waren laut Polizei noch rund 2200 Menschen dabei, die Veranstalter hatten gar von 3500 bis 4500 Teilnehmern gesprochen.

Von LVZ

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