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Mitteldeutschland Tödliche Messerstecherei in Wurzen - Gutachter schließt Handlung im Affekt aus
Region Mitteldeutschland Tödliche Messerstecherei in Wurzen - Gutachter schließt Handlung im Affekt aus
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06:00 13.08.2010
Von Kai Kollenberg
Leipzig/Wurzen

Es ist, als seien zwei verschiedene Männer vor dem Landgericht Leipzig wegen Totschlages angeklagt. Einmal Wladimir K.*, ein kasachischer Einwanderer, den alle als höflich und nett beschreiben. Der allenfalls gelegentlich zum Alkohol greift. Und dann der Mann, der Pawel P.* niederstach, weil dieser ihn mit einem Messer attackierte. Das Problem ist, dass es eben der freundliche Herr K. war, der das Opfer mehrmals mit einem Messer ins Gesicht, in den Hals und in den Brustkorb stieß.

Die Beziehung zwischen K. und P. war alles andere als spannungsfrei. Beide waren zwar Landsmänner, sich aber wesensfremd. Während P. seit Jahren durch Diebstähle, schwere Körperverletzung und Hausfriedensbrüche auffiel, versuchte K., sich eine Existenz in Deutschland aufzubauen, was ihm aber nicht gelang. Mal arbeitete er als Lastenträger, mal als Taxifahrer. Immer ohne den beruflichen Erfolg, den er in Kasachstan gehabt hatte, bevor er mit seiner damaligen Liebe nach Deutschland ging.

K. und P. kannten sich nur flüchtig. Eigentlich wollte er den Kontakt mit seinem Landsmann vermeiden, sagte K. der Polizei in einem Verhör. Doch sie trafen sich immer wieder. Selbst dann noch, als P. ihn schlug, wenn dieser zu viel getrunken hatte.

An dem Februartag, an dem es zu dem Unglück kam, wollten die beiden sich eigentlich versöhnen. Sie tranken Wodka und gingen einkaufen. Doch K. war es unangenehm, mit P. gesehen zu werden. Und das sagte er ihm auch, als sie schon auf dem Weg zum Supermarkt waren. Daraufhin versuchte P. laut Schilderung des Angeklagten, ihn mit einem Messer zu verletzen. K. wehrte die Attacke mit seiner Hand ab. Danach erinnert er sich an nichts. Erst ab dem Moment, als P. tot im Schnee lag, konnte er die Situation wieder nachvollziehen.

Dass die Messerstecherei im Affekt passierte, schloss ein Gutachter am Donnerstag vor Gericht aus. K.s Handeln nach der Tat sei zu strukturiert gewesen: Er ging nach Hause, wusch sich das Blut ab, plante eine Flucht, verabschiedete sich von seiner Ehefrau, von der er getrennt lebte, und ließ sich von einem Freund nach Leipzig fahren. „Er konnte immer noch planvoll denken", so der Gutachter. „Er konnte die Situation abschätzen, er wusste, was er getan hatte."

Eine enthemmende Wirkung des Alkohols schloss der Sachverständige zwar nicht aus. Ein Grund für die Tat könnte sie aber nicht sein. Wäre er so stark alkoholisiert gewesen, hätte er den Messerstich nicht abwehren können. Auch die Gedächtnislücke sei durch den Wodka-Konsum nicht erklärbar. K. kann die Tat selbst nicht nachvollziehen, wie seine Anwältin Annette Clement-Sternberger zu Prozessbeginn sagte. Das Landgericht muss weiter nach einer Erklärung suchen.

*Name geändert  

Kai Kollenberg

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