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Mitteldeutschland Tragödie auf Teneriffa: Sachsen-Anhalter soll Frau und Sohn erschlagen haben
Region Mitteldeutschland Tragödie auf Teneriffa: Sachsen-Anhalter soll Frau und Sohn erschlagen haben
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21:40 26.04.2019
Mitglieder der Polizeieinheit „Guardia Civil“ untersuchen das Haus des mutmaßlichen Täters Thomas H. auf Teneriffa. Quelle: Andres Gutierrez/El Día/dpa
Leipzig

Der brutale Tod einer Frau und ihres Sohnes auf der Insel Teneriffa sorgt seit Tagen in Spanien für Entsetzen. Inzwischen ist klar: Opfer und Täter kommen aus Sachsen-Anhalt. Ein 43-Jähriger steht im Verdacht, seine 39-jährige Lebensgefährtin und seinen ältesten Sohn (zehn Jahre) im kanarischen Urlaubsparadies erst in einen Hinterhalt gelockt und anschließend erschlagen zu haben. Der jüngere Sohn (sechs Jahre) konnte während des Angriffs fliehen, berichten mehrere spanische Medien übereinstimmend. Inzwischen sitzt der mutmaßliche Täter Thomas H. in Untersuchungshaft und wurde am Freitag erstmals einem spanischen Gericht vorgeführt. Der Mann bestreitet die Tat.

Woher Thomas H. genau stammt, ist bisher noch unklar. Die Ermittlungen obliegen spanischer Behörden, die bisher nur von Sachsen-Anhalt als Herkunftsort aller Beteiligten sprechen. Das Auswärtige Amt der Bundesregierung hält sich ebenfalls bedeckt, verweist auf geltende Persönlichkeitsrechte. „Unser Generalkonsulat auf Las Palmas und die deutsche Botschaft in Madrid sind in den Ermittlungen involviert, können aber vorerst keine weiteren Angaben machen“, sagte eine Sprecherin am Freitag gegenüber der LVZ. Als sicher gilt: Die getötete Silvia H. war zuletzt bei einem IT-Dienstleister in Halle/Saale tätig. Die 39-Jährige arbeitete dort in Teilzeit als Projektmanagerin. Kollegen im Unternehmen erinnern sich auch an ihre beiden Söhne, die häufig bei Betriebsfeiern dabei gewesen waren.

Opfer sterben bei „Oster-Picknick“

Der mutmaßliche Täter selbst lebte laut spanischer Medien bereits seit längerem auf Teneriffa. Kontakt nach Deutschland bestand aber offenbar weiter. Am vergangenen Montag sollen Silvia H. und ihre beiden Söhne zu Besuch auf der kanarischen Insel eingetroffen sein, schreibt El Pais“, Spaniens größte Tageszeitung. Am Folgetag ereignete sich dann das Verbrechen.

Nach bisheriger Rekonstruktion der Behörden soll Thomas H. seine Gäste am Morgen zum Oster-Picknick an den Berg Taucho eingeladen haben. Jener befindet sich im südwestlichen Teil der Insel, unweit des Örtchens Adeje. Die Behörden werfen dem 43-Jährigen vor, letztlich in einer Höhle auf Silvia H. und dann auf den wahrscheinlich unter Schock stehenden älteren Sohn eingeschlagen und beide getötet zu haben. Der jüngere Sohn konnte währenddessen aus der Höhle fliehen. Anschließend irrte der Sechsjährige fünf Stunden lang durch die Wildnis, ehe er schließlich entkräftet von Wanderern gefunden wurde.

Mutter und Sohn wurden in einer Höhle nahe der Gemeinde Adeje gefunden. Thomas H. wurde noch am Dienstag von den spanischen Behörden festgenommen. Quelle: Andres Gutierrez/El Día/dpa

Mutmaßlicher Täter in Wohnhaus festgenommen

Die alarmierte Polizei nahm Thomas H. noch am selben Tag in seiner Wohnung fest. Der 43-Jährige soll vor dem Zugriff geschlafen haben und wiedersetzte sich der Verhaftung. Bei ersten forensischen Untersuchungen seien Spuren eines Kampfes am Körper des Verdächtigen festgestellt worden, teilten die spanischen Behörden mit. Die beiden Opfer wurden am Dienstagabend bei einer groß angelegten Suche in der dünn besiedelten Bergregion gefunden – zwischen den beiden Schluchten „El Burro“ und „El Infierno“. Sie werden derzeit in der Gerichtsmedizin untersucht.

Die Odyssee des überlebenden Sechsjährigen führt ihn vorerst in gerichtliche Obhut, weil keine weiteren Verwandten auf der Insel wohnten. Der Junge wurde von einer ehemals aus den Niederlanden stammenden Migrantin mit vereinzelten Deutsch-Kenntnissen aufgenommen und betreut. Am Freitag trafen dann seine Großeltern auf Teneriffa ein und konnten das Kind mit nach Hause nehmen. Ob und wann der mutmaßliche Täter nach Deutschland überstellt wird, ist bisher unklar.

Spanische Zeitungen zeigen falsches Foto

Die umfangreiche Berichten auch in spanischen Boulevardmedien in den vergangenen Tagen wurden unterdessen einer Familie aus Traunstein (Oberbayern) zum Verhängnis. Wie der Bayrische Rundfunk berichtet, hätten einige der Zeitungen ein Facebook-Foto der Traunsteiner Familie im Zusammenhang mit dem Verbrechen verwendet – weil der Vater zufällig den selben Vor- und Nachnamen des mutmaßlichen Täters hat.

Wie das Opfer der Verwechslung berichtet, sei die Familie in der Folge im Internet wüst beschimpft worden – vor allem von Kommentatoren aus Spanien. Die Traunsteiner erwägen nun eine Klage gegen die spanischen Medien, wegen widerrechtlicher Nutzung ihrer Privatfotos.

Am Freitagabend wurde Haftbefehl gegen den Vater erlassen.

Von Matthias Puppe

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