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Mitteldeutschland Traum der sächsischen FDP vom Wiedereinzug in den Dresdner Landtag geplatzt
Region Mitteldeutschland Traum der sächsischen FDP vom Wiedereinzug in den Dresdner Landtag geplatzt
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22:28 01.09.2019
Holger Zastrow, Landeschef und Spitzenkandidat der FDP für die Landtagswahl, erklärte am Sonntag, seine Partei habe sich nicht als Alternative ins Spiel bringen können. Quelle: dpa
Dresden

Versteinerte Mienen, lange Gesichter und Stille: Als die ersten Prognosen im Dresdner Kongress-Zentrum (DDC) über die Bildschirme flimmern, ist den allermeisten FDP-Anhängern der Schock anzusehen. Der Traum vom Wiedereinzug in den Landtag ist in weite Ferne gerückt. Klar unter fünf Prozent, da hatten sich die Liberalen nach den letzten Umfragen viel mehr erhofft. Viel mehr. Tristesse ist angesagt.

Parteichef Holger Zastrow (50) versucht, die Verletzungen seiner Partei zwar noch zu lindern. Und er verbreitet noch ein bisschen Hoffnung. Die, so Zastrow, stirbt ja bekanntlich zuletzt. Von 4,7 Prozent könne es ja auch noch aufwärts gehen. Andere Bundesländer wie Bayern hätte das in späten Trends noch gezeigt. „Und die Großstädte werden doch erst zum Schluss ausgezählt“, ruft der Parteichef seinen Wahlkämpfern zu. Später am Abend wird aber klar, dass es doch nicht reichen wird, die FDP bleibt draußen.

Und wie das immer so ist, wenn der Erfolg ausbleibt, setzt schnell das Gemurre an der Basis ein. „Wir haben die falsche Kampagne gefahren“, sagte ein Liberaler aus Leipzig. Nein, namentlich wolle er nicht aus der Deckung kommen, aber der Frust über die verpasste Chance sitzt tief. Vor allem darüber, dass der Dresdner Parteichef quasi mit einer One-Man-Show in Sachsen Wahlkampf gemacht hat.

In Leipzig gab es zumindest mit der Verlegerin Kristin Franke eine eigene Spitzenkandidatin. Zastrow war darüber intern nicht glücklich, ließ es aber laufen. Nichts sollte den liberalen Frieden im Vorfeld der Wahl stören. Mit Blick auf die Ergebnisse macht er aber klar, dass es an ihm nicht gelegen haben könne. In Dresden habe die FDP über sechs Prozent geholt, in Leipzig unter vier, sagt er.

Zastrow, der die FDP in Sachsen seit 1999 führt und damit dienstältester Parteichef im Freistaat ist, hatte dann in seiner Rede auch schon erste Ursachen für das Fiasko parat. „Die Zuspitzung im Wahlkampf auf das Duell CDU gegen AfD hat uns massiv geschadet“, sagte er. „Wir haben es nicht geschafft, uns als Alternative ins Spiel zu bringen.“ Vor allem die klassischen liberalen Themen wie Wirtschaft und die Förderung des Mittelstandes im Freistaat hätten so gut wie keine Rolle gespielt, kritisierte er.

Wie es mit ihm persönlich weitergeht nach dem definitiven FDP-Scheitern, ließ Zastrow am späten Abend noch offen. Der Dresdner Chef einer Werbeagentur und Betreiber des populären Biergartens „Hofewiese“ in der Dresdner Heide wollte sich nicht konkret äußern. Finanziell darauf angewiesen ist der Mittelständler jedenfalls nicht. „Einfach machen“ – den Slogan von seinen Wahlplakaten – müsste er dann der nächsten FDP-Generation überlassen. Die zehn Prozent, die Zastrow für die FDP im Jahr 2009 holte, werden wohl auf lange Zeit die liberale Bestmarke im Freistaat bleiben.

Von André Böhmer

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