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Mitteldeutschland Trotz Kritik der CDU-Homosexuellen: Birgit Kelle soll öffentlich lesen
Region Mitteldeutschland Trotz Kritik der CDU-Homosexuellen: Birgit Kelle soll öffentlich lesen
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16:55 16.03.2017
Beim Christopher Street Day in Dresden setzen sich Menschen für mehr Gleichberechtigung ein. (Symbolbild) Quelle: dpa
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Freiberg

Eine Lesung, organisiert von einem Mitglied des Deutschen Bundestags, löst in aller Regel keine großen Schlagzeilen aus. In diesem Fall, da die CDU-Politikerin Veronika Bellmann auf ihrem Facebook-Profil zu einem „interessanten Abend mit Birgit Kelle“, Autorin des Buchs „Gender-Gaga: Wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will“, nach Freiberg einlädt, schlagen die Wellen jedoch hoch. Der sächsische Landesverband der Lesben und Schwulen in der Union fordert in einem offenen Brief, die heutige Veranstaltung im Brauhof ersatzlos ausfallen zu lassen.

Veranstaltung soll stattfinden

Aus dem Freiberger Wahlkreisbüro heißt es dazu: „Die Lesung findet statt.“ Bellmann selbst habe von dem Brief erst aus den Medien erfahren. Es sei als Politikerin eine ihrer Aufgaben „durch mehr Informationen mehr Transparenz zu schaffen.“ Dies sei auch beim Thema „Genderideologie“ dringend notwendig. Folglich gebe es „überhaupt keinen Grund, die Veranstaltung ‚Klartext reden’ mit Birgit Kelle abzusagen.“ Zudem wies Bellmann darauf hin, dass sie „Frau Kelle als eine sehr optimistische, offene, aber auch streitbare, aber keinesfalls verbohrte und schon gleich gar nicht diskriminierende Person“ kennengelernt habe.

Der LSU-Vorstand hat von der Abgeordneten bisher keine Rückmeldung erhalten. „Wir haben uns zu der Veranstaltung klar positioniert. Weitere Aktionen sind nicht geplant“, sagt der Landesvorsitzende David Scharf. Die Kritik im offenen Brief ist deutlich formuliert. So bezeichnet der LSU-Vorstand Autorin Kelle als „eine Aktivistin, die ganz offen Menschen verschiedener sexueller Identitäten diskriminiert und an den Pranger stellt“. Mit „Veranstaltungen, die die Lebenswirklichkeit tausender Menschen […] mit Füßen treten“, könne es im Wahljahr 2017 nicht gelingen, Populisten Einhalt zu gebieten, heißt es im Brief weiter. Zudem bietet der Landesvorstand Bellmann ein Gespräch über Fragen der Gleichberechtigung an.

Kelle polarisiert

In der Vergangenheit stand die Publizistin Birgit Kelle bereits mehrfach für ihre konservative Interpretation des Feminismus-Begriffs in der Kritik. Zudem geriet sie 2013 in die Schlagzeilen, weil sie Laura Himmelreich in einem Artikel für „The European“ eine Teilverantwortung am sexistischen Verhalten Rainer Brüderles gegenüber der Journalistin zuwies.

Von anzi