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Mitteldeutschland Unfalltod an Schulbus-Haltestelle: Anklage gegen 21-Jährigen
Region Mitteldeutschland Unfalltod an Schulbus-Haltestelle: Anklage gegen 21-Jährigen
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14:07 19.07.2019
An der Schulbushaltestelle auf der alten B175 bei Langenleuba-Oberhain wurde ein breiterer Streifen zum Ein- und Aussteigen angelegt. Rechts der Zustand am Unfalltag im März. Quelle: Taubert, Schulreich / Montage: Thomas Lieb
Penig/Langenleuba-Oberhain

Seit ein elf Jahre altes Mädchen Mitte März auf dem Heimweg von der Schule nahe Langenleuba-Oberhain von einem Auto erfasst und getötet wurde, muss keiner mehr an der frequentierten alten B 175 aus dem Schulbus und hinüber auf die andere Seite. Massiver Druck fassungsloser Eltern erreichte, dass seitdem in Narsdorf von Bus zu Bus gewechselt wird. Eine dauerhafte Lösung könne das aber nicht sein, sagt Elternvertreter Klaus Michael. Doch sämtliche Schulbusse durch Langenleuba-Oberhain rollen zu lassen, ist künftig nicht möglich. Obwohl man manches erreicht habe – auch im "Sachsengespräch" mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) – sei jede Menge zu tun, um Schulwege sicherer zu machen, nicht nur im Peniger Umland, sagt Michael.

Ermittlungsbehörde wirft Fahrer überhöhte Geschwindigkeit vor

Mittlerweile sind auch die staatsanwaltlichen Ermittlungen zum Unfallhergang abgeschlossen. Die Chemnitzer Behörde geht davon aus, dass der 21-jährige Pkw-Fahrer, der das Mädchen mit seinem Peugeot erfasste zu schnell unterwegs war. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz hat gegen einen 21-jährigen Mann Anklage wegen fahrlässiger Tötung an das Amtsgericht Döbeln erhoben.

Dem Angeschuldigten wird zur Last gelegt, am frühen Nachmittag des 19. März außerhalb der Ortslage Penig mit seinem Pkw an der Schulbus-Haltestelle das Kind erfasst zu haben, als das – ohne auf den Fahrzeugverkehr zu achten – hinter dem Bus die Straße zu überqueren versuchte. So informierte die Ermittlungsbehörde am Donnerstag. Das Mädchen verstarb an den durch die Kollision zugefügten schweren Kopfverletzungen noch am selben Tag im Krankenhaus.

Der Pkw Peugeot des 21-jährigen Beschuldigten erfasste das elfjährige Mädchen, als das die Straße queren wollte. Quelle: Mario Hösel

Die Ermittler bestätigten, dass etwa 100 Meter vor der Haltestelle ein Verkehrsschild stand, das auf „Kinder“ und den werktags und samstags verkehrenden Schulbus hinwies. Im Ergebnis der Untersuchungen hätte „der Angeschuldigte den Unfall vermeiden können, wenn er mit einer der konkreten Verkehrssituation angepassten Geschwindigkeit und sofortiger Bremsbereitschaft gefahren wäre“, so die Staatsanwaltschaft Chemnitz.

Schulweg hat sich deutlich verlängert

In den seither vergangenen vier Monaten kämpfen die Eltern der Schulkinder um eine Verbesserung der Verkehrssituation. Die Heimfahrt nach Langenleuba-Oberhain ist für Schüler des Freien Gymnasiums Penig seit dem Frühjahr 20 bis 25 Minuten länger. Sie verlassen den Bus nicht mehr an der Stelle, an der der tödliche Unfall geschah. Stattdessen fahren sie weiter bis zur Bahnstation Narsdorf, steigen um, fahren denselben Weg zurück und dann erst hinunter ins Dorf. Ungeachtet dessen hat das Landesamt für Straßenbau und Verkehr an der Unfall-Haltestelle mit Asphalt zumindest eine Aufstellfläche für jene geschaffen, die hier den Linienbus verlassen. Das hilft zum Beispiel Älteren, die aus Penig vom Arzt oder vom Einkauf kommen.

Eltern: Bus soll direkt durch Oberhain rollen

„Für unserer Kinder ist es sicherer geworden. Aber damit können wir uns nicht begnügen“, sagt Klaus Michael, Elternratsvorsitzender an der Oberhainer Grundschule und Elternsprecher am Rochlitzer Matthesius-Gymnasium. „Unser Hauptziel, nämlich zu erreichen, dass dieser Bus direkt durch das Dorf rollt, scheitert an Personalmangel“, zitiert er ein Schreiben der Abteilung Verkehr und Bauen des Landratsamtes Mittelsachsen. Zweite Variante: Peniger Oberschule und Freies Gymnasium gleichen ihr Unterrichtsende an, so dass alle den schon heute durch Oberhain fahrenden Bus nutzen könnten. Das Landratsamt halte das für möglich, so Michael. Auch er hofft: „Das kann doch nicht im Bereich des Unmöglichen liegen.“

Gymnasium: Zeiten lassen sich nicht angleichen

Kann es doch, wie eine Nachfrage in Penig ergibt. „Leider lässt das Unterrichtsmodell des Gymnasiums ein früheres Ende nicht zu. Deshalb können die jüngeren Schüler nicht mit dem Bus der Oberschüler mitfahren“, sagt Stadtsprecherin Manuela Tschök-Engelhardt.

Mütter und Väter aus Langenleuba-Oberhain machen schon seit Längerem darauf aufmerksam, dass die Bushaltestelle für Kinder gefährlich ist.

Gepostet von LVZ Leipziger Volkszeitung am Freitag, 29. März 2019

Bliebe der Bau einer Buswendestelle am ehemaligen Oberhainer Bahnhof, um dort ein sicheres Umsteigen zu ermöglichen. „Ein grobe Planung für den Bussteig haben wir, auch die Zustimmung eines Grundstückseigentümers“, beschreibt die Sprecherin den aktuellen Stand. Da die Stadt das Projekt nicht im Haushalts- und Finanzplan eingestellt habe, werden man darüber im August oder September mit dem neu gewählten Stadtrat beraten. Die Wendestelle würde mehr als 300 000 Euro kosten.

Zusagen beim „Sachsengespräch“ gelten

Am Geld dürfe es nicht scheitern, sagt Klaus Michael und erinnert an die Fördermittel-Zusage des Wirtschaftsministeriums nach dem „Sachsengespräch“. Weil die Eltern nach dem tödlichen Unfall in die Öffentlichkeit gingen, habe man für das Thema Schulweg-Sicherheit Aufmerksamkeit über die Region und Sachsen hinaus erzielen können. Mit Verantwortlichen in Landesregierung, Landkreis, Stadt, Polizei, Verkehrsverbund habe man Gespräche geführt: „Auf die dort getroffenen Aussagen berufen wir uns.“ Zu ersten Ergebnissen zählte die Ausschilderung Tempo 30 vor der Grundschule Oberhain, die Eltern über Jahre vergeblich forderten. Das Zwischen-Fazit, das Klaus Michael und seine Mitstreiter nach dreieinhalb Monaten ziehen, ist ambivalent: „Wir sind schon weiter gekommen als gedacht. Es ist aber schlimm, dass das erst gelang, nachdem dieses Unglück passierte.“

Von Ekkehard Schulreich und Thomas Lieb

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