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Mitteldeutschland Hebammenstudium: Ministerium prüft Mehrkosten
Region Mitteldeutschland Hebammenstudium: Ministerium prüft Mehrkosten
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08:03 29.05.2019
Geburtshilfe – ein Beruf mit großer Verantwortung. Deshalb soll die Hebammenausbildung in ein Studium verwandelt werden – auch in Leipzig. Doch ohne Geld aus Dresden wäre die Versorgung mit Hebammen gefährdet, warnt das Uniklinikum Leipzig. Quelle: dpa
Leipzig

Das Wissenschaftsministerium bereitet sich nach eigenen Angaben mit den sächsischen Hochschulen auf die zunehmende Akademisierung der Heilberufe vor. Das gelte auch „für ein mögliches Hebammenstudium“. Man benötige dazu aber das Bundesgesetz, das noch beraten werde. Bereits jetzt prüfe das Ministerium, welche Voraussetzungen für ein solches Studium an den Hochschulen beziehungsweise der Berufsakademie. Das werde unter anderem erheblich mehr qualifiziertes Personal erfordern. „Wie hoch die zusätzlichen Kosten sind, können wir aktuell noch nicht sagen“, teilte das Wissenschaftsministerium mit. „Der Haushaltsgesetzgeber, der Sächsische Landtag, wird dann von uns gebeten, diese notwendigen Mittel bereitzustellen.“

Der aktuelle Hebammenmangel in den Kliniken stelle eine reale Bedrohung für die geburtshilfliche Versorgung in den Krankenhäusern dar, teilte das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) dazu mit. Die Akademisierung des Berufs ab 2020 werde das Berufsbild verändern und bringe neue Chancen, aber auch neue Herausforderungen. Darauf verwiesen vor Kurzem Vorstand und Geburtsmediziner des UKL und plädierten für den zwingenden Erhalt der Hebammenausbildung in Leipzig. Klinikum und Medizinische Fakultät entwickeln derzeit ein Konzept zur Einrichtung eines StudiengangsHebammenwissenschaft. Seitens des Landes Sachsen werde hierfür die notwendige finanzielle Unterstützung erwartet.

Ohne Finanzhilfen keine Hebammenausbildung mehr in Leipzig

Weil sich die Landesregierung noch nicht festgelegt habe, müsse das UKL das Projekt einer akademischen Hebammenausbildung in Leipzig mit Nachdruck vorantreiben, sagte Professor Holger Stepan, Direktor der Abteilung Geburtsmedizin. Ein Scheitern dieses Projektes würde bedeuten, dass es in Leipzig ab dem kommenden Jahr keine Hebammenschülerinnen mehr geben würde. „Doch ein Land wie Sachsen braucht Standorte, an denen Hebammen ausgebildet werden“, betonte Stepan.

„Land Sachsen ist in der Pflicht“

„Der Mangel an Geburtshelferinnen ist ein Thema, das wir sehr ernst nehmen. Für die Zukunft ist es daher unerlässlich, dass wir die akademische Ausbildung ab 2020 anbieten, gerade in einer wachsenden Stadt wie Leipzig mit steigenden Geburtenzahlen“, erklärte Professor Michael Stumvoll, kommissarischer Medizinischer Vorstand des UKL, „Klinikum und Medizinische Fakultät sind gern dazu bereit und entschlossen, dies zu tun.“ Doch die Einrichtung eines neuen Studiengangs koste erst einmal auch Geld: „Wir können viel, aber nicht alles selbst übernehmen und sehen hier das Land Sachsen in der Pflicht“, so Stumvoll.

UKL-Chef setzt auf Studienstandorte in Leipzig und Dresden

Bei aller Sorge überwiegt bei Stumvoll dennoch der Optimismus: „Letztendlich gehen wir davon aus, dass wir die nötige finanzielle Unterstützung erhalten werden und dass es zwei Standorte für den Studiengang geben wird: Leipzig und Dresden.“

Wegfall der Ausbildung hätte „dramatische Folgen“

„Im Moment haben wir die Situation relativ gut im Griff“, erklärte Stepan die aktuelle Lage am UKL. 27 Hebammen würden derzeit in den Kreißsälen arbeiten. Bei durchschnittlich acht Entbindungen pro Tag könne in der Regel eine 1:1-Betreuung im Kreißsaal sichergestellt werden, nur in Ausnahmefällen betreue eine Hebamme zwei Entbindungen am Tag. „Doch das ist keine Selbstverständlichkeit, darauf ruhen wir uns nicht aus, zumal gerade auch ein gewisser Generationswechsel ansteht“, erläuterte Stepan. Ein Wegfall der Hebammenschule hätte jedoch „dramatische Folgen“ für das UKL, warnte der Geburtsmediziner. „Die Schülerinnen unserer Medizinischen Berufsfachschule helfen im Kreißsaal, und wir übernehmen so viele Absolventinnen wie möglich. Einen eventuellen Wegfall würden wir sehr spüren.“ Ab 2020 müsse es einen exzellenten Studiengang Hebammenwissenschaft geben. „Dort bilden wir auch unseren eigenen Nachwuchs aus, denn etliche der Absolventinnen fühlen sich dem UKL verbunden und wollen dann hier arbeiten“, betonte Stepan.

Von Björn Meine

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