VW ID.4 Autopapst Dudenhöffer: „Glückwunsch, Zwickau – er Weg ist konsequent und richtig!“
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Mitteldeutschland Autopapst Dudenhöffer: „VW ist in Sachsen auf dem richtigen Weg!“
Region Mitteldeutschland

VW ID.4 Autopapst Dudenhöffer: „Glückwunsch, Zwickau – er Weg ist konsequent und richtig!“

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17:14 20.08.2020
Autobranchenexperte Ferdinand Dudenhöffer gratuliert VW in Zwickau zum konsequenten Schritt, das Werk auf E-Mobilität umzustellen. Quelle: Nicolas Blandin/dpa
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Leipzig

Bei Volkswagen in Zwickau läuft jetzt auch ein Elektro-SUV vom Band. Das Werk ist das erste im Konzern, das komplett auf die Produktion von Stromern umstellt. Dazu könne man den Sachsen nur gratulieren, meint Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des privatwirtschaftlichen Center Automotive Research (CAR) in Duisburg.

Herr Professor, bei VW in Zwickau rollt mit dem ID.4 der erste rein elektrisch angetriebene SUV der Marke vom Band. Zwickau ist das erste Werk, dass komplett auf E-Mobile umstellt. Ist das der richtige Weg?

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Absolut. Glückwunsch nach Zwickau. Die Umstellung auf E-Mobilität ist richtig. Die Sachsen sind die ersten bei VW.

Sie sehen die Entwicklung also durchweg positiv. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Elektroautos nicht wie erhofft bei den Kunden ankommen?

Die Wahrscheinlichkeit ist Null.

Welche Chance werden künftig noch Verbrenner haben?

Der Anteil von Autos mit Verbrennungsmotoren nimmt Stück für Stück ab. Die CO2-Grenzwerte gehen bis zum Jahr 2030 zurück auf einen Flottenausstoß von 59,4 Gramm pro Kilometer. Um diese Vorgaben zu erfüllen, brauchen Hersteller 60 bis 70 Prozent Elektroautos in ihrer Flotte. Daran sieht man: Der reine Verbrenner stirbt langsam aus.

Kann VW mit Tesla gleichziehen?

Volkswagen ist das Unternehmen, das nach Tesla am weitesten in der Elektromobilität ist. VW hat eigene Plattformen. Der Modulare E-Antriebsbaukasten, kurz MEB genannt, auf dem in Zwickau der ID.3 und jetzt auch der ID.4 gebaut wird, ist sensationell. Und auch die Plattform, auf der der E-Porsche Taycan gefertigt wird, gehört zum Besten, was es gibt. Hier lassen sich Fahrzeuge besser optimieren als auf gemischten Plattformen, wo neben den E-Modellen, auch Verbrenner und Plug-In-Hybride gefertigt werden. VW hat nach dem Weggang von Konzernchef Martin Winterkorn einen grundlegenden Wechsel bestritten und sich unter Nachfolger Herbert Diess zukunftsfähig aufgestellt. Nach Tesla ist man wie gesagt, weltweit führend in der Elektromobilität.

Das heißt, um seinen Arbeitsplatz muss man bei VW nicht bangen?

In Zwickau nicht. Insgesamt schon, denn für die Herstellung von E-Autos werden weniger Arbeitsplätze benötigt als für Benzin- oder Diesel-Fahrzeuge. Deshalb kommt VW nicht um einen Abbau herum. Die neue Autowelt, das muss man auch sehen, liegt in China. Das ist das neue Eldorado.

29.07.2020, Sachsen, Dresden: Ein VW ID.4 fährt anlässlich einer Fahrzeugpräsentation von Volkswagen über den Neumarkt. Der VW ID.4 ist der erste rein elektrisch angetriebene SUV von Volkswagen und wird in Zwickau gebaut. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa

Europa wird also Arbeitsplätze in der Autoindustrie nach Asien verlieren?

Das wird so kommen. Corona hat zudem das Geschäft für Autobauer erschwert. Die Krise macht die Menschen in Europa und anderswo ärmer. Nach unseren Berechnungen dauert es bis zu zehn Jahre, bis Europa wieder das Wohlfahrtsniveau vor Corona erreicht hat. Deshalb rechne wir in dieser Zeit auch mit weit weniger Autoverkäufen. Auch das wird Arbeitsplätze in der Branche kosten.

VW will den ID.4 auch in seinen chinesischen Werken produzieren. Wie groß sind die Chancen der Wolfsburger auf dem chinesischen Markt?

VW ist Marktführer in China und baut das Geschäft im Riesenreich weiter aus. Ich bezeichne es als Glück, dass die deutschen Autobauer so gut in China Fuß befasst haben. Deutschland sollte sich China mehr annähern. Obwohl das sicher nicht einfach ist mit Blick auf die Einhaltung der Menschenrechte. Aber ich bin der festen Meinung, dass China offener wird, wenn es mit Partnern wie Deutschland zusammenarbeitet.

Bislang sind die USA das Exportland für deutsche Autos.

Die Zukunft liegt nicht in den USA. Die Zukunft liegt in China. Darauf sollte sich auch die Politik fokussieren.

Welche Rolle werden Wasserstoff und Brennstoffzelle künftig spielen?

Ich sehe eine Zukunft für die Technik im Nutzfahrzeugbereich, weniger bei Pkw. Da läuft alles auf das vollelektrische Batterieauto hinaus.

Bei größerer Reichweite würden sicher auch mehr Autofahrer umsteigen. Immerhin schafft der neue Elektro-SUV von VW 500 Kilometer mit einer Batteriefüllung?

Bei E-Autos muss man mit den Angaben der Hersteller vorsichtig sein. Bei Temperaturen wie jetzt weit über 30 Grad Celsius läuft im Auto die Klimaanlage auf Hochtouren und im Winter die Heizung. Das geht natürlich zu Lasten der Reichweite. Wer mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern unterwegs ist, kommt sicher ebenfalls nicht so weit. Aber die Batterietechnik wird immer besser.

Glauben Sie, dass VW ab 2025 jährlich 1,5 Millionen Elektroautos produzieren wird?

Ja, da bin ich mir sicher.

Von Andreas Dunte