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Mitteldeutschland Verdi: Bankenfusion gefährdet 2000 Jobs in Mitteldeutschland
Region Mitteldeutschland Verdi: Bankenfusion gefährdet 2000 Jobs in Mitteldeutschland
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16:45 18.03.2019
Blick auf die Zentralen der Deutschen Bank und der Commerzbank in Frankfurt am Main. Die beiden größten Privatbanken Deutschlands nehmen Gespräche über einen eventuellen Zusammenschluss auf. Quelle: Foto: dpa
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Leipzig

Eine Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank würde in Mitteldeutschland zu massiven Jobverlusten führen. Das befürchtet Stefan Wittmann, Gewerkschaftssekretär beim Verdi-Bundesverband. Wittmann, der zudem für Verdi im Aufsichtsrat der Commerzbank sitzt, sieht etwa die Hälfte aller Jobs in Mitteldeutschland bedroht. „Warum sollte es zwei Filialen geben, die gerade einmal einige hundert Meter Luftlinie auseinander liegen?“, fragt Wittmann. Das rechne sich nicht. In gleich mehreren mitteldeutschen Großstädte sei aber genau das der Fall.

Aktuell beschäftigt die Commerzbank in Mitteldeutschland nach Verdi-Angaben über 2000 Mitarbeiter, die meisten davon im Raum Dresden (800 mit Ostsachsen) und in der Region Leipzig (690 mit Halle). Die Deutsche Bank habe rund 2200 Angestellte, davon etwa 900 in Sachsen.

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Das Vorhaben bringe keinem der beiden deutschen Geldhäuser etwas. „Die Betriebsräte sind in großer Sorge. Sie befürchten, dass bei einer Fusion die Banken über Jahre mit sich selbst beschäftigt sind“, sagt Wittmann. Die Ankündigung beider Banken, nach monatelanger Spekulation nun doch Fusionsgespräche aufzunehmen, kommen nach Meinung des Gewerkschafters zur Unzeit. Am Markt herrsche große Verunsicherung. Unternehmen wie Apple, Google und andere versuchten den angestammten Geldhäusern, Geschäft streitig zu machen. Eine Fusion würde auch intern zu Problemen führen: Als ein negatives Beispiel nennt der Experte die unterschiedlichen IT-Systeme – die Umstellung werde enorme Kosten und Ressourcen verschlingen. Wittmann befürchtet zudem, dass durch den Zusammenschluss die Nähe zu den Kunden verloren gehe.

Eine Sprecherin der Commerzbank warnte vor Panikmache. Es sei nichts entschieden. Die Vorstände beider Banken verhandelten ergebnisoffen.

Wie beide Häuser bekanntgaben, wolle man sich gegenseitig in die Geschäftsbücher schauen. Am Donnerstag treffen sich getrennt voneinander auch die Aufsichtsräte beider Konzerne. Diese Termine stehen schon länger fest. Trotzdem dürfte das Fusionsthema zur Sprache kommen.

Befürworter des Zusammenschlusses glauben, dass die Banken nur gemeinsam stark genug wären, um sich gegenüber der weltweiten Konkurrenz zu behaupten. Kritiker befürchten einen drastischen Jobabbau. Bundesweit rechnet Verdi im schlimmsten Fall mit dem Abbau von 30 000 Arbeitsplätzen, aus Sicht der Aktionärsvereinigung DSW stünden 50 000 Stellen auf der Kippe. Ende 2018 beschäftigten beide Institute zusammen gut 133 000 Vollzeitkräfte.

Der deutsche Staat mit 15 Prozent der größte Aktionär der Commerzbank. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär, der ehemalige Goldman-Sachs-Deutschlandchef Jörg Kukies, werben seit Monaten für starke deutsche Banken. Zuletzt hatte es Medienberichte gegeben, Scholz und Kukies hätten die Bankchefs Sewing und Zielke gedrängt, ein Zusammengehen zu prüfen – idealerweise vor der Europawahl Ende Mai. Ministeriumssprecher Hebestreit sagte: „Ich habe keinen Druck wahrgenommen seitens des Bundesministeriums der Finanzen.“

An der Börse ist die Deutsche Bank - Deutschlands größtes Geldhaus – aktuell 16 Milliarden Euro wert, die Commerzbank rund neun Milliarden Euro. In der Weltspitze spielen die beiden größten börsennotierten deutschen Banken damit nicht mehr mit.

Die Fusionsgespräche beflügeln die Fantasie von Börsianern. Auch wenn ein Zusammenschluss in den Sternen steht, legten die Aktienkurse der Großbanken und der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS am Montag deutlich zu. Ob die Euphorie gerechtfertigt ist, könnte sich in wenigen Wochen zeigen. Dem Vernehmen nach soll spätestens vor den Hauptversammlungen der Banken am 22. und 23. Mai klar sein, ob die Verhandlungen weitergehen - oder das Thema „Deutsche Commerz“ zu den Akten gelegt wird.

Von Andreas Dunte