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Mitteldeutschland Wählerwanderung: Die AfD aktiviert 226 000 Nichtwähler
Region Mitteldeutschland Wählerwanderung: Die AfD aktiviert 226 000 Nichtwähler
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18:03 02.09.2019
Arbeiter bauen in Dresden nach der Landtagswahl ein Wahlplakat der Partei Die Linke ab. Quelle: Foto: Robert Michael/dpa
Dresden

Wer sind die wahren Sieger der sächsischen Landtagswahl – und wer hat am meisten verloren? Die Wahlstatistik spricht eine klare Sprache.

AfD bleibt hinter Bestwert zurück

Die AfD hat ihr bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl erzielt – allerdings nur prozentual. Ein Blick auf die Wahlstatistik offenbart: Die AfD hat im Vergleich zur Bundestagswahl von 2017 in Sachsen etliche Federn gelassen. Erreichten die Rechtsaußen vor zwei Jahren ihren bisherigen Bestwert von 670 000 Stimmen sind es jetzt 595 000 Stimmen gewesen. Dabei aktivierte die AfD 226 000 bisherige Nichtwähler – so viel wie keine andere Partei. Die Wählerwanderung zeigt auch: Alle anderen Parteien haben an die AfD verloren, wobei die CDU mit 84 000 die meisten ehemaligen Wähler abgegeben hat.

CDU legt binnen drei Monaten 220 000 Stimmen zu

Bei der Betrachtung der absoluten Zahlen wird deutlich: Die CDU ist der Wahlgewinner. Die Partei von Ministerpräsident Michael Kretschmer hat im Vergleich zur Bundestagswahl 2017, als die AfD in Sachsen zum ersten Mal stärkste Kraft geworden war, 30 000 Stimmen zugelegt und kam am Wahlsonntag auf 695 000 – bei der Europawahl am 26. Mai 2019 waren es noch 474 000, was den historischen Tiefststand bedeutet hatte. Und selbst im Vergleich zur Landtagswahl 2014, als die CDU bei einer geringen Wahlbeteiligung noch auf einen prozentualen Anteil von gut 39 Prozent gekommen war, konnten jetzt 50 000 Stimmen mehr erzielt werden. Dafür wurde reichlich aus der Nichtwählerschaft rekrutiert: 126 000 Stimmen kamen von dort.

Linke und SPD mit deutlichen Verlusten

Für die Linke und die SPD geht es dagegen bergab, wobei die Sozialdemokraten im Vergleich zur Landtagswahl von vor fünf Jahren nur gut 30 000 Stimmen auf aktuell 167 000 einbüßten. Im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 sind es allerdings fast 100 000 Stimmen weniger in Sachsen. Das erklärte Ziel, vor allem Nichtwähler anzusprechen, wurde damit nicht erreicht. Einen harten Schlag müssen die Linken hinnehmen: Binnen zwei Jahren haben sie fast die Hälfte ihrer ehemals 399 000 Stimmen auf gerade noch 224 000 verloren. Dabei fällt auf, dass die Linke besonders viele Wähler an die AfD und auch an die CDU abgegeben hat – das ist ein Novum und verdeutlicht auch, dass die Parteibindung offensichtlich nicht mehr in dem Maß wirkt wie früher.

Grünen können Höchstmarke nicht wiederholen

Die Grünen konnten zwar rund 75 000 Stimmen auf nun 187 000 zulegen – damit bleiben sie allerdings nicht nur hinter den eigenen Erwartungen zurück, die sich aus den Umfragen gespeist hatten, sondern auch unter dem Ergebnis bei der Europawahl. Im Vergleich zur Abstimmung im Mai kehrten 35 000 Wähler den Grünen wieder den Rücken. Dass sie dennoch zulegen konnten, liegt an der Wählerwanderung von SPD und Linken zu der Ökopartei. Heißt: Die Grünen haben vor allem im linken Lager „gewildert“.

FDP und Freie Wähler scheitern

Für die Freien Wähler hat es abermals nicht gereicht, um in den Landtag zu kommen – obwohl sie ihr bislang bestes Ergebnis erzielt haben. Im Vergleich zur Bundestagswahl verdreifachten die Freien Wähler ihre Stimmenanzahl auf 72 000 und legten auch zur Europawahl zu, was in der Endabrechnung aber nichts gebracht hat. Dagegen haben die Liberalen binnen zwei Jahren mehr als die Hälfte eingebüßt: Ohne den sogenannten Lindner-Effekt sind es am Wahlsonntag nur noch 97 000 Stimmen gewesen, was in etwa dem Ergebnis der Europawahl im Mai 2019 entspricht.

Von Andreas Debski

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