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Mitteldeutschland Warum es in Leipzig heißer ist als auf dem Land
Region Mitteldeutschland Warum es in Leipzig heißer ist als auf dem Land
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16:56 01.07.2019
Zu viele hohe Gebäude in einem Stadtviertel verhindern, dass ein kühlender Wind die heiße Luft durchmischt. Quelle: dpa
Leipzig

Je größer eine Stadt, desto wärmer. In einer Stadt mit etwa 600 000 Einwohnern wie Leipzig sei es im Schnitt um etwa sechs Grad wärmer als im Umland. In Berlin betrage der Unterschied sogar zwölf Grad, sagte Uwe Schlink, Stadtklimaforscher am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig.

Auch Robert Scholz, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Leipzig-Holzhausen hat diesen Effekt beobachtet. „Wenn wir in Holzhausen 37 Grad messen, können es in der Leipziger Innenstadt auch mal 45 Grad sein“, sagt er. Besonders deutlich konnten die Messestädter diesen Effekt am Sonntag merken, als sich die Stadt wie ein Backofen anfühlte. In Leipzig-Holzhausen hat der DWD mit 38,4 Höchsttemperatur einen neuen Rekord fest gestellt.

Als Gründe für die besondere Erwärmung der Städte nennt Stadtklimaforscher Schlink die Sonnen- und Wärmestrahlung sowie die Speicherung der Wärme in Gebäuden und Straßen. Der Einfluss der von Menschen produzierten Wärme, wie etwa durch die Nutzung von Verkehrsmitteln, sei hingegen sehr gering.

In Städten verdunstet nicht genug Wasser

Die Faktoren, die für Erfrischung sorgen würden, sind in Städten weniger stark ausgeprägt: Wenn Wasser verdunstet, kühlt es die Umgebung. „Allerdings ist in Städten viel Oberfläche versiegelt, dadurch hält sich die Wärme eher“, erklärte Schlink. Auch Schneisen, durch die ein kühler Wind wehen kann, senken die Temperatur. „Um den Effekt auszunutzen, müssen die Städte rauer gebaut werden“, forderte Schlink. Mit einer Mischung aus hohen und niedrigen Häusern würden Verwirbelungen begünstigt.

Damit Städte kühler werden, müsse der Einfluss der Faktoren für jedes einzelne Stadtquartier errechnet werden. Mit Modellen sei dies möglich, sagte der Wissenschaftler. Sogar die Blattdichte von Bäumen sei in manchen Siedlungen entscheidend dafür, wie viel Wärme sich hält. Denn Bäume tragen zur kühlenden Verdunstung bei, spenden zudem Schatten. Allerdings könnten dichte Kronen die erfrischenden Windböen behindern, erklärte der Forscher.

Grünflächen wirken kühlend auf die Umgebung

Zu einem frischeren Klima könnte hellerer Asphalt auf Straßen beitragen, sagte Schlink. Grünflächen und Gründächer, die bewässert werden, sowie Wiesen, unter denen sich Wasserspeicher befinden, kühlten die Städte. Frischluftschneisen und ein Wechsel von hohen und niedrigen Häusern könnten für frische Brisen sorgen. Um Tropennächte auch in Städten durchzustehen, rät der Stadtklimaforscher, nachts zu lüften, die Fenster von außen zu verschatten - am besten mit hellen Rollläden.

Im Juli starten die Helmholtz-Zentren ein auf zwei Jahre angelegtes Projekt zur Erforschung von Ursachen der Klimaerwärmung sowie von Maßnahmen, um mit dieser umzugehen. Schlink will sich dabei mit Hitze und Luftqualität beschäftigen.

Von ps/dpa

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