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Mitteldeutschland Wasserweiber & Goldkarpfen: Henner Kotte spürt in neuem Buch sächsischen Legenden nach
Region Mitteldeutschland Wasserweiber & Goldkarpfen: Henner Kotte spürt in neuem Buch sächsischen Legenden nach
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12:14 14.09.2019
Ist längst selbst zu einem Original geworden: Der Autor Henner Kotte (Mitte) bei einer seiner Krimi-Stadtführungen in der Leipziger City. Quelle: André Kempner
Leipzig

Man muss ihn nur sacht anstupsen – und schon sprudeln die Sätze aus Henner Kotte heraus. „Heutzutage erzählt doch kaum noch jemand Geschichten, so wie wir es als Kinder bei der Oma erlebt haben. Ich sammle diese Geschichten, die quasi vor der Haustür liegen“, umschreibt der Leipziger, der über ausgeprägte Dresdner Wurzeln verfügt, seine Motivation.

Eigentlich hat sich Henner Kotte längst einen guten Ruf als Krimi-Autor erschrieben. Seine tödlichen Abstecher führten ihn unter anderem ins Erzgebirge („Blutiges Erz“, „Russentod in Frauenstein“), in die Sächsische Schweiz („Blutige Felsen“), nach Leipzig („Die vermauerte Frau“) und Dresden („Bonnie & Clyde vom Sachsenplatz“).

Seit geraumer Zeit gibt sich der 56-Jährige aber auch seiner zweiten Leidenschaft hin – eben jenem Geschichtenerzählen. Als Dresdner kam er zunächst nicht an den Erzählungen rund um den sächsischen Hof vorbei, danach folgten die Irrtümer, die mit dem Sachsenland in Verbindung gebracht werden.

Nun liegt der dritte Band in dieser Reihe vor: „Populäre sächsische Legenden“, der am kommenden Montag erscheinen wird. Dabei fasst Henner Kotte den Begriff der Legenden durchaus weiter als man zunächst denken könnte: „Ich fand, wenn man die ‚Legende‘ zu eng sieht, wird daraus schnell ein Märchenbuch. Deshalb habe ich den Blick geweitet.“

Tatsächlich nimmt der neue Band insgesamt 41 sächsische Phänomene ins Visier: von historischen Überlieferungen und Sagen bis hin zu zeitgeschichtlichen Betrachtungen. So gräbt Henner Kotte beispielsweise die Geschichte um das Skelett im Deutschen Hygienemuseum in Dresden aus, das dort früher in Ausstellungen präsentiert worden war – doch diese Zeiten sind vorbei. Da es sich um die Knochen einer stadtbekannten Doppelmörderin handelte, die auf diese Weise enttarnt wurde, darf das Skelett aufgrund von gesetzlich verankerten Persönlichkeitsrechten nicht mehr gezeigt werden.

„Solche Geschichten finde ich einfach herrlich. Für mich ist sowas ein gefundenes Fressen“, sagt der Autor, dem der Schelm quasi permanent aus den Augen blinzelt. Angestachelt hat ihn zu dieser Geschichte übrigens seine Großmutter, und das vor immerhin gut vier Jahrzehnten.

Zu den Personen, die für Henner Kotte den Status einer Legende erfüllen, gehören unter anderem der in Zwickau geborene Schauspieler Gert Fröbe („Goldfinger“), der Philosoph Ernst Bloch und dessen Vorlesungen im Leipziger Hörsaal 40 sowie der Schriftsteller Fjodor Dostojewski, der einst auch längere Zeit in Dresden lebte. Daneben ist das Buch ein Sammelsurium von Geschichten, die der umtriebige Autor irgendwann am Wegesrand aufgelesen hat und die sehr viel Wissenswertes transportieren.

So wird beispielsweise die Frage beantwortet, wie die legendären Karpfen zum „Moritzburger Gold“ geworden sind, wer der „Mann mit den zwei Männern“ auf dem Weißen Hirsch in Dresden gewesen ist und wie alle drei auf den sozialistischen Ehrenhain gekommen sind, wo der Sherlock Holmes des Sachsenlandes gelebt hat und was es mit den „Wasserweibern von Strehla“ oder dem Büchermörder auf sich hat.

Genauso geht es aber ebenso um die „Erschaffung“ der Sächsischen Schweiz und um den umgeschriebenen Werther, der an Sachsen nicht vorbeikam. Und, um nicht zu vergessen: Henner Kotte macht auch um aktuelle Themen keinen Bogen. In der „Legende vom toten Terroristen“ knöpft er sich die Umstände vor, die zum Tod des mutmaßlichen Islamisten Dschaber al-Bakr in der Justizvollzugsanstalt Leipzig-Meusdorf geführt haben.

Auch die „Legende von der Sachsenhymne“ ist ihm wichtig, ohne dabei in Heimattümelei zu verfallen, was insgesamt sehr angenehm auffällt und ein Vorzug von seinen Geschichten ist. Zu guter Letzt räumt der studierte Germanist noch mit einer Legende auf, die ihn seit etlichen Jahren unter den Nägeln gebrannt hat – mit der des ewigen „Jammerossis“.

„Inzwischen gibt es viele Menschen, die mir Geschichten erzählen, die sie irgendwo gehört haben. Ich recherchiere dann nach – und wenn ich fündig werde, werden die Geschichten aufgeschrieben“, erklärt der Autor, der als Leipziger Stadtführer vor allem mit seinen Krimi- und Kinder-Touren inzwischen selbst zu einem Original geworden ist. „Die Menschen spüren einfach, wenn man etwas mit Liebe, mit Herz und Seele macht. Das Schöne ist: Die Geschichten, die mir Spaß machen, erfreuen offenbar auch eine ganze Menge andere Menschen“, meint Henner Kotte und liegt damit wohl genau richtig.

Wer einmal bei einer seiner Entdeckerrouten durch die verborgensten Leipziger Winkel dabei war und festgestellt hat, dass selbst „die größten Rüpel“, wie er sie nennt, fasziniert zuhören, wird über das Talent gestaunt haben. „Das zeigt mir: Man kann Kinder durchaus für Geschichte interessieren. Es gibt heutzutage eben nicht nur das Daddeln. Man muss den Kindern etwas bieten und sich mit ihnen beschäftigen.“

Doch Henner Kotte wäre nicht Henner Kotte, würde ihm nicht schon das nächste Projekt durch den Kopf schwirren: „Im vierten Geschichtenband soll es um populäre sächsische Innovationen gehen – vom Bierdeckel über die Horch-Werke bis zum Büstenhalter“, kommt der Autor schon wieder ins Erzählen. Aber das ist erstmal noch Schnee von morgen.

Buchpremiere am Montag, 16. September, 20 Uhr, in der Moritzbastei Leipzig (Kurt-Masur-Platz 1), mit Michael Hinze und Carolin Masur

Henner Kotte: Populäre sächsische Legenden, Verlag Bild und Heimat, 224 Seiten, 9,99 Euro

Von Andreas Debski

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