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Mitteldeutschland Wirbel um Broschüre zu Iran-Reise: Auch Frauen aus Sachsen mit Kopftuch
Region Mitteldeutschland Wirbel um Broschüre zu Iran-Reise: Auch Frauen aus Sachsen mit Kopftuch
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Basar-Szene im Teheran. In der iranischen Hauptstadt war im Mai eine ostdeutsche Wirtschaftsdelegation zu Gast. Quelle: dpa
Schwerin/Dresden

- Eine Broschüre zu einer deutschen Wirtschaftsdelegationsreise in den Iran, in der Fotos von Teilnehmerinnen mit Kopftuch abgebildet sind, sorgt für Wirbel. Die „Abendzeitung“ in München kommentierte die Fotos am Mittwoch als „schwaches Zeichen“. Eine Broschüre, in der sich deutsche Führungskräfte vorstellen, brauche keine verschleierten Frauen zu zeigen, um sich anzubiedern. „Sie kann selbstbewusst das abbilden, was unsere Gesellschaft und Wirtschaft so stark und erfolgreich macht: die Gleichberechtigung der Geschlechter.“

Die Delegationsreise war von den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt organisiert worden. Vom 28. Mai bis zum 2. Juni wurden in Teheran und Isfahan Kontakte geknüpft.

Das sächsische Wirtschaftsministerium erklärte in einer Mitteilung, die Broschüre sei von der (deutschen) Außenhandelskammer Iran für die Kooperationsbörsen mit iranischen Unternehmen erstellt worden. Sie habe - zur Erleichterung des Dialogs - die Namen, Positionen und Fotos aller Delegationsteilnehmerinnen und -teilnehmer enthalten.

Ein Teil der Frauen ist mit Kopftuch abgebildet. Wie die „Abendzeitung“ schreibt, treten in dem Infoblatt nur die weiblichen Führungskräfte aus Sachsen-Anhalt unverschleiert in Erscheinung.

Wirtschaftsministerium Sachsen: „Technische Panne“

Das Ministerium unter Leitung von Martin Dulig (SPD) erläuterte am Mittwoch außerdem, dass die Teilnehmerinnen Fotos verwendet hätten, die für die Beantragung ihrer Visa bei der iranischen Botschaft verwendet worden seien. Weiter heißt es, die Außenhandelskammer Iran (AHK) habe generell die Visa-Fotos mit Koptuch verwenden wollen. „Durch eine technische Panne der AHK in Teheran kam es bei einigen Teilnehmerinnen zu einer Verwendung alter Passbilder.“

Die „Bild“-Zeitung zitierte den Leipziger CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Feist mit den Worten: „Ein Bärendienst für die Frauen im Iran.“ Niemand verlange dort solche Bilder.

Ein Sprecher des Infrastrukturministeriums von Mecklenburg-Vorpommern sagte, es sei Konsens vor der Reise gewesen, die Frauen mit Kopftuch abzubilden, damit sie von den Gesprächspartnern im Iran auch erkannt werden. Es sei keine Forderung aus dem Iran gewesen, betonte er. In dem muslimischen Land ist allerdings das Tragen eines Kopftuches in der Öffentlichkeit Pflicht.

Von dpa / lyn