Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Wolfsland Sachsen: 22 Rudel im Freistaat bestätigt
Region Mitteldeutschland Wolfsland Sachsen: 22 Rudel im Freistaat bestätigt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:51 05.11.2019
Ein Wolf (Canis lupus) blickt in die Kamera. in Sachsen leben bundesweit die meisten Wolfsrudel. Quelle: Swen Pförtner/dpa
Anzeige
Dresden

Rehe, Kaninchen, Wildschweine, Mufflons – Sachsens Waldräuber sind nicht wählerisch. Am liebsten wählen sie Rehe und Hirsche für ihre Speisekarte, gern auch mal Schafe, Ziegen und Kälber. 22 Wolfsrudel wurden in diesem Jahr im Freistaat gezählt. Im aktuellen Untersuchungsjahr seien im Vergleich zum vorigen fünf neue Rudel registriert worden, teilte die zuständige Wolfs-Behörde am Dienstag in Dresden mit. Da eine Gruppe von Wölfen, das sogenannte Nieskyer Rudel, verschwunden ist, sind es in der Summe vier Rudel mehr. Außerdem leben im Freistaat vier Paare und ein Einzeltier. Nur in Brandenburg gibt es inzwischen mehr Wölfe als in Sachsen.

Zwei Wölfe auf Sendung

„Sie sind überall, aber man sieht die Viecher nicht“, sagte Forscherin Ilka Reinhardt vom Wolfsmonitoringinstitut Lupus. Um mehr über die Territorien und das Ausbreitungsverhalten der Tiere zu erfahren, wurden im Juli die ersten beiden Fähen – getauft auf Juli und Lotta – eingefangen und mit Halsbandsendern ausgestattet. „Die via Satellit aufgezeichneten Bewegungsprofile zeigen, dass die Wölfe in der dicht besiedelten Kulturlandschaft immer wieder auf Hindernisse wie Straßen, Tagebaue und menschliche Siedlungen stoßen“, kommentierte Reinhardt die in den ersten drei Monaten gewonnenen Daten.

Anzeige

Die Reviere sind jeweils um die 100 Quadratkilometer groß. Da die nachtaktiven Jäger sich gelegentlich in bebaute Gebiete verirren, sei nicht auszuschließen, dass es auch in Zukunft zu überraschenden Begegnungen mit Menschen kommt, so Reinhardt. Dies sei aber „kein Grund zur Sorge, da Wölfe überaus vorsichtige und scheue Tiere sind“, so die Forscherin. Ob innerhalb des neu gestarteten Landesprogramms „Besenderung Wolf“ noch viele weitere Wölfe mit Halsband durch die Wälder streifen werden, sei eher unrealistisch, da es „wahnsinnig schwer ist, Wölfe zu fangen“.

Höhere Verluste bei Schafen und Ziegen

Die Zunahme der Wölfe führt auch zu höheren Verlusten bei Nutztieren. Bis Ende Oktober wurden 342 Tiere getötet und 75 verletzt, 56 weitere gelten als vermisst - insgesamt waren also 473 Tiere betroffen. Im Jahr 2018 waren es noch 383. Meist handelt es sich um Schafe und Ziegen, aber auch Kälber, Alpaka und ein Strauß wurden angegriffen. Die von vielen Nutztierhaltern getroffenen Schutzmaßnahmen, die seit diesem Jahr vollständig gefördert werden, hätten sich nur bei etwa jedem zweiten Raubtierangriff bewährt, räumte Matthias Rau ein. „Die Tiere brauchen innerhalb der durch Elektrozäune abgesperrten Weide Fluchträume, sonst brechen sie in Panik aus und werden außerhalb des Zaunes gerissen.“ Die intelligenten Räuber machten sich jede Schwachstelle wie untergrabene Zäune oder zu niedrige Umzäunungen zunutze.“

Sorge um Hunde und Katzen nimmt zu

Im August waren vier Welpen in der Dresdner Heide durch Aufnahmen aus einer automatischen Wildtierkamera bestätigt worden. Hundehaltern riet Vanessa Ludwig von der Wolfsbehörde, die Tiere beim Spaziergang im Wald immer an der Leine zu führen. Aber auch andere Haustiere wie Katzen sollten in Wolfsrevieren nachts nicht freigelassen werden. Seit Jahresbeginn hatten sich Wolfsichtungen gehäuft. Offenbar fänden die Tiere trotz vieler Menschen in Stadtnähe Rückzugsräume, genau wie Rehe oder Wildschweine.

Nach dem vorherigen Monitoring 2017/2018 lebten 18 Wolfsrudel und vier -paare im Freistaat. Vor allem in der Lausitz habe sich etwas getan sowie in Nordsachsen. Bei Delitzsch habe ein Paar Welpen bekommen. In der Dübener Heide gebe es e ein Rudel im Authausener Wald in Sachsen und in Sachsen-Anhalt. Nach Überzeugung der Wolfsforscher kommen auch der Wermsdorfer Wald und die Dübener Heide als neue Territorien für die Raubtiere infrage. Warum sich die Wölfe bislang nicht ins Erzgebirge und ins Vogtland ausgebreitet haben, ist bislang ungeklärt.

Von Winfried Mahr/jhz/dpa

Anzeige