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Mitteldeutschland Zu wenige Mitarbeiter in Sachsens Gesundheitsämtern: Bundeswehr soll helfen
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Zu wenige Mitarbeiter in Sachsens Gesundheitsämtern: Bundeswehr soll helfen

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11:35 18.10.2020
Soldaten der Bundeswehr helfen der Region Hannover bei der Nachverfolgung von Infektionsketten von dem Coronavirus. Auch Sachsen Gesundheitsämter stoßen mit Blick auf die steigenden Corona-Fallzahlen im Herbst an ihre personellen Kapazitätsgrenzen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Dresden

Weitgehend ohne zusätzliche Mitarbeiter müssen die kommunalen Gesundheitsämter bisher die Corona-Pandemie meistern. Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei mehreren Ämtern ergab, haben diese bisher kaum neue Mitarbeiter rekrutieren können. Es sei unter anderem schon wegen des Ärztemangels schwierig, geeignete Fachkräfte zu gewinnen, hieß es.

Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) will die Ämter stärken. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt zu sehen, wie der Gesundheitsdienst besser gerüstet werden könne, sagte sie in Dresden. Sie wisse, dass dessen Mitarbeiter während der Corona-Pandemie oft an ihre Belastungsgrenzen gegangen seien. „Das öffentliche Gesundheitssystem ist über die Maßen strapaziert worden.“

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Kretschmer fordert Unterstützung durch Bundeswehr

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer fordert im Kampf gegen das Coronavirus eine stärkere Unterstützung durch die Bundeswehr in den Gesundheitsämtern. „Wir sind in der exponentiellen Phase“, sagte der CDU-Politiker der „Bild am Sonntag“. „Wir müssen damit rechnen, dass sich die Zahl der Neuinfektionen im Drei- oder Vier-Tages-Rhythmus verdoppelt. Das bringt die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Kontakten positiv getesteter Fälle an ihre Grenzen und wir können die Infektionsketten nicht mehr unterbrechen.“

 

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Laut Kretschmer müssen die Gesundheitsämter dringend personell aufgerüstet werden. „Da muss die Bundeswehr stärker eingebunden und Mitarbeiter aus den Landesministerien abgeordnet werden. Die Polizei muss den Ordnungsämtern bei der Kontrolle der Maßnahmen helfen.“

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Noch ist laut Ministerium unklar, was etwa die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bewirken werde, die Länder bis Ende 2022 mit mindestens 5000 unbefristeten Vollzeitstellen im Öffentlichen Gesundheitsdienst zu unterstützen - davon mindestens 1500 bis Ende kommenden Jahres. Es gebe dazu noch keine Verwaltungsvereinbarung, hieß es. Bei der ebenfalls von Spahn zugesagten Unterstützung für digitale Lösungen etwa bei den Meldesystemen der bundesweit 375 Gesundheitsämter entfielen auf Sachsen rund 2,5 Millionen Euro.

Fachkräfte schwer zu finden

In Dresden wird das Gesundheitsamt seit Oktober durch einen „Containment Scout“ unterstützt, um Kontaktpersonen von Corona-Erkrankten schneller ermitteln zu können. Zudem helfen Mitarbeiter anderer Ämter aus und übernehmen unter anderem Dienste an der Telefon-Hotline. Diese befristete Unterstützung solle weiter ausgebaut werden, hieß es bei der Stadtverwaltung. Neue feste Stellen seien bisher nicht geschaffen worden. Das werde erst mit den angekündigten Bundesmitteln ins Auge gefasst.

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Vor allem im fachärztlichen Bereich, aber auch für die Hygieneüberwachung seien Fachkräfte schwer zu finden, hieß es. Das sei nicht erst seit der Corona-Pandemie so. Deshalb versuche das Gesundheitsamt mit Weiterbildungsvereinbarungen Mitarbeiter zu ermuntern, sich zu qualifizieren.

 

Die Mitarbeiter des Chemnitzer Gesundheitsamtes befinden sich wieder im „Corona-Modus“, wie Amtsleiter Harald Uerlings sagte. Die Infektionszahlen gingen in der Stadt seit etwa zwei Monaten wieder nach oben. Die Sieben-Tage-Inzidenz neu aufgetretener Erkrankungen pro 100 000 Einwohner hat die 35 am Freitagabend überschritten.

Keine medizinische Ausbildung für Stellen benötigt

Bei Ausbruch der Pandemie im Frühjahr war für die etwa 70 Mitarbeiter Schichtbetrieb eingeführt worden. Laut Uerlings war das Amt selbst samstags und sonntags täglich für elf Stunden besetzt. An manchen Tagen seien bis zu 4000 Anrufe eingegangen. Mitarbeiter aus anderen Verwaltungsbereichen wurden abgestellt, um zu helfen und den Telefondienst zu übernehmen. Nachdem sich im Sommer die Arbeit zunächst normalisiert hatte, werden jetzt mit abermals anschwellenden Infektionszahlen neue Einsatzpläne aufgestellt, die Arbeitszeiten würden wieder länger. Dieses Mal sollen auch Bundeswehrsoldaten einspringen.

An Neueinstellungen ist laut Uerlings zunächst nicht gedacht. Ein neuer Mitarbeiter sei in den vergangenen Monaten hinzugekommen. Es sei schwierig Fachpersonal zu bekommen, sagte Uerlings.

Im Vogtlandkreis wurden laut Pressesprecher Uwe Heinl zusätzliche, befristete Stellen vor allem für die Telefon-Hotline und die Kontaktnachverfolgung eingerichtet, mit Technik ausgestattet und mit externen Bewerbern besetzt. Es habe auch interne Umsetzungen gegeben. Für diese Stellen werde keine medizinische Ausbildung gebraucht. „Andernfalls wäre es schwierig geworden, da diesbezüglich ausgebildetes Personal auf dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht“, sagt er.

Von RND/dpa