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Mitteldeutschland „Zukunft Sachsen“ ruft zu taktischer Wahl gegen AfD auf – Umfrage bei CDU-Direktkandidaten
Region Mitteldeutschland „Zukunft Sachsen“ ruft zu taktischer Wahl gegen AfD auf – Umfrage bei CDU-Direktkandidaten
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11:05 26.06.2019
Mitglieder der Gruppe «Zukunft Sachsen» besprechen sich. Die Gruppe will eine Regierungsbeteiligung der AfD in Sachsen unbedingt verhindern. Quelle: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Leipzig

Sie wollen eine Regierungsbeteiligung der AfD in Sachsen unbedingt verhindern. Dafür geht die Gruppe „Zukunft Sachsen“ neue Wege: Etwa 20 junge Freunde aus ganz Sachsen rufen zum taktischen Wählen bei der Landtagswahl am 1. September auf.

Aufruf zur taktischen Wahl

„Auch wenn es wichtig ist - es ist zu spät, auf Menschenwürde und Inhalte zu pochen“, sagt Sascha Kodytek, Sprecher der Gruppe. Für ihn deuteten Wahl- und Umfrageergebnisse darauf hin, dass die AfD bald regieren könnte. Dagegen will er etwas tun. Darum hat er zusammen mit seinen Freunden auf der Grundlage von Umfrageergebnissen mögliche Koalitionen errechnet. „Wenn CDU, SPD und Grüne regieren können, werden sie das auch tun“, ist sich Kodytek sicher. Dadurch könnte eine Regierungsbeteiligung der AfD verhindert werden. Die Idee zur Kampagne für eine taktische Stimmabgabe war geboren. Im März schaltete Kodytek mit seinen Freunden eine Webseite.

Umfrage bei CDU-Kandidaten zur AfD

Am Mittwoch wollte die Gruppe sämtliche CDU-Direktkandidaten fragen, ob sie mit der AfD koalieren würden. Die Antworten will die Gruppe Mitte Juli auf ihrer Webseite veröffentlichen. Mit der Abfrage wollten sie sichergehen, dass eine Stimme für die CDU nicht doch die AfD an die Regierung bringt. „Was wir machen ist sehr sachlich“, sagt Kodytek. Warum genau er die AfD verhindern möchte, will der 23-jährige Jurastudent nicht sagen. „Da hat jeder aus der Gruppe seine eigenen Gründe“, sagt er.

Kein Kontakt zu Parteien

In einem Hinterhof in einem bürgerlichen Leipziger Stadtteil berät Kodytek mit seinen Mitstreitern über das weitere Vorgehen. Es sind nicht die typischen linken Studenten, die hier über Politik diskutieren. Die Hälfte der 20- bis 35-Jährigen ist berufstätig, ein Viertel ist in Ausbildung, nur etwa ein Viertel studiert. Einige haben sich in Parteien wie der CDU und der SPD engagiert. Sie tragen Hemden, sind in Kirchgemeinden aktiv - und wollen nicht von AfD-Politikern regiert werden. „Ich habe das erste Mal das Gefühl, dass ich etwas machen kann“, sagt der 32-jährige Moritz aus Chemnitz. Mit Parteien stünden sie nicht in Kontakt, eine Beeinflussung wäre sehr schädlich für die Ziele, betont Kodytek.

Offener Brief zur Görlitz-Wahl

Bekannt wurde die Gruppe vor der Oberbürgermeisterwahl in Görlitz: Hollywood-Größen und Künstler wie „Game of Thrones“-Schauspieler Tom Wlaschiha und Volker Bruch aus „Babylon Berlin“ wandten sich mit einem offenen Brief an die Wähler und sprachen sich gegen Hass und Ausgrenzung aus. Verbreitet wurde der Brief über die Webseite der Gruppe „Zukunft Sachsen“. Initiator und Film-Produzent Michael Simon de Normier habe ihn einfach angerufen, erzählt Kodytek. Zunächst habe er gedacht, das sei ein Scherz, sagt der 23-Jährige.

Beschimpfungen am Telefon

Nach der Veröffentlichung bekam er pro Tag etwa fünf Anrufe, wie er sagt. Er habe sich viele Beschimpfungen anhören müssen. Auch von Linken kämen im Netz abschätzige Kommentare - immerhin rät die Gruppe von der Wahl der Linkspartei ab. Neben der Kampagne diskutieren die Freunde auch über die Anfeindungen. Im Hinterhof überlegen sie, wie sie ihre Kampagnen den Großeltern erklären können, was wohl die Bekannten im Erzgebirge sagen werden.

Von Theresa Held