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Region Oschatz diskutiert Populismus und Ressentiments im Zuge der Wiedervereinigung
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Oschatz diskutiert Populismus und Ressentiments im Zuge der Wiedervereinigung

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16:42 08.10.2020
Am Altmarkt in Oschatz beginnt am Sonntag die Dialogwanderung. Quelle: Steffen Bahnemann
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Oschatz

Wer aktuelle Spaltungstendenzen in der Gesellschaft verstehen will, muss sich mit Ressentiments als Basis für Populismus befassen. Der Dresdener Verein Kultur Aktiv greift das am Wochenende auf. Vom 9. bis 11. Oktober wird in Kooperation mit dem E-Werk Oschatz Blick auf die Transformationserfahrungen seit der Friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung geworfen. Das Verhältnis von Heimat und Fremde, Dialog und Umbruch sowie Ressentiment und Populismus stehen im Zentrum. „Wir versuchen, zu erörtern, inwiefern zum Beispiel Biografiebrüche und falsche Erwartungen an die Deutsche Einheit damals zu Populismus im Heute beigetragen haben“, heißt es im Projektbild.

Podium am Freitag

Den Auftakt bilden drei Gespräche in der Schaltwarte am heutigen Abend. Der Abend wird von Ricardo Glaser moderiert. Seine Talkgäste sind ab 18 Uhr der Oschatzer Pfarrerssohn und Bildhauer Joachim Zehme und Linken-Politiker Michael Bagusat-Sehrt aus Torgau, Autor Dr. Robert Müller und Journalist Jan Ludwig sowie Künstlerin Bianca Seidel. Ein Wiedersehen mit Müller und Ludwig gibt es am morgigen Sonnabend, wenn von 9.30 Uhr bis 17 Uhr im E-Werk Vorträge, gemeinsame Lektüren und Austausch zu Heimat, deren Verlust in der Wendezeit und deren Bedeutung für die Entstehung von Ressentiments und Populismus stattfinden „Die Referenten vermitteln ein differenziertes Verständnis der Grundlagen und Gefährdungen des gesellschaftlichen Dialogs und stellen populistische Phänomene näher vor“, so René Kaufmann von Kultur Aktiv.

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Kunstaktion am Sonntag

Bianca Seidel. Quelle: Christian Kunze

Künstlerin Bianca Seidel gestaltet gemeinsam mit den Oschatzern den Sonntag. Beginnend am Altmarktbrunnen findet ab 13 Uhr eine Dialogwanderung zu markanten Punkten im Zentrum statt. Im Rahmen einer künstlerischen Intervention werden Menschen vor Ort zum Dialog anregt, indem Kunst und lokale Themen auf eine außergewöhnliche Weise zusammenkommen. Vorbereitend hat Bianca Seidel Passanten bereits gefragt: „O Schatz, wo kommst du her?“ Antworten und Geschichten werden auf einem Objekt mit einer Tafel festhalten. Am Sonntag können Interessierte zusammen mit der Künstlerin über den Alt- und Neumarkt spazieren und mit Anderen über Geschichte und Geschichten vor Ort austauschen. Ziel der Wanderung ist der O-Schatz-Park, wo die gestaltete Tafel aufgestellt wird – und dort verbleibt.

Plätze begrenzt

Die Veranstaltungen sind Teil der Projektreihe „Sachen im Dialog“. „Diese verfolgt seit 2019 das Ziel, einen wertschätzenden Gedanken- und Meinungsaustausch und eine differenzierte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Streitthemen in Sachsen anzuregen“, sagt René Kaufmann. Dabei liege der Fokus auf Transformationserfahrungen seit der Wende sowie auf der Wahrnehmung, dass der gesellschaftliche Dialog von populistischen Akteuren heimgesucht, erschwert oder unmöglich gemacht wird. Die Initiative wird durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, sowie die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Teilnahme an allen Veranstaltungen ist kostenlos, die Anzahl der Plätze allerdings begrenzt.

Von Christian Kunze