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Oschatz Aus für Glyphosat: Oschatzer müssen Unkraut kratzen oder zupfen
Region Oschatz Aus für Glyphosat: Oschatzer müssen Unkraut kratzen oder zupfen
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06:00 17.09.2019
Der Oschatzer Robert Schmidt jätet das Unkraut auf dem Gehweg vor seinem Grundstück per Hand. Quelle: Foto: Frank Hörügel
Oschatz

Das war’s: Grundstückseigentümer müssen ab sofort auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat (im Handel als Round up erhältlich) zum Vernichten von Unkraut auf ihren Gehwegen, Terrassen und Garagenzufahrten verzichten. „Das Verbot gilt auch für Mittel, die im Handel frei erhältlich sind oder für Produkte, die als biologisch abbaubar gelten. Ebenfalls ist die Anwendung von Salz und Essig unzulässig“, teilt Karin Bernhardt, Pressesprecherin des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), mit.

Gesundheitsbeeinträchtigungen möglich

Hintergrund dieses Verbotes ist nach Angaben der Behörde, dass die Wirkstoffe bei Regen von befestigten oder versiegelten Flächen über die Kanalisation ins Grund- und Oberflächenwasser gelangen und Menschen und Tiere in ihrer Gesundheit beeinträchtigen könnten. Ausgenommen von diesem Verbot sind land-, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Flächen.

Kläranlage bisher nicht erkennbar von Glyphosat beeinflusst

Gefahr im Verzug scheint im Stadtgebiet Oschatz aber noch nicht zu sein. „Die Abwasserreinigung in den Kläranlagen des Verbandes wurde bisher in den Parametern, die uns von der zuständigen Wasserbehörde als Grenzwerte für die Abwassereinleitung in Gewässer vorgegeben wurden, nicht erkennbar durch Glyphosat beeinflusst“, teilt Ricarda Wohllebe vom Abwasserverband Untere Döllnitz auf Anfrage mit.

Hoffen auf Eigeninitiative der Mieter

Unabhängig davon scheint Glyphosat in der Region Oschatz bereits vor dem Inkrafttreten des Verbotes ein Auslaufmodell zu sein. „Gegen Unkraut gehen wir ausschließlich mechanisch vor. Ich bin auch persönlich gegen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln“, sagt Sven Petzold, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Oschatz/Mügeln. Allerdings ist dieser Grundsatz nicht einfach umzusetzen. Petzold: „Wir finden kaum noch Firmen, die das machen wollen.“ Deshalb habe er kürzlich an einem Sonnabend zusammen mit einem Mitarbeiter und dem Hausarbeiter zur Harke gegriffen und sei auf den Gehwegen und den Hauszugängen in der Straße der Einheit dem Unkraut zu Leibe gerückt. Völlig unkrautfrei könnten die Wege rund um die Genossenschaftswohnungen in Oschatz und Mügeln jedoch nicht gehalten werden. „Wir hoffen da auch ein bisschen auf die Eigeninitiative unserer Mieter“, sagt Petzold.

Ökologischer Gärtnern im Kreisverband

„In unserem Kleingartenwesen gibt es seit Jahren die Devise: ökologisches Gärtnern. Deshalb müssen wir gar nicht mehr groß umdenken“, sagt Andreas Zschau. Als Vorsitzender des Regionalverbandes der Kleingärtner Torgau-Oschatz vertritt er die Interessen von aktuell 3629 Mitgliedern, die in 63 Vereinen organisiert sind und eine Gesamtfläche von 170 Hektar bewirtschaften. Die Fachberater des Regionalverbandes, die sowohl in Oschatz als auch in Torgau Informationsveranstaltungen für die Kleingärtner anbieten, würden regelmäßig darauf hinweisen, dass der Einsatz von Salz oder Pflanzenschutzmitteln zur Vernichtung von Unkraut verboten ist.

Brennnessel-Jauche als Alternative

Als Alternative werde zum Beispiel der Einsatz von Brennnessel-Jauche empfohlen. „Das riecht zwar ein bisschen“, sagt Zschau, sei aber wirksam. Nach seiner Einschätzung halten sich die meisten Kleingärtner an die Vorschriften – jedoch nicht alle. Bei einer Begehung von 25 Kleingartenanlagen in der Region Oschatz im Juli – es ging um die Überprüfung der Gemeinnützigkeit – seien in zwei Anlagen Verstöße festgestellt worden. „Da haben wir gesehen, dass dort mit Salz gearbeitet wurde“, sagt der Verbandschef. Und was passiert dann? „Wir bitten dann die Vereinsvorsitzenden, dass sie mit ihren Pächtern sprechen, damit die das künftig unterlassen.“

Belastend für die Handgelenke

„Gespritzt wird bei uns definitiv nicht“, sagt Kathleen Teschmit, Leiterin der Oschatzer Stadtgärtnerei. Stattdessen rücken sie und ihre acht Mitarbeiter den Unkräutern auf Gehwegen und Parkplätzen per Hand oder mit maschineller Unterstützung zu Leibe. Recken sich Hundeblumen, Disteln oder ähnliches auf städtischen Gehwegen in die Höhe, werden sie von den Stadtgärtnern per Hand rausgezogen. „Das geht unheimlich auf die Handgelenke“, nennt Kathleen Teschmit einen Nachteil dieser Methode. Alternativ werden die Unkräuter per Motorsense abgesenst – zum Beispiel auf den Parkplätzen in der Brüderstraße oder am Bahnhof. Die Parkplätze müssen für diesen Zeitraum abgesperrt werden. „Und dann darf wirklich kein Auto mehr dort stehen, weil die Gefahr von Steinschlag besteht“, sagt die Stadtgärtnerin.

Keine Ausnahmegenehmigungen für Eigenheimbesitzer

Dass die Behörden bei der Kontrolle des Glyphosat-Verbotes ein Auge zudrücken, darauf brauchen Eigenheimbesitzer oder Kleingartenpächter nicht hoffen. Für private Anwender von Pflanzenschutzmitteln werde es keine Ausnahmegenehmigungen geben, teilt das Landesamt mit und empfiehlt alternative Methoden: Fugenkratzer, Stahlbürste oder fester Besen. „In der Praxis bewährt haben sich auch Hochdruckreiniger oder Gasflammgeräte, wenn die befestigten Flächen auf dem Grundstück doch etwas größer ausfallen“, so Karin Bernhardt.

Bußgeld bis maximal 50 000 Euro

Der Kontrolldienst Pflanzenschutz des Landesamt werde die Einhaltung der Vorschriften stichprobenhaft überprüfen. Wer sich nicht daran hält, muss mit einem Bußgeld rechnen – im Höchstfall bis zu 50 000 Euro. Meist bewegten sich die dafür verhängten Bußgelder im niedrigen dreistelligen Bereich, teilte die Behördensprecherin auf Anfrage mit.

Von Frank Hörügel

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