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Oschatz Bauern in der Region Oschatz geht Futter fürs Vieh und Biogasanlagen aus
Region Oschatz Bauern in der Region Oschatz geht Futter fürs Vieh und Biogasanlagen aus
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06:00 18.09.2018
Mais ist in der Collm-Region nicht nur ein wichtiges Futtermittel für die Tierhalter, sonder auch ein Zuschlagstoff für die Biogasanlagen.
Mais ist in der Collm-Region nicht nur ein wichtiges Futtermittel für die Tierhalter, sonder auch ein Zuschlagstoff für die Biogasanlagen. Quelle: Foto: Sven Bartsch
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Oschatz

Die Trockenheit sorgte in diesem Jahr nicht nur bei den Landwirten mit Feld und Vieh für Engpässe oder Ernteausfälle, sondern auch bei denen, die eine Biogasanlage betreiben. Die Anlagen werden in vielen Fällen aus einer Mischung von Gülle, Mist und zu einem großen Teil aus Pflanzen-Silage betrieben.

Erhebliche Ernteausfälle

Dabei hatten und haben vor allem auch die Landwirte in Sachsen und in der Region mit erheblichen Ernteausfällen im Vergleich zu den vergangenen Jahren zu kämpfen. Schließlich waren die Niederschlagsmengen in Sachsen im Vergleich zum Vorjahr deutlicher zurückgegangen, als es im bundesdeutschen Durchschnitt der Fall war. Im Schnitt gab es in Sachsen im August dieses Jahres rund zehn Liter Niederschlag weniger pro Quadratmeter als im Durchschnitt Deutschlands. Im August fielen in Sachsen durchschnittlich 30 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, während es im gleichen Zeitraum 2017 durchschnittlich 105 Liter Niederschlag pro Quadratmeter waren.

Stefan Rauh, Geschäftsführer des Fachverbands Biogas, erklärte bereits im August, dass die Ernte „extrem unbefriedigend“ sei und befürchtete, dass „Anlagen auf Basis von Grünland massive Probleme“ bekommen werden.

Rückgang bei der Maisernte

In der Region spüren einige Betreiber von Biogasanlagen den teilweise deutlichen Rückgang beispielsweise bei der Maisernte. Martin Hühnlein betreibt die Anlage in Treptitz und erklärt, dass das Futter in diesem Jahr nicht für Vieh und Anlage gereicht habe: „Die Kühe stehen im Vordergrund und wir mussten in diesem Jahr auch ganz schön viel Futter zukaufen.“ Wenn die Reserven dann doch mal aufgebraucht gewesen seien, gebe es nur noch eine Lösung: „Wenn das Futter nicht reicht, muss die Anlage zurückgefahren werden“, so Hühnlein. Die Anlage in Treptitz hat eine elektrische Leistung von 600 Kilowatt. Mit dieser Energie werden 36 Wohnhäuser in Treptitz mit Wärme versorgt.

Futtermittel-Reserven werden knapp

Beim Landwirtschaftsbetrieb Kübler in Raitzen sieht es etwas besser aus. Hier musste noch kein Futter zugekauft werden, wie Hartwig Kübler erklärt. Der Landwirt sieht das Problem dagegen eher im nächsten Jahr: „Die Futtermittel-Reserven, die wir für ein Jahr anlegen, sind jetzt extrem knapp. Wir haben erstmal geerntet und das wird bis in das Frühjahr oder den Frühsommer reichen.“ Kübler vermutet allerdings, dass der Anschluss an die nächste Ernte nicht möglich sein werde. Deshalb wolle man in Raitzen auf Änderungen im Anbau und in der Fruchtfolge setzen, wie der Landwirt erklärt: „Da es momentan zu trocken ist, haben wir auf die Raps-Aussaat verzichtet. Stattdessen setzen wir auf Ganzpflanzen-Silage und werden im Frühjahr diese oder den Grünroggen ernten und die Zeit bis zur nächsten Ernte abdecken.“

Fast ausschließlich Gülle

Dem Betrieb der Biogasanlage in Leuben machen die geringen Niederschläge und die warmen Temperaturen in diesem Jahr keine direkten Probleme. Beim Betrieb der Anlage wird fast ausschließlich Gülle eingesetzt, wie Roland Paul von der Agrargenossenschaft Naundorf-Niedergoseln beschreibt: „Generell ist unsere Biogasanlage eine Anlage, die nur Gülle verstromt. Was wir anbauen und ernten geht erst in die Fütterung.“ Dabei erklärt Paul auch, dass die Zuschlagstoffe, die für die Biogasanlage noch notwendig seien, nicht schwer ins Gewicht fallen würden.

In Sachsen sind laut der Sächsischen Energieagentur über 300 Biogasanlagen am Netz. Dadurch können über 300 000 Haushalte mit Elektroenergie auf Basis von Biogas versorgt werden.

Von Dominik Ferl