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Oschatz „Bei aller Kritik an Russland, es muss gesprochen werden“
Region Oschatz „Bei aller Kritik an Russland, es muss gesprochen werden“
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10:01 12.06.2019
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat Wladimir Putin am Rande des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg getroffen. Quelle: dpa
Nordsachsen

Michael Kretschmer (CDU) steht nach seinem Treffen mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin im Kreuzfeuer der Kritik. Sachsens Ministerpräsident hatte sich für ein Ende der Russland-Sanktionen ausgesprochen und Putin nach Sachsen eingeladen. Kretschmer hatte Putin auf dem internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg getroffen.

Drei Millionen Euro Umsatz

Das Unternehmen Taucha Krane hat seinen Sitz in Jesewitz. Nach der politischen Wende konnte das Produktportfolio unter der Firmierung Mechanik Taucha Fördertechnik GmbH ständig ausgebaut werden. Heute arbeiten 60 Mitarbeiter für das Unternehmen. In Spitzenzeiten waren es 82. Im Zeitraum von 2010 bis 2015 wuchs das Russlandgeschäft von 250 000 auf drei Millionen Euro. Nach den Sanktionen brach es aber völlig zusammen, mussten Mitarbeiter entlassen werden.

Gut und richtig, was Kretschmer macht

Geschäftsführer Olaf Brauer (60), begrüßt deshalb den Kretschmer-Vorstoß. „Ich finde das gut und richtig. Auch wirtschaftliche Beziehungen tragen zum friedlichen Miteinander bei. Kretschmer versucht, die Wirtschaft voranzubringen und das kann nur gut sein. Ja, er soll sich mit Putin treffen, ihn auch einladen und genau auf diesem Weg weitermachen. Denn damit bewegt er sich auf wirtschaftliche Zusammenarbeit hin. Und die brauchen wir“, sagte der 60-Jährige.

Schwieriges Russland-Geschäft

Das Russlandgeschäft sei inzwischen sehr schwierig. Alles, was im Land produziert werden kann, produzieren die Russen selber. Der Wechselkurs ist auf 1:70 hochgeschnellt. Die Banken in Russland fordern horrende Zinsen. „Das alles macht Geschäfte faktisch unmöglich und lässt die Sanktionen fast schon vergessen. Es geht nur mit Putin, darum handelt unser Ministerpräsident richtig“, so Brauer weiter.

Czupalla steht hinter Kretschmer

Auch Nordsachsens Landrat a. D. Michael Czupalla (CDU) begrüßt dieses und weitere Treffen von Kretschmer und Putin. Der Delitzscher verstehe die Diskussionen nicht und schon gar nicht, wer sie anheizt. „Ich begrüße das ausdrücklich. Was Kretschmer macht, ist mehr als richtig. Bei aller Kritik an Russland, es muss gesprochen werden. Und das ist mehr als notwendig. Wir brauchen Russland für die Menschen, die Wirtschaft und den Frieden. Ohne eine Linie ParisBerlinMoskau wird es kein gesichertes und starkes Europa geben. Diese Diskussionen über ihn spalten Deutschland. Für mich sind diese Gespräche für Frieden und Demokratie wichtiger als Klima und Diesel“, sagte der 68-Jährige.

Elektrobau Oschatz hat weltweite Absatzmärkte

Die Elektrobau Oschatz produziert Beleuchtungselektronik und hat über den Mutterkonzert Lighting Solutions auch weltweite Absatzmärkte – auch in Russland. „Ich schätze den Anteil auf drei bis vier Prozent“, sagt Michael Kromer, Geschäftsführer der Elektrobau Oschatz. Hin und wieder klingelt bei ihm in Oschatz das Telefon und der Vertreter eines russischen Endkunden fragt nach Details einzelner Produkte. Die aber stünden seines Wissen nach gar nicht auf der EU-Embargo-Liste kriegsrelevanter Güter. (https://www.stuttgart.ihk24.de/blob/sihk24/Fuer-Unternehmen/international/downloads/664920/ce5d0ff31953deebba0d7c4a861882df/Russlandembargo_Pruefschema_Gueterlieferungen-data.pdf).

„Es wäre schaden, wenn sich die CDU zerfleischt“

Der Vertrieb liege ohnehin in der Hand des Mutterkonzerns in Baden-Württemberg. „So haben wir von den Maßnahmen ohnehin nicht so viel mitbekommen“, so der Oschatzer Geschäftsmann. Die Diskussion, die Sachsens Ministerpräsident Michael Kretzschmer mit seiner Forderung nach einem Ende der wirtschaftlichen Strafen gegen Russland losgetreten hat, ist aber selbstverständlich auch an ihm nicht vorbeigegangen: „Man muss trennen zwischen Politik und Wirtschaft. Ich als Geschäftsmann möchte keine Einschätzung zu politischen Entscheidungen geben“, quittiert er vorsichtig. „Es wäre nur schade, wenn die CDU sich nun wieder beginnt selbst zu zerfleischen.“

Von Frank Pfütze

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