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Oschatz Brot und Brötchen sind die Renner im „Zwiebelchen“
Region Oschatz Brot und Brötchen sind die Renner im „Zwiebelchen“
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07:00 07.05.2019
Evi Kohl (l.)gehört zu den Ganzigerinnen, die fast täglich im „Zwiebelchen“ bei Heike Groß einkaufen. Quelle: Foto: Axel Kaminski
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Ganzig

Knapp 250 Einwohner hat der zur Gemeinde Liebschützberg gehörende Ort. Neun Mal am Tag fährt ein Bus nach Oschatz, davon drei Mal über Lonnewitz. Sechs Mal kann man nach Hof und einmal nach Schönnewitz fahren – vorausgesetzt, es ist Wochentag und Schulzeit. Es gibt einen Holzhandel, einen aktiven Heimat-, den Sportverein sowie den Jugendklub sowie Kirchgemeinde – und eine Verkaufsstelle, das „Zwiebelchen“.

Hinter dieser Fassade verbirgt sich das „Zwiebelchen“. Quelle: Axel Kaminski

Hier bedient seit 14 Jahren Heike Groß ihre Kundschaft. Einst arbeitete sie im Glasseidenwerk Oschatz, später sammelte sie einige Erfahrungen im Handel. „Ich habe zunächst im Mini-Laden der Familie Schneider hier in Ganzig gearbeitet und dann in der Filiale von Bäcker Simon“, erzählt sie.

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Die Gröbaer Bäckerei schloss zwar ihre Außenstelle hier, ihre Produkte sind in Ganzig aber nach wie vor beliebt. Deshalb lässt sich Heike Groß auch weiterhin von Ralph Simon beliefern. „Besonders am Wochenende sind Brot und Brötchen hier gut nachgefragt – auch von den jüngeren Ganzigern“, berichtet sie . Montags hingegen verzichte sie darauf, im „ZwiebelchenBackwaren anzubieten. Wer größere Mengen benötige, sollte sie lieber vorbestellen, ebenso wie Torten oder Kuchen. Da sie nicht auf Kommissionsbasis sondern ausschließlich mit eigenem Risiko verkaufe, könne sie es sich nicht auf Dauer leisten, mehr einzukaufen als verkaufen. „Ein ’Notbrot’ liegt aber fast immer im Regal“, betont die 52-Jährige.

Strenge Vorschriften

Mit Blick auf die strengen Hygieneanforderungen hatte sich Heike Groß früh entschieden, weder Fleisch- noch Wurstwaren ins Sortiment ihres Geschäftes aufzunehmen. Ansonsten gibt es im „Zwiebelchen“ eine Auswahl, mit der man seinen Alltag bewältigen kann: von Mehl und Zucker über Kaffee bis hin zu Getränken sowie eine kleine Frischetheke mit Käse und anderen Milchprodukten.

Im "Zwiebelchen" bietet Heike Groß den Ganzigern an, was man für den täglichen Bedarf benötigt. Quelle: Axel Kaminski

„Was nicht ständig da ist, wird bestellt“, betont Heike Groß. Wer seinen Einkaufszettel zwei Tage vorher zu ihr bringt, wird dann im Geschäft auch das Gewünschte vorfinden. Ansonsten ist die Kenntnis ihrer Kunden das Kapital von Heike Groß. Nach 14 Jahren weiß sie mittlerweile, was „ihre“ Ganziger brauchen. Tatsächlich komme die Kundschaft ausschließlich aus dem Ort. Und spart sich damit Wege. „Wenn ich in Ganzig wohnen würde und einen Kasten Bier bräuchte, dann würde ich ihn hier kaufen und nicht wegen zwei Euro Ersparnis nach Oschatz fahren“, argumentiert Volker Groß, der gerade die Einkäufe ins „Zwiebelchen“ trägt.

Einkaufen auf dem Arbeitsweg

Tatsächlich sind nicht alle Ganziger Kunden im Mittelweg 11. „Viele arbeiten auswärts und versorgen sich dort“, weiß Heike Groß. Sie und ihr Mann halten es ähnlich. Heike Groß arbeitet über den Mittag stundenweise in der Essensausgabe einer Riesaer Oberschule. Ihr Mann erledigt vor oder nach der Arbeit im Riesaer Elbe-Drahtwerk die Einkäufe – für das Ganziger Geschäft.

Abgesehen von der Größe, der Breite des Sortiments und der überschaubaren Zahl der potenziellen Kunden funktioniert das „Zwiebelchen“ genauso wie ein großer Supermarkt. Als selbstständige Händlerin muss Heike Groß die Kosten für die Sozialversicherung selbst tragen.

Das "Zwiebelchen" versorgt die Ganziger mit den nötigen Produkten. Quelle: Axel Kaminski

„Das Finanzamt war auch schon da und hat mich geprüft“, erzählt sie. Bevor die Kassen Pflicht wurden, bei denen alle Umsätze elektronisch gespeichert werden und die Mehrwertsteuer automatisch ausgewiesen wird, habe man sie darauf hingewiesen und gemeint, dass sie sich das wohl nicht leisten könnte. Musste sie aber, um weiterzumachen und sie schaffte das auch.. „Zwischendurch habe ich mehrmals gedacht, dass ich das Geschäft zumachen muss“, gibt Heike Groß unumwunden zu.

Immer auf der Suche nach Angeboten

Überlebenswichtig ist, auf Angebote zu achten. Nicht immer sei der Einkauf im Großmarkt der günstigste. Werbeprospekte lesen ist an den Wochenenden Pflicht bei Familie Groß. Man dürfe auch nicht vergessen, dass man auf dem Dorf wohnt. Viele beziehen hier Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten – daher müsse man nicht die Regale damit füllen.

Regale erhalten wieder Verwendung

Apropos Regale: Die stammen aus dem alten Lebensmittelgeschäft. „Regale und Ladentheke haben wir der Gemeinde abgekauft. Ansonsten wäre das alles auf dem Sperrmüll gelandet“, erklärt Heike Groß. Im Raum, der früher schon einmal den Ganziger Konsum beherbergte und noch früher eine Tischlerei, habe man zur Geschäftseröffnung den Fußboden und die Decke erneuert und die Wände frisch gestrichen.

Auch junge Leute kaufen hier ein

„Ich kann hier von zuhause aus arbeiten und mache das beste draus“, betont Heike Groß mit Blick darauf, dass es am Mittelweg keinen riesigen Kundenparkplatz gibt und diesen niemand vermisst. Tatsächlich mache es sich auch im „Zwiebelchen“ positiv bemerkbar, dass es wieder ein paar junge Leute mehr in Ganzig gibt. Dort kaufen eben – entgegen anderslautender Klischees – nicht nur ältere Leute ein.

Von Axel Kaminski