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Oschatz Calbitzerin Sandra Mende züchtet Wasserdrachen
Region Oschatz Calbitzerin Sandra Mende züchtet Wasserdrachen
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16:00 15.03.2019
Ohnezahn und Maggy – die Calbitzer Wasserdrachen. Quelle: privat
Calbitz

Ganz unschuldig schaut die blassrosa gefärbte „Maggy“ mit ihren schwarzen Knopfaugen durch die dicke Glaswand des Aquariums nach außen. Ihr dunkelbraun gefärbter Lebensgefährte „Ohnezahn“ lugt aus seiner Unterwasserhöhle hervor. In solchen Momenten ist sich Sandra Mende (38) aus Calbitz (Gemeinde Wermsdorf) sicher: „Meine Wasserdrachen gebe ich nicht mehr her.“

Sandra Mende züchtet Wasserdrachen in Calbitz. Quelle: Frank Hörügel

Die Schwanzlurche werden wegen ihres eigentümlichen Aussehens Wasserdrachen oder auch Wassermonster genannt. Richtig heißen die Tiere Axolotl. Sie stammen ursprünglich aus Mexiko, sind aber mittlerweile vom Aussterben bedroht. Die beiden Seen nahe der Stadt Mexico City, wo die Wasserdrachen herkommen, sind stark verschmutzt. Ohne Aquarianer wie Sandra Mende wären die possierlichen Tiere wohl bereits ausgestorben.

Das alles wusste die Calbitzerin nicht, als sie vor vier Jahren zufällig in einem Aquarium des RHG-Marktes in Oschatz ein blutjunges Axolotl-Pärchen entdeckte. „Die fand ich total putzig“, erinnert sie sich an ihre erste Begegnung mit den Wasserdrachen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die junge Frau, die als Selbstständige in der Telekommunikationsbranche arbeitet, bereits Erfahrungen mit der Haltung von Wassertieren gesammelt. Ihr Vater hatte ihr die Aquarien nahegebracht. Sandra Mende hielt Zierfische. Doch nachdem ihr zweiter Sohn Luke geboren war, fehlte ihr die Zeit für die aufwendige Pflege der Zierfische. Da kam das Axolotl-Pärchen gerade recht.

Die Wasserdrachen sind genügsam, bevorzugen ein ungeheiztes Aquarium mit einer Wassertemperatur von maximal 20 Grad Celsius. Ein paar grüne Wasserpest-Pflanzen, Kies am Boden und Aststücke, unter denen sie sich verkriechen können – schon sind die kleinen Monster zufriedengestellt.

Ohnezahn, der männliche Wasserdrachen in Calbitz. Quelle: Frank Hörügel

Auf den ersten Blick ähneln die Axolotl den Kaulquappen. Das sind die Larven, aus denen sich später Frösche entwickeln. Im Gegensatz zu den Kaulquappen verharren die Axolotl jedoch ihr Leben lang im Larvenstadium. Oder anders gesagt: Aus ihnen wird nie ein großer Drache. Den Axolotl fehlt ein bestimmtes Schilddrüsenhormon zum Sprung aus dem Larvenstadium. Hätten sie dieses Hormon, würden sie sich zu Landsalamandern weiterentwickeln.

Das werden die mittlerweile 23 Zentimeter lange „Maggy“ und der 28 Zentimeter lange „Ohnezahn“ nicht erleben. „So haben meine Jungs die Wasserdrachen genannt“, erklärt Sandra Mende. Das männliche Tier heißt „Ohnezahn“ nach dem gezähmten Reitdrachen der menschlichen Hauptfigur aus dem Kinofilm „Drachenzähmen leicht gemacht“ und besitzt die gewöhnliche Wildfärbung der Tiere – braun marmoriert. „Maggy“ ist dagegen ein Zuchtergebnis – ein sogenannter leuzistischer Axolotl: Ihre Grundfärbung ist wie bei Albinos, ihre Augen sind jedoch schwarz. Ihre Ohren schmücken rosafarbene Puscheln.

Zahnlose Wassermonster

Zum Glück sind „Ohnezahn“ und „Maggy“ tatsächlich zahnlose Wassermonster. Denn wenn Sandra Mende ihre Lieblinge füttert, dann schnappen die Monster schon mal nach ihren Fingern. „Da passiert nichts. Aber man bekommt jedes Mal einen Schreck, wenn sie plötzlich zuschnappen“, sagt die 38-Jährige. Wenn sie nicht gerade Hunger haben, könne man die Wasserdrachen auch mal streicheln. „Das fühlt sich an wie ein Frosch. Der Kontakt ist viel intensiver als zu Zierfischen.“

Der Wasserdrachen-Nachwuchs in Calbitz Quelle: privat

Für „Maggy“ hatten die Bisse ihres Lebenspartners „Ohnezahn“ dagegen weiterreichende Konsequenzen. „Ihr fehlten schon mal das linke und auch das rechte Vorderbein“, erinnert sich die Tierbesitzerin. Sie vermutet, dass „Ohnezahn“ seiner Gefährtin beim Wühlen im Futter versehentlich die rosafarbenen Beinchen abgezwackt hat. Für „Maggy“ war das jedoch im wahrsten Sinne des Wortes kein Beinbruch. Denn Axolotl besitzen eine Eigenschaft, auf die Menschen neidisch sein können. Die Wasserdrachen können verloren gegangene Gliedmaßen und Organe vollständig regenerieren. Die abgezwackten Beinchen von „Maggy“ sind inzwischen wieder vollständig nachgewachsen. An den Verlust ihrer Gliedmaßen erinnert nur noch, dass das eine Beinchen kürzer als das andere nachgewachsen ist.

Tiere regenerieren sich

Bei solchen Verletzungen kann sich Sandra Mende den Gang zum Tierarzt sparen. Sie füllt einen Eimer mit einer Salzlake und setzt das verletzte Axolotl aus dem Aquarium um. „Eine Woche in dem Eimer – und das Tier hat sich wieder regeneriert.“

Gefüttert werden die Wasserdrachen in der warmen Jahreszeit mit Kellerasseln, Mückenlarven oder Regenwürmern. „Meine Söhne haben kaum Interesse für Aquarien. Doch wenn ich sage: Kommt, wir gehen in den Garten Regenwürmer fangen, dann sind sie dabei. Damit kann man kleine Kinder gut beschäftigen“, weiß die Mutter von Leon (12) und Luke (4). Im Winter müssen sich die Wasserdrachen mit Trockenfutter begnügen.

Im vergangenen Jahr hat sich Sandra Mende das erste Mal als Axolotl-Züchterin ausprobiert. Als „Maggy“ die erste Charge ihrer Eier an den Wasserpflanzen ablegte, entnahm die Calbitzerin ein paar Eier. Doch das war falsch. Die ersten Eier taugen nicht für die Zucht. „Das war ein Anfängerfehler“, gibt sie zu. Nach der langen Ruhepause über den Winter sind die Eier nicht vollständig entwickelt. Sie müssen innen richtig schwarz sein – das waren sie aber nicht.

56 kleine Flusen im Becken

In diesem Jahr hat es die Wasserdrachen-Züchterin besser gemacht. „Wenn die Sonne eher aufgeht, dann merken die Tiere, dass Frühling wird“, sagt Sandra Mende. Den ersten Schwung Eier Mitte Februar ignorierte sie einfach und wartete ab. Knapp drei Wochen später kam die zweite Ladung. „Jetzt habe ich 56 kleine Flusen.“ So nennt die Calbitzerin die frisch geschlüpften Wasserdrachen, die separat in Wasserschüsseln schwimmen. Gefüttert werden die Mini-Drachen mit Artemia – Urzeitkrebsen, die Sandra Mende übers Internet bestellt. Zuerst hat sie versucht, die kleinen Axolotl mit kleinen Wasserflöhen zu füttern. Doch der Versuch schlug fehl. „Da sind die überhaupt nicht rangegangen.“

Nachwuchs wächst heran

Doch jetzt wachsen die Mini-Wasserdrachen prächtig heran. Den Nachwuchs gibt Sandra Mende an Bekannte und Freunde ab. Ob es sich dabei um Männchen oder Weibchen handelt, ob aus den kleinen Wasserdrachen mal wildfarbene Tiere wie Vater „Ohnezahn“ oder albinoähnliche Monster wie Mutter „Maggy“ werden, ist derzeit noch nicht absehbar. „Das Geschlecht ist erst ab einem Alter von neun Monaten erkennbar, dann haben sich auch die Farbschläge entwickelt“, weiß Sandra Mende. Wer sich für einen Wasserdrachen als Haustier entscheidet, hat unter günstigen Umständen lange Freude an den Wasserdrachen. Die Tiere können bis zu 20 Jahre alt werden.

Kontakt: 015110618840

Von frank Hörügel

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