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Oschatz Cannabis in der Medizin: Kein Tabu bei Oschatzer Krebspatienten
Region Oschatz Cannabis in der Medizin: Kein Tabu bei Oschatzer Krebspatienten
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16:10 20.02.2019
Hanfpflanzen sind auf den Feldern der Collm-Region immer häufiger anzutreffen. Quelle: Foto: dpa
Oschatz

Im nussbraun getäfelten Tagungsraum des Oschatzer Landratsamtes sitzt eine Runde älterer Herren. Es sind die Mitglieder der Oschatzer Selbsthilfegruppe „Prostatakrebs“ und ihre Partnerinnen. Sie sind gespannt. „Michael Trotz von unserer Selbsthilfegruppe hat heute eine ganz besondere Referentin eingeladen. Diplom-Medizinerin Annette Buhmann aus Dresden wird uns alles Wissenswerte über die Hanfpflanze erzählen“, sagt der Vorsitzende der Selbsthilfegruppe Gerhard Oehmichen.

Medizinerin aus Dresden referiert in Oschatz

Die Medizinerin aus Dresden, ohne Berührungsängste zur Hanfpflanze hat sich in den vergangenen Jahren eingehend mit der Pflanze beschäftigt. Neben der Historie und der wirtschaftlichen Seite hat sie vor allen Dingen die pharmazeutischen Eigenschaften von Cannabis im Blick. „Ja, klar alle Leute kennen Hanf als Droge, wegen ihres hohen und wirksamen THC-Gehalts“, sagt Annette Buhmann. Dabei hat die Pflanze noch viele weitere Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen zu bieten, die vielen Konsumenten unbekannt sind, aber für Krebspatienten, wie bei der Oschatzer Selbsthilfegruppe durchaus Hoffnung auf Linderung verschaffen.

Hanfernte bei Stauchitz. Quelle: Sven Bartsch

In ihrem Fokus stehen vor allem die Stoffe CBN (Cannabinol), welches entkrampft und den Puls senkt sowie CBD (Cannabidiol), welches als Gegenspieler des THC wirkt, Ängste löst und Schmerz lindert. „Sowohl in der Anwendung innerhalb der Schmerztherapie bei Krebspatienten, als auch in der Bekämpfung von Tumoren ist die Nutzung von Cannabis ein interessanter und für uns Betroffene ein hilfreicher möglicher medizinischer Ansatz“, betonen die Mitglieder der Oschatzer Selbsthilfegruppe Michael Trotz und Hans-Uwe Spethmann.

In der Patientenrunde tauschen die Mitglieder der Selbsthilfegruppe ihre persönlichen Erfahrungen aus, um über den üblichen Weg an entsprechende medizinische Produkte zu kommen. Doch das Fazit steht im Raum: Es gibt fast keine ärztlichen Verschreibungen, zu hoch wird der bürokratische Aufwand eingeschätzt, um an verschreibungspflichtige Medikamente zu gelangen. Dabei ist Annette Buhmann davon überzeugt, dass Cannabis einen wichtigen Beitrag bei der Krebs- oder Schmerztherapie leisten kann. Die Medizinerin aus Dresden zeichnete den Mitgliedern des Selbsthilfegruppe auch die Grenze zwischen legaler und illegaler Verwendung auf. Sie verwies auch zahlreiche Hanfpräparate, die auch als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich sind. „Für mich war dieser Vortrag sehr interessant und hat mich ermutigt, mich näher mit dem Thema zu beschäftigen“, sagt Gerhard Oehmichen.

Hanfanbau in der Collm-Region

Interessant dürfte dabei auch sein, dass der Hanfanbau für die medizinische Verwendung in der näheren Umgebung schon keine Seltenheit ist. Auf rund 165 Hektar Flächen in Limmritz, Gadewitz, Saalbach sowie zwischen Hof und Reitzen, unweit von Stauchitz, hatte der Littdorfer Landwirt Heinz-Friedrich Schönleber acht verschiedene Sorten Hanf angebaut. Das Unternehmen Maricann hat den Anbauversuch in der Region angeschoben. In Ebersbach bei Moritzburg wurde ein ehemaliger Schlachthof zu einem Verarbeitungsbetrieb umgebaut. Hier wird das Cannabidiol aus der Pflanze zu Medizin und Nahrungsergänzungsprodukten weiter verarbeitet.

Auch der Bio-Landwirt Volkmar Herbst aus Ablaß baute im vergangenen Jahr auf seinen Feldern Hanf an, um die Samen zu gewinnen. Aus diesen lässt er Hanföl pressen. Das Hanföl ist frei verkäuflich und enthält sehr viele Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren und Tausende andere wirksame Stoffe.

Von Hagen Rösner

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