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Oschatz Cavertitzer Gemeinderäte gegen geplante Landfunkstellen
Region Oschatz Cavertitzer Gemeinderäte gegen geplante Landfunkstellen
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12:30 19.06.2018
Wie bei der Großübung im November hat Gemeindewehrleiter Hans-Günther Hesse die Wehren vom Einsatzfahrzeug aus koordiniert.
Wie bei der Großübung im November hat Gemeindewehrleiter Hans-Günther Hesse die Wehren vom Einsatzfahrzeug aus koordiniert. Quelle: Jana Brechlin
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Cavertitz

Die Gemeinde Cavertitz steht der Einführung ortsfester Landfunkstellen, die bei Großschadensereignissen die Koordination der Einsatzkräfte übernehmen sollen, kritisch gegenüber und drängt vor allem auf eine finanzielle Klärung. Das wurde zur Ratssitzung am Montag deutlich, als Bürgermeisterin Christiane Gürth (parteilos) vom Besuch der Bürgermeister in der zentralen Leitstelle Leipzig berichtete, bei dem über die künftige Organisation der Rettungskräfte gesprochen wurde.

Fragen zu Personal und Finanzen noch ungeklärt

„Ortsfeste Landfunkstellen werden favorisiert“, hatte Gürth dort erfahren. Diese sollen jeweils in einem extra Raum eingerichtet und mit entsprechender Technik ausgestattet werden. Für die Dienste dabei sind Vertreter der Feuerwehren vorgesehen. Angedacht sei, dass Dahlen und Cavertitz gemeinsam eine solche Landfunkstelle besetzen. „Ich habe deutlich gemacht, dass ich es nicht gut heißen kann, wenn die Arbeit dann wieder auf die Schultern der ehrenamtlichen Feuerwehrleute verteilt wird“, berichtete die Bürgermeisterin. Sie wolle vor allem finanzielle und personelle Fragen geklärt wissen: „Wer zahlt die Ausstattung und Unterhaltung?“ sei eine davon. Außerdem könnten die Cavertitzer Wehren keine Führungskräfte dafür abstellen. „Die Leute werden im Ernstfall hier gebraucht“, betonte Christiane Gürth.

Leitstelle bei Großeinsätzen überfordert

Die Landfunkstellen sollen bei Großereignissen zum Einsatz kommen, da in diesen Fällen – etwa bei den letzten Stürmen „Herwart“ und „Friederike“ – die Leitstelle mit der Vielzahl eingehender Notrufe überfordert war und die Organisation der Hilfeleistung an die Wehren zurückdelegiert hatte. Weil die Leitstelle in so einem Fall nicht mit allen Kommunen einzeln kommunizieren wolle, sollen Landfunkstellen für mehrere Gemeinden zusammen gebildet werden. „Bei ’Friederike’ haben wir unsere Einsätze über den Leitwagen koordiniert, das hat gut geklappt und das werden wir auch weiter so machen“, unterstrich die Cavertitzer Bürgermeisterin. „Wir haben als Kommune auch schon während des Hochwassers bewiesen, dass das gut funktioniert“, sagte sie.

Räte gegen Kostenübernahme durch Gemeinde

Für Unmut sorgten die Pläne zu den festen Landfunkstellen auch bei den Gemeinderäten. „Die Feuerwehren in Nordsachsen haben es immer wieder angeprangert, dass von Leipzig aus nicht richtig koordiniert werden kann“, erinnerte Mario Röder (SPD). Erst habe man die Leitstelle in Delitzsch abgebaut und in Leipzig zentralisiert, jetzt werde wieder zurückgerudert, fügte er hinzu.

„Das Problem ist, dass keiner zugibt, dass die ganze Planung nach hinten losgegangen ist“, schloss sich Volker Döring (CDU) an und fügte hinzu: „Und weil das alles nicht klappt, sollen die Freiwilligen auf dem Land das wieder aufbauen.“

Auch Mathias Miene (FDP) forderte, die Gemeinde Cavertitz solle sich dagegen wehren, Kosten für die Infrastruktur der Landfunkstellen zu übernehmen. „Hier sollen Räumlichkeiten und Technik vorgehalten werden für ein Schadensereignis, das irgendwann eintritt.“ Man werde weiter diskutieren müssen, kündigte Bürgermeisterin Christiane Gürth an.

Cavertitz setzt auf Einsatzleitung vor Ort und Helfer mit Ortskenntnis

Bis eine Entscheidung fällt, setzt Cavertitz weiter darauf, im Ernstfall bei Großeinsätzen die Ehrenamtlichen von einem Fahrzeug aus zu koordinieren. Das ist dann vor Ort oder zumindest sehr nahe am Geschehen und mit einem Feuerwehrmann besetzt, der sich in der Kommune auskennt. „Die Ortskenntnis ist sehr wichtig“, unterstrich Christiane Gürth. Das sei auch nicht in jedem Fall gewährleistet, wenn Landfunkstellen für mehrere Kommunen gebildet werden sollen, dann dort aber ein Freiwilliger Dienst tue, der sich in der jeweils anderen Stadt oder Gemeinde nicht gut auskenne.

Von Jana Brechlin