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Oschatz Dahlener Heide attraktiver machen: Konzept setzt auf Qualitätswanderwege
Region Oschatz Dahlener Heide attraktiver machen: Konzept setzt auf Qualitätswanderwege
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20:03 10.12.2019
Christiane Gürth, Bürgermeisterin der Gemeinde Cavertitz. Quelle: SPD
Dahlener Heide

Christiane Gürth, (parteilos), Bürgermeisterin der Gemeinde Cavertitz, informierte die Räte kürzlich darüber, dass den Anliegerkommunen eine Studie zu den Entwicklungsmöglichkeiten der Dahlener Heide vorgestellt wurde. Die Oschatzer Allgemeine fragte nach den Inhalten.

Verkürzte Öffnungszeiten in der Gastronomie oder gar die Schließung von Häusern – war dieser Abwärtstrend bei den Angeboten in der Heide der Auslöser dafür, ein Entwicklungskonzept in Auftrag zu geben?

Christiane Gürth: Ja. Aber wir Anliegerkommunen reagieren damit nicht erst jetzt auf die Ereignisse der letzten Monate. Bereits 2016 gab es im Kompetenzzentrum Holz in Dahlen eine Beratung mit den Kommunen und den Akteuren aus Gastronomie und Hotellerie. Deren Resonanz auf die Einladung war zwar überschaubar, aber ihr Signal deutlich. Sie forderten, dass zunächst die Kommunen ihre Hausaufgaben erledigen. Mit dem Erarbeiten des Konzeptes ist ein erster wichtiger Schritt dazu getan.

Wer hat das Konzept in Auftrag gegeben?

Das waren tatsächlich die Städte Dahlen, Belgern-Schildau und die Gemeinde Cavertitz. Ohne die Unterstützung durch die Wirtschaftsförderung des Landratsamtes sowie die Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM), die die Fördermittel für das Konzept beantragt und die Leistungen ausgeschrieben hat, wäre der Weg meiner Meinung nach deutlich beschwerlicher zu gehen gewesen. Da wir uns im Landschaftsschutzgebiet befinden, haben wir auch den Sachsenforst mit ins Boot geholt. Den Zuschlag hat das Büro „Quartier 4“ aus Leipzig erhalten.

Was schlagen die Leipziger vor, damit die Dahlener Heide wieder attraktiver wird?

Ich muss zugeben, dass die Lektüre zunächst nicht ganz einfach war, da englische Fachbegriffe darin einen breiten Raum einnahmen. Diese seien wichtig, um jüngere Zielgruppen anzulocken. Es gab jedoch eine Überarbeitung mit etwas mehr Deutsch, da wir ja breite Altersgruppen im Visier haben. Das Hauptaugenmerk wird zunächst darauf liegen, Tagestouristen, Ausflüglern hier ein Erlebnis zu bieten, dass sie zu weiteren Besuchen, dann vielleicht auch mit Übernachtung, bewegt.

Was muss passieren, damit die Heide diese Faszination ausstrahlt?

Wichtige Voraussetzungen dafür, das bestätigten uns die zunächst außenstehenden Planer, sind bereits gegeben. Dazu gehören das abwechslungsreiche Landschaftsbild sowie das Vorhandensein von Attraktionen. Diese müssten kein Spektakel bieten, aber lohnenswerte Ziele sein, wie der Schilbergturm, die Jägereiche oder die Feuerwehrhistorische Sammlung in Schmannewitz. Das Konzept rät uns, auf Qualitätswanderwege zu setzen. Diese sollen naturbelassen sein – eine Voraussetzung, die bei uns fast durchweg gegeben ist.

Aber allein mit einem neuen Etikett ist es noch nicht getan, oder?

Nein. Zu Qualitätswanderwegen gehört eine Ausschilderung, die diesem Attribut genügt. Da gibt es noch eine Menge Arbeit. Das Konzept sieht mehrere Rundwege durch die Heide vor, darunter einen Hauptwanderweg mit zirka 30 Kilometer Länge. Mit dem Konzept liegt für mehrere dieser Wege schon eine exakte Beschreibung, einschließlich der Gehzeiten und der Schwierigkeitsgrade vor, also Fakten, mit denen man für diese Wege werben kann. Im Gespräch ist außer den Rundwegen auch ein Streckenwanderweg von Torgau nach Dahlen oder umgekehrt. Um noch einmal auf das „Etikett“ zu kommen: Man hat uns dringend empfohlen, das Image der Dahlener Heide zu modernisieren und konsequent die Sehenswürdigkeiten herauszustellen und sie in die Wege einzubeziehen.

Das klingt jetzt nach neuen Schildern und neuen Handzetteln. Reicht das aus, um die Leipziger vom Neuseenland weg wieder in die Heide zu locken?

Ob wir nur Leipziger locken und sie von etwas abbringen müssen oder alle zum Entdecken einladen, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass wir nicht die Sächsische Schweiz sind und auch nicht werden. Aber wir haben andere Stärken. Eine neue Beschilderung ist aus meiner Sicht der erste, aber ganz wichtige Schritt, um attraktiver zu werden. Und obwohl wir nicht viel Geld in den Wegebau stecken müssten, verlangt ein Qualitätswanderweg ein hohes Maß an kontinuierlicher Pflege und Engagement bei der Vermarktung. Das Konzept schlägt Sport- und Spielgeräte am Wegesrand vor, was angesichts des Vandalismus und der Haftungsfragen genauer zu betrachten sein wird. Spannend finde ich auch die Idee von Biwakhütten für Wanderer, die naturnah übernachten möchten. Aber das sind nicht die ersten Schritte, die zu gehen sind.

Was sind die nächsten Schritte und wie werden sie finanziert?

Tatsächlich ist die Ausschilderung das A und O. Dabei sollen der Bahnhof Dahlen oder der Parkplatz an unserem Verwaltungssitz in Schöna als Wanderparkplatz und damit Punkt für den Einstieg in die Rundwege etabliert werden und von hier aus die Ausschilderung erfolgen. Zunächst wollen wir uns aber mit den Leistungsträgern im Tourismus an einen Tisch setzen und diskutieren, wie wir die Vorschläge aus dem Konzept umsetzen. Das passiert noch in dieser Woche. Die Finanzierung läuft so, dass die Kommunen bezahlen, was auf ihrem Territorium passiert. Die Gemeinde Cavertitz hat zunächst 8500 Euro als Eigenmittel im Haushalt eingestellt. Wir hoffen natürlich, diese Summe mit Fördermitteln aufstocken zu können.

Wann werden die Wanderer die neuen Wegweiser in der Heide sehen?

Mit solchen Prognosen bin ich sehr vorsichtig. Das hängt auch stark davon ab, wie kompliziert Fördermittelanträge sind und wie schnell sie entschieden werden. Mit etwas Optimismus sollte aber 2021 schon eine deutliche Verbesserung sichtbar sein.

Von Axel Kaminski

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