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Oschatz Die Pfotenabdrücke deiner Seelengefährten
Region Oschatz Die Pfotenabdrücke deiner Seelengefährten
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15:39 16.05.2019
Yvonne Weihrich weiß, wie sie das perfekte Bild von den Seelengefährten einfängt. Quelle: Kristin Engel
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Oschatz

Ihre Models befinden sich inmitten der Kirschblüten, sie posieren zwischen Ruinen und lassen ihre Köpfe auf großen orangefarbenen Kürbissen ruhen. Mit Begeisterung verfolge ich schon länger die Fotografien von Yvonne Weihrich. Was mich daran so fasziniert? Na klar: Sie fotografiert Tiere und veröffentlicht die Bilder auf diversen Internetplattformen unter Soulmate’s Pawprints – die Pfotenabdrücke deiner Seelengefährten.

Perfektes Foto-Wetter

Und als sie auf Facebook nach Teilnehmern für ein Foto-Shooting in Oschatz am Wüsten Schloss fragte, zögerte ich nicht lange. Als ich – mit meiner Hündin Snoopy im Gepäck – an einem Samstag früh um 7 Uhr nach Oschatz fuhr, befürchtete ich Schlimmes. Der Himmel war bedeckt. Ob die Sonne sich heute noch zeigen würde, wagte ich zu bezweifeln. „Das Wetter ist perfekt“, erklärte mir aber Yvonne Weihrich. „Das ist auch der Grund, warum wir mit dem Shooting so zeitig starten. Die Sonne kann man später hinzufügen. Mit Sonne sind die Bilder meistens überbelichtet und Schatten stören den Gesamteindruck“, erklärt die 29-Jährige.

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Einer der Seelengefährten ist Tierschutzhündin Bella. Quelle: Yvonne Weihrich Soulmate's Pawprints

Seit dem 1. Januar dieses Jahres ist sie nebenberuflich als Fotografin tätig. Schon vorher versuchte sie sich bei diversen Shootings mit Freunden, Bekannten und Verwandten. Ihr eigentliches Interesse an der Fotografie kam zusammen mit ihrer Hündin Lucy, die vor drei Jahren bei ihr einzog. Um die Entwicklung ihrer Hündin festzuhalten, fuhr sie zu verschiedenen Shootings und ließ Lucy ablichten. Das geht natürlich ins Geld. „Das Geld, das ich damals ausgegeben habe, hätte schon gereicht, um mir eine eigene Kamera zu kaufen“, erinnert sie sich mit einem leichten Seufzer.

Yvonne Weihrich mit Hündin Lucy am Wüsten Schloss. Quelle: Kristin Engel

Gesagt, getan. Nach und nach schaffte sie sich die benötigten Utensilien an, um noch professionellere Aufnahmen machen zu können. Mittlerweile fotografiert sie mit einer Nikon D 750 und hat fünf verschiedene Objektive. Die Fotos stellte sie online und bekam schnell sehr positive Resonanz. Es gab auch andere Tierbesitzer, die ihre Lieblinge von ihr fotografieren lassen wollten. „Jetzt ist wirklich eine gute Nachfrage da.“ Mit der Zeit hat sie sich auch das erforderliche Know-how zugelegt, das man als Fotografin von Tieren benötigt. Dazu holte sie sich Hilfe bei anderen Fotografen, verschlang Bücher und schaute sich bei YouTube verschiedene Tutorials an.

Königsdisziplin der Tierfotografie

Denn nicht nur das Wetter ist beim Fotografieren zu beachten. „Schwierig abzulichten sind unter anderem Tiere mit dunklem Fell“, erzählt die hauptberufliche Bankkauffrau. Dazu muss gesagt werden, dass ihre Hündin Lucy ein schwarzer Labrador ist. Also stieg Yvonne Weihrich direkt mit der Königsdisziplin der Tierfotografie ein. „Durch das schwarze Fell spiegelt sich das Licht nicht, Konturen gehen verloren und das Fell wirkt bei falscher Einstellung beziehungsweise Nachbearbeitung leicht gräulich. Andernfalls wirkt das Gesicht vielleicht sehr dunkel, das Strahlen der Augen geht verloren. Da ist die Gefahr groß, nur einen schwarzen Punkt auf dem Foto zu haben. Das Bild richtig hinzubekommen, ist eine Frage der Einstellung, des richtigen Lichts und der richtigen Nacharbeit in Photoshop.“

Fluffy passt sich perfekt dem herrlichen Hintergrund an. Quelle: Yvonne Weihrich Soulmate's Pawprints

Beim Shooting in Oschatz hatten die Hunde alle ein helles Fell. Bis auf Snoopy ... natürlich. Die meisten Teilnehmer sind „Wiederholungstäter“. Und nicht nur das. Auch ein bekanntes Gesicht erblickte ich wieder. Katrin Lehmann, die mir bereits beim Mantrailing in Oschatz im März meine Fragen beantwortete und selbst mit ihrem Hund Mango eine tolle Leistung bei der Menschensuche zeigte, war mit vor Ort. Am Ende jedoch gar nicht so ungewöhnlich. Viele der Teilnehmer kennen sich durch das Mantraining-Team Dogs-N-Joy aus Riesa. „Wir waren schon bei fünf Shootings dabei. Zum ersten Mal war mir noch etwas unwohl, Mango beim Sonnenblumenshooting von der Leine zu nehmen. Doch er hat so schön mitgemacht und war total fokussiert. Wir haben nun auch Herbstfotos mit Kürbissen, Pilzen und in der Schubkarre. Besonders schön war das Kirschblütenshooting in Dresden. Ein ,Black-Shooting’ fand in dem Studio bei Yvonne statt und nun bin ich gespannt auf die Bilder, die beim Oschatzer Shooting entstanden sind“, berichtet Katrin Lehmann. All die Bilder befinden sich bei ihr an einer Bilderwand.

Katrin Lehmann gibt Hund Mango ein Zeichen, damit Yvonne Weihrich in Oschatz schöne Fotos von ihm machen kann. Quelle: Kristin Engel

Bei einem solchen Shooting wie dem in Oschatz sollen nicht mehr als um die sechs Hunde dabei sein. Schließlich verlangt ein solches Foto-Shooting nicht nur Konzentration vom Fotografen, sondern auch von den Hunden ab. Beim Shooting in Oschatz wechselten sich die Hunde an den verschiedenen Standorten am Wüsten Schloss ab. „So hatten die Vierbeiner zwischendurch die Möglichkeit, ein wenig zu toben, um anschließend wieder konzentriert an die Arbeit zu gehen. So ein Modeljob ist nämlich nicht nur für die Besitzer reine Nervensache, sondern auch für die Hunde ein höchst anstrengendes Training. In der Regel ist so ein Shooting für die vierbeinigen Freunde intensiver als eine dreistündige Wanderung. Selbstverständlich ist es nicht zwingend notwendig, dass die Hunde perfekt trainiert oder ableinbar sind. Nachträgliche Bildbearbeitung ermöglicht heutzutage nicht nur künstlichen Sonnenschein, sondern zaubert auch Leinen und Halsbänder unauffällig aus dem Bild.“

Die Fotografin rückt die Hunde ins rechte Licht. Quelle: Kristin Engel

Yvonne Weihrich stellt sich auch anderen tierischen Foto-Herausforderungen. So besuchte sie Ende Januar das Tierheim in Freital. Hier ging es darum, die zu vermittelnden Tiere ins rechte Licht zu rücken, um die Chance auf ein neues Zuhause zu erhöhen. „Das war gar nicht so einfach. Es gab verschiedene Regeln einzuhalten: Abstand halten, nicht direkt in die Augen gucken. Es waren Hunde, die nur schwer vermittelt werden können. Doch am Ende war es wirklich ein toller Tag mit super Hunden, die nach der Veröffentlichung der Fotos auch zum Teil ein neues Zuhause gefunden haben. Das macht mich glücklich“, so die 29-Jährige.

Immer vor neuen Herausforderungen

Vor wenigen Tagen hatte sie ein Shooting mit Alaskan Malamute-Welpen. Die kleinen Racker waren ziemlich auf Zack, so dass sich auch Yvonne Weihrich einiges einfallen lassen musste. Aber immerhin eine Arbeit mit Models, bei deren Anblick das Herz schmilzt. Für Fotos für Tierarztpraxen, für Werbevertreter, für Tierheilpraktiker, Hundeschulen und weitere wurde sie bereits gebucht. Natürlich sind es nicht nur Hunde, die vor der Kamera stehen. Auch Pferde und Katzen posieren für sie. Ihr Wunsch ist es, Pferd und Hund gemeinsam auf ein Bild zu bekommen. Auch Hund und Raubvogel gemeinsam wäre ein kleiner Traum.

Fotoshooting am Wüstes Schloss Oschatz Quelle: Kristin Engel

Die Teilnehmer in Oschatz machten es ihr nicht immer einfach. So war dort auch die verrückte Jack-Russell-Dame Selma, die ganz versessen darauf war, dass jemand den Stock, den sie immer dabei hatte, für sie wegwarf. Oder die junge Mischlingsdame Freya, der es schwer fiel, auf einer Stelle zu posieren, ohne mit Schwung auf der großen Wiese rumzutoben. Doch mit viel Geduld schaffte es Yvonne Weihrich, auch von den beiden Wirbelwinden gelungene Fotos zu schießen. In dem achtjährigen Labrador Bruno steckte noch allerhand Energie und auch der dreijährige Mischling Fluffy machte durch sein langes Fell eine gute Figur. Wie bei Mango war auch bei der fünfjährigen Tierschutzhündin Bella Feingefühl gefordert. Letztendlich konnte die junge Fotografin alle Hunde in Oschatz ins rechte Licht rücken.

Shooting mit Snoopy

Yvonne Weihrich gibt ihr Bestes, die Hunde für den perfekten Blick zu motivieren. Bei Snoopy war das nicht immer einfach. Sie hat eben ihren eigenen Kopf, legt sich nicht hin, wenn es kalt am Bauch ist, aber hat auch ein paar süße Tricks auf Lager, die mir vor Schreck nicht alle einfielen. Damit war das Schwierigste aber noch nicht geschafft. Vor Herausforderungen stellte mich die Qual der Wahl: Sich von 89 Bildern für die besten zu entscheiden, ist pure Folter.

Bilder zum dahinschmelzen. Yvonne Weihrich schafft es, ihre Models richtig in Szene zu setzen. Auch Snoopy hat den „Niedlich-Blick“ gut drauf. Quelle: Yvonne Weihrich Soulmate's Pawprints

Beim Durchklicken der Bilder erwischte ich mich dabei, immer wieder „Ohhh“, „so goldig“, „ach Gottchen“ zu seufzen. Nun haben die Teilnehmer und natürlich auch ich wundervolle Erinnerungen an ein wirklich herrliches Shooting mit der traumhaft schönen Kulisse des Wüsten Schlosses in Oschatz inklusive einem keinen Überraschungspaket.

Von Kristin Engel