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Oschatz Drei adlige Generationen ziehen im Wasserschloss Leuben ein
Region Oschatz Drei adlige Generationen ziehen im Wasserschloss Leuben ein
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00:22 23.07.2018
Betreten der Baustelle auf eigene Gefahr: Leo und Marion Sahrer von Sahr von Schönberg sanieren das Wasserschloss in Leuben. Quelle: Manuel Niemann
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Oschatz

Vor dem Wasserschloss Leuben stehen Container für den Bauschutt. Arbeiter fördern ihn aus dem Gebäudeinneren zu Tage: Der Fußboden wird ausgestemmt. Während draußen schon die restaurierte Fassade in Teilen erstrahlt, herrscht drinnen eine einzige Baustelle.

Wasserschloss wird Zuhause für drei Generationen

Über den Staub bedeckten Boden führen Leo und Marion Sahrer von Sahr von Schönberg exklusiv für die OAZ durch das Haus. Sie sind beide Juristen und die neuen Herren über das Anwesen. Zukünftig sollen drei Generationen der von Sahr-Schönbergs im Schloss wohnen.

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Deren Familiengeschichte ist zwar mit dem Schloss Dahlen verknüpft, aber das sei im Vergleich zu Leuben drei Mal so groß. Viel zu viel Wohnfläche, verrät die 63-jährige Marion von Sahr-Schönberg. „Das wäre utopisch. Hier hat der größte Raum 60 Quadratmeter.“

Lebensmittelpunkt wird verlegt

„Der Anlass, das Schloss zu kaufen, war die berufliche Entwicklung meines Sohnes, der auch mit ins Haus zieht“, erklärt ihr Mann Leo (65). Sohn Philipp vertrieb bislang über eine Internetplattform hochwertige Lebensmittel.

Das Wissen möchte er nun nutzen: „Er hat in Dahlen Rinder stehen: vom Roten Höhenvieh. Das ist eine aussterbende Rasse. Die vermarktet er und möchte hier in einem Hofladen verkaufen.“ Der soll im gegenüberliegenden Wirtschaftsgebäude entstehen, das er von der Lebenshilfe Oschatz erworben hat.

„Aber das ist alles noch in der Planungsphase“, sagt sein Vater. Von Panitzsch aus, östlich von Leipzig, wo die Familie bisher ihren Lebensmittelpunkt hatte, seien die Wege zu weit. Mit ins Haus zieht auch Leo von Sahr-Schönbergs 94-jährige Mutter.

Schlossverein bekommt Vereinsraum und den Zutritt zum Schloss

Auf dem Areal gegenüber soll der Schlossverein einen Raum bekommen, der ihm uneingeschränkt zur Verfügung steht. Die von Sahr-Schönbergs engagieren sich selbst im Verein und haben die Einzugspläne mit ihm abgesprochen: „Der Verkaufsbeschluss war einstimmig. Der Förderverein ist weiter da, sie fragen auch, wo sie uns unterstützen können“, sagt der neue Schlossherr. „Wir wollen hier leben“, ergänzt seine Frau Marion. „Wir würden uns nicht wohlfühlen, wenn wir nicht willkommen wären.“

Die Fassade des Wasserschlosses erstrahlt bereits neu. Quelle: Manuel Niemann

Zeit hat im Schloss Spuren hinterlassen

Im Schloss erinnert auf den ersten Blick nichts mehr an den barocken Prunk, des im 18. Jahrhundert errichten Gebäudes: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss enteignet, diente erst als Flüchtlingsunterkunft, später als Schule. Ab Mitte der 1970er Jahre stand es leer und verfiel.

Neues Leben kam erst, als das Dach eingestürzt war und der Schlossverein es 2005 übernahm. Unter dessen Regie laufen die aktuellen Fassadenarbeiten. Der Verein soll weiterhin Zutritt zum Schloss haben. Dafür werden die Eingangshalle und der dahinter liegende Gartenraum dienen, sowie die gleich geschnittenen Räume in der oberen Etage.

Auch das Treppenhaus ist derzeit noch eine Baustelle. In der ersten Etage des Wasserschlosses möchte die Familie künftig moderne Kunst ausstellen. Quelle: Manuel Niemann

Neben dem rekonstruierten Barockschloss wird auch Kunst ausgestellt

Während die Familie das Erdgeschoss historischen Stücken vorbehalten möchte, soll über dem Treppenaufgang darüber moderne Kunst zu sehen sein. „Wir haben Bilder der Neuen Leipziger Schule gesammelt. Aber ein Neo Rauch“, lacht Leo von Sahr-Schönberg, „ist nicht dabei.“

Auch ein kleiner Kaminraum soll detailgetreu wieder erstrahlen: „Den rekonstruieren wir, auch die Wandbemalung und das Fenster werden aufgearbeitet.“ Anderes, etwa in Küchen und Bädern, wird mit Trockenbaumaßnahmen hingegen für die Zukunft bewahrt.

Von Manuel Niemann