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Oschatz Einwohnerzuwachs und neu Kita-Plätze
Region Oschatz Einwohnerzuwachs und neu Kita-Plätze
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20:00 18.01.2019
David Schmidt.
David Schmidt. Quelle: Axel Kaminski
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Liebschützberg

Im vergangenen Jahr sorgte die Gemeinde Liebschützberg damit für Aufsehen, dass hier an eine Kita angebaut wurde.

Herr Schmidt, kann die Kommune nun den gesetzlichen Anspruch auf einen Kita-Platz erfüllen?

David Schmidt: Nur zur Klarstellung: Der Anspruch der Eltern besteht gegenüber dem Landkreis. Aber natürlich wollen wir unseren jungen Familien die Möglichkeit geben, ihre Kinder in einer Einrichtung der Gemeinde betreuen zu lassen. Das funktioniert, aber nicht immer ab dem Wunschtermin und in der Wunsch-Kita. Wir müssen über die Schaffung weiterer Plätze nachdenken. Im Gespräch ist derzeit eine temporäre Lösung mit Containermodulen. Das wäre eine sinnvolle Variante, um eine Geburtenspitze abzufangen. Uns würde das einen Neubau mit unklaren Perspektiven ersparen.

Sind damit für die Gemeinde die Zeiten schrumpfender Einwohnerzahlen vorbei?

Zunächst einmal ist sicher, dass es hier 2018 mit 34 Geburten einen Wert gab, der schon seit vielen Jahren nicht erreicht wurde. Zum Vergleich: 2017 registrierten wir 19 Geburten. Damit haben wir erstmals seit 2014 wieder mehr Geburten als Sterbefälle – ohne die dezentrale Unterbringung von Spätaussiedlern und Flüchtlingen, die in unserer Statistik nahezu keine Rolle spielen. Da wir außerdem Zuzug haben, ist unsere Einwohnerzahl 2018 tatsächlich wieder gestiegen: auf 2942. Man darf aber nicht außer Acht lassen, dass wir dennoch seit 2014 rund 100 Einwohner weniger geworden sind.

Sind höhere Geburtenzahlen und Einwohnerzuwachs Trend oder einmaliger Effekt?

Es ist tatsächlich spannend, wie es weitergeht. Haben wir die vielen Geburten zwei größeren Stromausfällen zu verdanken? Wenn ich mich so umhöre, scheint es einen Trend hin zum dritten Kind zu geben. Und der Gemeindeverwaltung liegen Anfragen nach Bauland oder leerstehenden Häusern aus Bayern und dem Dresdner Raum vor. Ich denke, mit dem Standortvorteil, den uns der Breitbandausbau bringen wird, wird das Leben auf dem Land für alle, die sich dafür interessieren, noch interessanter.

Wäre die Gemeinde für eine Zuzugswelle gerüstet?

Ein paar Dinge müssten sich noch entwickeln. Nicht alles haben wir als Kommune in der Hand. Ich denke da an eine bessere Anbindung durch den Nahverkehr oder eine bessere medizinische Grundversorgung.

Aber Bauplätze kann Liebschützberg den „Stadtflüchtlingen“ bieten?

Hier steht die Frage im Raum, was wirklich sinnvoll ist. Wie weit sollten wir als Gemeinde ins Risiko gehen? Sollten wir tatsächlich die Erschließung eines Baugebietes vorfinanzieren und wenn ja – in welcher Größe? Im Idealfall finden ältere Hauseigentümer, die ins Pflegeheim oder ins betreute Wohnen gehen, Nachfolger für ihre Immobilie. Dann würden die Ortskerne erhalten und belebt bleiben.

Die Gemeinde hat 2018 im Ortsteil Ganzig ein privates Grundstück aufgekauft, um es zu entwickeln. Ist das generell ein Modell für verlassene oder ungepflegte Immobilien?

Ganzig ist ein Versuch. Die Eigentümer waren mit ihrer Immobilie überfordert und haben sie uns zu einem günstigen Preis angeboten. An Spekulationen können und wollen wir uns nicht beteiligen. Gebäude unter Denkmalschutz werden wir uns definitiv nicht an Land ziehen und ebenso wenig die Mühe, mit Erbengemeinschaften oder bei unklaren Eigentumsverhältnissen klar zu kommen. Grundstückskauf und -entwicklung sind nicht unsere Aufgabe, aber ein interessanter Ansatz. Der Gemeinderat steht dem offen gegenüber und das Beispiel in Ganzig wird zeigen, ob das ein gangbarer Weg ist.

Apropos Gemeinderat. Der wird in diesem Jahr neu gewählt. Wie viele neue Gesichter erwarten Sie im Rat?

Das ist die erste Kommunalwahl, bei der ich als Bürgermeister im Amt bin. Von den Räten habe ich ganz unterschiedliche Signale erhalten. Ich finde einfach, dass jeder, der etwas bewegen möchte, sich der Wahl stellen sollte. Bisher steht im Rat zumeist das Wohl der Gemeinde im Mittelpunkt, auch wenn manche Diskussion durchaus hart geführt wird. Das sollte so bleiben.

Über Kitas und Schulen haben wir gesprochen. Viele Gemeinden sind echt gefordert, die Gebäude und Ausstattung ihrer Feuerwehren auf dem aktuellen Stand zu halten. Wie sieht es damit in Liebschützberg aus?

Da haben wir einen großen Brocken vor der Brust. Die Beschaffung eines Fahrzeuges für die Zaußwitzer Wehr beschäftigt uns seit mittlerweile zwei Jahren. Noch Ende 2018 haben wir einen geänderten Fördermittelbescheid erhalten, damit wir tatsächlich ein Löschfahrzeug 10 anschaffen können. Der vorher von uns zunächst angepeilte kleinere Fahrzeugtyp war mit den gewünschten Parametern nicht zu bekommen. Durch bessere Förderkonditionen werden die Mehrkosten des größeren Fahrzeuges für uns als Gemeinde weitgehend abgefedert. Derzeit stimmen wir ab, was im Leistungsverzeichnis stehen muss. Ich denke, dass wir das neue Zaußwitzer Löschfahrzeug noch in diesem Jahr bestellen können. Ich hoffe auf mehr als ein Angebot, dass dann auch in den Haushaltsplan passen muss. Wir werden für 2019 übrigens keinen Doppelhaushalt vorlegen, um dem neuen Gemeinderat nicht schon ein Korsett für 2020 anzulegen.

Dauerbrenner in den Ratssitzung sind Straßenbau und Straßenreparaturen. Was ist da für 2019 geplant?

Wir konnten noch 2018 einen Abschnitt des Oschatzer Weges in Ganzig sanieren. Jetzt stimmen wir die Vorhaben für 2019 ab. Oft ist ja der Landkreis Baulastträger und wir als Kommune haben uns mit den Nebenanlagen wie Fußweg und Beleuchtung daran zu beteiligen. Wir sind uns darin einig, dass wir die Maßnahmen des Breitbandausbaus abwarten sollten, damit wir nichts bauen, was gleich wieder aufgerissen wird. Es gibt aber Signale aus dem Landratsamt, dass 2019 noch die Ortsdurchfahrt Laas erneuert wird. In den nächsten Jahren sollen Schönnewitz und Liebschütz folgen. Außerdem soll das Pflaster in der Zaußwitzer Ortsdurchfahrt einem glatten Belag weichen.

Wie sieht es mit dem Großprojekt der Staatsstraße in Borna/Schönnewitz aus?

Ich hatte da erst kürzlich ein Telefonat mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Dort wird die öffentliche Auslegung der Planungsunterlagen vorbereitet. Ich hoffe, dass dieser Schritt bis Ende des Jahres absolviert sein wird. Die Tatsache, dass das Amt schon mit den Vorplanungen für die Strecke zwischen Borna und Kleinragewitz beginnt, ist für mich ein Indiz dafür, dass Borna dort eine gewisse Priorität hat.

Von Axel Kaminski