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Oschatz Elbbiber erobern in Region Oschatz Dahle und Döllnitz
Region Oschatz Elbbiber erobern in Region Oschatz Dahle und Döllnitz
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16:00 16.01.2019
Dieser Baum nahe der Döllnitzbrücke in Mannschatz wurde von Bibern per „Sanduhrtechnik“  zu Fall gebracht.
Dieser Baum nahe der Döllnitzbrücke in Mannschatz wurde von Bibern per „Sanduhrtechnik“ zu Fall gebracht. Quelle: Foto: Frank Hörügel
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Oschatz

Wenn es dämmert oder die Dunkelheit bereits herein gebrochen ist, dann wird er aktiv – immer öfter auch in der Region Oschatz. Als zweitgrößtes Nagetier der Welt – Wasserschweine sind die größten – breitet sich der Biber zunehmend entlang der Döllnitz, Luppa, Dahle oder Tauschke aus.

Und macht auch gern mal einen Abstecher in benachbarte Gewässer. So wie im Juli vergangenen Jahres, als ein Biber zwei Wochen lang den Dorfteich im Oschatzer Stadtteil Thalheim zu seinem Domizil erwählt hatte. Nachdem es sich das Tier tagsüber in einer Kuhle am Teichufer gemütlich gemacht hatte, ging der Nager im Dunkeln auf Nahrungssuche. Anwohner beobachteten, wie der Biber auf einem leer stehenden Grundstück gegenüber dem Dorfteich mehrere kleine Bäume abholzte. Dabei bedient er sich der sogenannten „Sanduhrtechnik“ – der Biber nagt das Holz in Form einer Sanduhr an, bis der Baum fällt.

Mehrere Bäume umgenagt

Mit dieser Technik wurden in den vergangenen Wochen auch am Ufer der Döllnitz am Dreibrückenweg in Oschatz und neben der Brücke in Mannschatz mehrere Bäume zu Fall gebracht. Der Kreisnaturschutzbeauftragte Steffen Spänig aus Oschatz bestätigt, dass in der Döllnitz die streng geschützten Biber vorkommen. „Auch bei Oschatz mit Ortsteilen und den dazu gehörigen Zuläufen tauchen immer mal wieder Biber auf“, hat er beobachtet.

Wanderung zwischen Elbe und Mulde

Nach seinen Informationen kommt ein Teil der Tiere aus der Elbe, in die der kleine Fluss Döllnitz in Riesa mündet. In der Döllnitz wandern die Nager dann laut Spänig stromauf ins Wermsdorfer Teichgebiet, überqueren dort die Wasserscheide und gelangen so über das Mutzschener Wasser zur Mulde. „Und natürlich auch anders herum“, so der Naturschutzbeauftragte.

Einzugsgebiet wird immer größer

Als Torgauer Flussmeister ist Andreas Kuhne für den Döllnitzabschnitt von der Brücke in Mahlis bis Borna (Liebschützberg) und die gesamte Dahle zuständig. Er sagt: „Das Einzugsgebiet der Elbbiber wird immer größer.“ Zunehmend eroberten die Nager auch kleine, flache Tieflandsbäche wie etwa Döllnitz oder Dahle. In Abstimmung mit dem Naturschutzpark habe die Flussmeisterei vor drei Jahren einen Biberbau im Deich an der Dahle bei Außig zurück bauen müssen. Ansonsten hielten sich die Schäden durch die Nager jedoch in Grenzen. Mit einem Verbissschutz aus verzinkten Estrichmatten versuchen die Mitarbeiter der Flussmeisterei, frisch gepflanzte Bäume am Ufer vor den scharfen Zähnen der Biber zu schützen. Das gelingt nicht immer. Mit Blick auf den strengen Artenschutz für Biber sagt Flussmeister Kuhne: „Das müssen wir dann hinnehmen.“

In Nordsachsen leben 350 Biber

Nach Angaben des Bibermanagements beim Naturpark Dübener Heide, das für den gesamten Landkreis Nordsachsen zuständig ist, leben in Sachsen etwa 1000 bis 1200 Elbebiber. Im Landkreis Nordsachsen sind rund 155 Biberreviere bekannt, die nur teilweise ständig besetzt sind. Mindestens 103 der nordsächsischen Biberreviere sind bewohnt – von rund 350 Tieren.

Von frank hörügel