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Oschatz Frankenstolz richtet in Oschatz Nähwerkstatt der Zukunft ein
Region Oschatz Frankenstolz richtet in Oschatz Nähwerkstatt der Zukunft ein
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11:48 16.01.2019
Carmen Grett (M.) wagt den Schritt in die Oschatzer Nähwerkstatt von Frankenstolz. Ilona Röber, André Luhn, Sandra Hildebrand und Sabrina Weise (v.l.) schauen ihr bei den Nähübungen über die Schulter.
Carmen Grett (M.) wagt den Schritt in die Oschatzer Nähwerkstatt von Frankenstolz. Ilona Röber, André Luhn, Sandra Hildebrand und Sabrina Weise (v.l.) schauen ihr bei den Nähübungen über die Schulter. Quelle: Foto:
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Oschatz

Das EKO – das ehemalige Erstlings- und Kinderbekleidungswerk in Oschatz ist heute noch vielen in Erinnerung. Näherinnen für Kinderbekleidung gab es damals in Oschatz viele. Auch im Umland gab es zahlreiche Betriebe, die Bekleidung nähten und junge Näherinnen ausbildeten. Das war zu DDR-Zeiten. Der professionelle Umgang mit Industrie-Nähmaschine und Garn ist heute, 30 Jahre später, in der Oschatzer Region zu einer Seltenheit geworden. Der Oschatzer Matratzenhersteller Frankenstolz allerdings sucht Hände ringend Näherinnen und hat jetzt eine Aktion ins Leben gerufen.

„Für unsere Matratzenproduktion benötigen wir Matratzenbezüge, die wir hier nähen. Doch Frauen, die mit einer Industrie-Nähmaschine umgehen können, sind selten geworden. Wir wollen aber auch in Zukunft auf gutes Personal zurückgreifen und haben jetzt gemeinsam mit der Agentur für Arbeit eine Weiterbildung für Näherinnen ins Leben gerufen“, sagt der Oschatzer Werkleiter André Luhn. In einem speziellen Lehrgang können sich interessierte Frauen auf dem zweiten Bildungsweg die Fachkenntnisse aneignen. „Unsere Zielgruppe sind jüngere und ältere Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen nach einer längeren Pause wieder ins Berufsleben einsteigen und bei uns eine Perspektive haben möchten“, sagt Luhn.

„In einem ersten Schritt haben wir in unserem Haus einen Teilbereich zu einer Lehrwerkstatt umfunktioniert. Unter professioneller Anleitung werden die notwendigen Kenntnisse vermittelt“, so die Oschatzer Frankenstolz-Verwaltungsleiterin Sabrina Weise. In einem großen abgeteilten Raum tuckern lautstark vier große Adler-Nähmaschinen. Vier Frauen haben sich für die Weiterbildung angemeldet. Zwei Frauen aus Oschatz und zwei Migrantinnen sitzen an den Maschinen und ziehen Nähte. Am vergangenen Montag hat der erste Ausbildungskurs begonnen. Alle vier haben zwar schon mit Nähmaschinen gearbeitet, aber die professionelle Erfahrung fehlt. „Die vermitteln wir aber hier, von der Pike auf“, sagt Sandra Hildebrand, die die Nähwerkstatt leitet. Sie hofft, dass in den nächsten Tagen und Wochen weitere Interessentinnen dazustoßen werden.

Dass man sich bei Frankenstolz in Oschatz dazu entschlossen hat, Näherinnen auf dem zweiten Bildungsweg als Fachkräfte ins Unternehmen zu holen, hat einen Grund. „Wir bilden auch Lehrlinge aus und werden dies auch in diesem Jahr wieder anbieten. Aber da sich die Berufsschule für diesen Ausbildungszweig im Vogtland befindet, interessiert sich kaum ein Jugendlicher für dieses Angebot“, hat Luhn die Erfahrung gemacht. Viel Erfolg versprechender sei, der jetzt eingeschlagene Weg gemeinsam mit der Arbeitsagentur, Fachkräfte im Unternehmen zu qualifizieren.

Die jetzige Frankenstolz-Initiative zeigt, das der Oschatzer Standort in den vergangenen Jahren einen hohen Stellenwert eingenommen hat. In den beiden Oschatzer Werken verlassen jährlich mehrere Millionen Matratzen das Laufband. Unter anderem werden in Oschatz auch Matratzen für eine noble Hausmarke hergestellt. Frankenstolz verfügt insgesamt über vier Standorte, neben Oschatz gehören noch Aschbach und Mainaschaff dazu. In den Oschatzer Werken sind rund 60 Näherinnen beschäftigt.

Von Hagen Rösner