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Oschatz Friedliche Revolution in Oschatz war ein Wunder
Region Oschatz Friedliche Revolution in Oschatz war ein Wunder
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13:24 12.06.2019
Wende 1989: Demonstration nach Friedensgebet am 6. November in der St. Aegidienkirche Oschatz Lutherstraße in Oschatz. Quelle: Günther Hunger
Oschatz

Als es in der DDR – und auch in Oschatz – so richtig zu brodeln begann, war der damalige Superintendent Dr. Martin Kupke 52 Jahre alt und wurde zum Motor der friedlichen Revolution in der Döllnitzstadt. 30 Jahre später kann er sich noch genau an die Ereignisse im Herbst 1989 erinnern, hat nichts von seiner sprachlichen Schärfe und Angriffslust verloren. Davon konnten sich die etwa 50 Besucher am Dienstagabend in der Klosterkirche überzeugen. Der 82-Jährige las dort aus seinem Buch „Die Wende in Oschatz“ vor, das die Stadt Oschatz in zweiter Auflage (200 Stück) herausgegeben hat. Die erste Auflage aus dem Jahr 2000 ist laut Oberbürgermeister Andreas Kretschmar seit 15 Jahren vergriffen.

DDR ein einziges großes Gefängnis

Kupke erinnerte an die Hintergründe der friedlichen Revolution. „Die DDR war für ihre Bürger ein einziges großes Gefängnis.“ Die Einwohner des Landes seien permanent belogen worden und hätten unter katastrophalen Umweltbedingungen und der schlechten Versorgung gelitten.

Autor Dr. Martin Kupke, seine Frau Josephine und Oberbürgermeister Andreas Kretschmar (v.r.) präsentieren die Neuauflage des Buches "Die Wende in Oschatz". Quelle: Frank Hörügel

In Oschatz begann der politische Wandlungsprozess mit den Friedensgebeten in der ersten Oktoberhälfte 1989 in der Aegidienkirche. Zuerst kamen nur wenige Menschen, am 6. November wuchs deren Zahl auf rund 4000. Wegen Überfüllung musste die Hälfte an diesem Tag vor den Kirchentoren bleiben. Kupke moderierte den Abend. „Das war eine angespannte Situation, es brannte die Luft. Als Moderator hatte ich alle Hände voll zu tun, damit die Situation nicht eskaliert.“ Das klappte – und kommt aus Sicht des 82-Jährigen noch immer einem Wunder gleich. „Wir haben damals etwas Einmaliges erlebt. Und daran denken wir stets voller Dankbarkeit zurück.“

In Oschatz ist es fair zugegangen

Dem Großteil der Gäste sprach Kupke damit aus dem Herzen. „Ich bin dankbar, dass sich Herr Kupke damals vor den Karren gespannt hat“, sagte René Dorow, einer der Oschatzer Wende-Aktivisten. Und Günter Sirrenberg betonte: „In Oschatz ist es immer fair zugegangen.“

Etwa 50 Gäste besuchten die Lesung von Dr. Martin Kupke zur Neuauflage seines Buches „Die Wende in Oschatz". Quelle: Frank Hörügel

Neben dem LVZ-Fotografen Günther Hunger fotografierte auch Eckhard Thiem bei den Friedensgebeten und Demonstrationen in Oschatz. Aus seiner Sicht hatte der Umsturz 1989/1990 jedoch einen entscheidenden Mangel. „Eine gelungene Revolution wäre das nur gewesen, wenn die SED verboten worden wäre“, sagte Thiem.

Das Buch „Die Wende in Oschatz“ mit 79 Seiten und zahlreichen Original-Aufnahmen von Günther Hunger und Eckhard Thiem kann in der Oschatz-Info gekauft werden.

Von Frank Hörügel

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