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Oschatz Gartensparte Oschatzer Waagenfabrik besteht 100 Jahre
Region Oschatz Gartensparte Oschatzer Waagenfabrik besteht 100 Jahre
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20:03 24.04.2019
Vor zehn Jahren stand Vorsitzender Horst Zieger (links) mit dem damals 90-jährigen Fritz Zinnert in seinem Garten. Jetzt ist es seine Tochter Gabriele Roßberg, die hier ihren Garten, gemeinsam mit ihrem Mann, pflegt. Sie haben zwei Gärten zusammengelegt und beide ganz neu für sich umgestaltet. Quelle: Kristin Engel
Oschatz

„Sich regen bringt Segen.“ So wie bereits vor 100 Jahren ist dies auch noch immer die Motivation der Mitglieder des Kleingartenvereins Oschatzer Waagenfabrik.

Der Vorsitzende Horst Zieger schaut sich um. Er genießt die Zeit, die er hier verbringen kann und sieht, wie sich die Mitglieder des Vereins hier ihren eigenen kleinen Erholungsort erschaffen und ihr eigenes Gemüse anpflanzen. Beim Weg durch die Anlage trifft er auf Gabriele Roßberg. Sie ist mit ihrem Mann erst seit zwei Jahren Mitglied und dennoch teilt sie mit dem Verein eine lange Geschichte. Vor zehn Jahren, als der Verein sein 90-jähriges Jubiläum feierte, stand Horst Zieger noch mit ihrem Großvater, Fritz Zinnert, in seinem Kleingarten und tauschte Erinnerung an die ersten Jahre aus. Der damals 90-Jährige war genauso alt wie sein Garten.

Eine Anlage im Wandel der Zeit

1919 wurde diese Anlage als „Gartengenossenschaft Kopp & Haberland“ auf einem Feld, das der Firma gehörte, gegründet und von ihr gepachtet. Beschäftigte der Firma sollten sich nach der Hungersnot, die dem Ersten Weltkrieg folgte, selbst etwas zu ihrer Versorgung anbauen können. So wie auch heute noch, betrug die Gartengröße 150 Quadratmeter. „Mitglieder der Gartengenossenschaft konnten nur verheiratete Beschäftigte der Firma Kopp & Haberland werden. Der Gartenausschuss konnte Ausnahmen zustimmen. Das galt auch für die weitere Nutzung des Gartens beim Austritt aus der Firma“, berichtet Horst Zieger, der zu dieser Zeit natürlich noch nicht selbst vor Ort war, jedoch als Vorsitzender viel recherchiert und mit Gartenfreunden wie Fritz Zinnert gesprochen hat. „Ein Teil des Landes wurde gemeinschaftlich als Kartoffelfeld genutzt. Die Ernte wurde gleichmäßig auf die Mitglieder verteilt. Diese waren zu gemeinsamen Bestell- und Erntearbeiten verpflichtet. Wer diese Verpflichtung nicht erfüllte, bekam nichts von der Ernte ab.“ Fritz Zinnert bekam als junger Mann um 1962 Arbeit als Kraftfahrer in der Waagenfabrik und erwarb sich damit ein Anrecht auf einen Garten. Hier konnten die Kinder spielen und das Ehepaar baute Gemüse und Kartoffeln an.

Kleingartenparadies zum Wohlfühlen

Die Zinnerts sind nicht mehr hier anzutreffen. Umso glücklicher sind die Vorstandsvorsitzenden darüber, dass sich die Tochter mit ihrem Mann ein paar Parzellen weiter hier ein Kleingartenparadies geschaffen hat. Sie haben jedoch zwei Gärten zusammengeschlossen und somit 300 Quadratmeter zur Verfügung. „Wir haben zum ersten Mal einen Kleingarten. Wir haben hier alles neu gemacht, die Laube umgebaut, Hochbeete angelegt, Bodenplatten neu gelegt. Es ist ideal. Wir wohnen nur 400 Meter von unserem Garten entfernt“, so Gabriele Roßberg. Das ist es auch, was Horst Zieger an der Kleingartenanlage sehr schätzt. Sie befindet sich in unmittelbarer Nähe großer Wohngebiete und man kann sie bequem zu Fuß erreichen.

Zwölf Tafelgärten werfen Erträge ab

Sicherlich. Es hat sich viel verändert seit damals. Heute befindet sich einer der drei Eingänge in die Kleingartenanlage an einer anderen Stelle. Dafür wurde vor etwa zwei Jahren im Mustergarten für die verschiedenen Apfelsorten ein Durchgang geschaffen. „Es gibt insgesamt zwölf Tafelgärten. Diese werden von drei Helfern gepflegt und die Erzeugnisse schließlich geerntet. Zuerst sind es die Radieschen, später der Rettich, Kohlrabi, Salat, Sellerie, Bohnen, Kürbis und Zucchini. So dass wir jede Woche etwas für die Tafel zum Abgeben haben“, sagt Horst Zieger, der seit zehn Jahren Vorsitzender und seit 1985 Kleingärtner im Verein ist.

Ein-Euro-Jobber helfen in den nicht verpachteten Gärten

Am 15. April hat eine Maßnahme mit den drei Ein-Euro-Jobbern begonnen. Sie bewirtschaften die nicht verpachteten Gärten. Diese Gärten können jederzeit an interessierte Gartenfreunde abgegeben werden. Aktuell hat der Verein 107 Gärten und 78 Mitglieder. Das einige Gärten, so wie die zwölf Tafelgärten, keinen Pächter haben, liegt daran, dass es einige Mitglieder gibt, die zwei Parzellen bewirtschaften, so wie Gabriele Roßberg. Ähnlich wie sie, waren auch viele weitere Hobbygärtner in diesem Jahr bereits zeitig in ihren Parzellen. Ebenso Jens Schulz und Reiner Kummer, die fleißigen Bienen in der Kleingartenanlage. Da wird auch mal der Rasen des älteren Nachbarn gemäht oder an anderen Stellen mit angepackt. Die Männer haben seit 25 und 16 Jahren ihren Garten in der Anlage.

Nachbarschaftshilfe als Selbstverständlichkeit

Für beide ist Nachbarschaftshilfe gerade bei älteren Gartenfreunden eine Selbstverständlichkeit. Der Verein sei eine soziale Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig hilft und Anerkennung findet. Das schätzt auch Gudrun Riedrich sehr. Sie ist bereits seit über 40 Jahren Kleingärtnerin in der Sparte „Oschatzer Waagenfabrik“. Ihre Eltern waren damals in der Waagenfabrik beschäftigt. „Die Nachfrage nach einem Garten war sehr groß. Meine Eltern hatten einen Kleingarten erhalten. Wir selbst jedoch nicht. Damals gab es auch noch keinen Strom und Wasser. An zwei Enden der Anlage befand sich ein riesiges Wasserfass. Dort haben wir unser Wasser geholt. Als mein Mann 1975 von Vietnam zurück kam, hatten wir dann Glück und bekamen ebenfalls einen Garten“, erinnert sich die 77-Jährige. In diesem Moment kam ihr Mann mit Werkzeug und Pflanzen herbei und es ging wieder zurück an die Arbeit.

Bei der Mitgliederversammlung des Vereins werden Mitglieder geehrt. So waren es im Jahr 2019 drei Personen, die bereits seit 50 Jahren Mitglied sind.

Pacht für den kleinen Geldbeutel

Beim Gang durch die Anlage fallen die verschiedenen Lauben auf. „Diese wurden aus den unterschiedlichsten Materialien und Formen zusammengehämmert. Einige wurden bereits komplett erneuert. Nicht immer hatten die Kleingärtner eine Laube. Einige besaßen nur eine große Werkzeugkiste. Der Rest wurde bepflanzt“, berichtet Horst Zieger und betont, dass er sich über weitere Pächter freuen würde, die die Anlage bereichern. „Einen Garten zu pachten ist ein gesundes und entspannendes Hobby, für das bei uns auch ein kleiner Geldbeutel ausreicht. Unser Jahresbeitrag beträgt gegenwärtig 45 Euro. Dazu kommt noch das Wassergeld. Strom steht kostenlos zur Verfügung. Geld wird auch durch die Produktion von eigenem Gemüse gespart.“ Auch versteht er, dass viele den Garten als Erholungsort ansehen. Das sei mit der damaligen Zeit nicht zu vergleichen. Heutzutage müssen die Hobbygärtner nur ein Drittel der Parzelle mit Obst, Gemüse oder Pflanzen bestücken. Zudem dürfen keine Waldbäume oder Koniferen gepflanzt werden. Bei dem Rest sind der Fantasie des Kleingärtners keine Grenzen gesetzt. Besonders an der Anlage ist auch, dass sich das ehemalige Heizhaus der Waagenfabrik direkt nebenan befindet. Ein Stück Geschichte.

Gartenfest am 22. Juni

„Am 22. Juni ab 15 Uhr findet ein Gartenfest aus Anlass des hundertjährigen Gründungsjubiläums statt. Es beginnt mit Kaffee, Kuchen und Kinderfest und setzt sich 18 Uhr mit Disco fort. Dazu gibt es Bratwurst und Steak vom Grill. Auch für Getränke wird gesorgt sein“, kündet der Vorsitzende an. Somit laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Ein großes Schild soll von der Straße aus auf das Fest hinweisen. Ein Fest für 100 Jahre Kleingartengeschichte.

Von Kristin Engel

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