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Oschatz Gefahrenstufe fünf: Forstbehörde nutzt Videoüberwachung gegen Waldbrände
Region Oschatz Gefahrenstufe fünf: Forstbehörde nutzt Videoüberwachung gegen Waldbrände
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14:01 26.06.2019
Forstoberrat Frieder Voigt auf dem 32 Meter hohen Feuerwachturm Tiefensee. Hier standen früher noch Mitarbeiter mit Ferngläsern, heute sind hochauflösende Videokameras installiert. Quelle: Wolfgang Sens
Eilenburg

Weißer Rauch steigt auf. Das Firewatch-System schlägt Alarm, zieht einen roten Kasten um den fraglichen Bereich der hochauflösenden Panoramaaufnahme. Marcel Pohl guckt sich das Gebiet sehr genau an, vergrößert die Fläche und ruft ein Live-Video der Stelle auf. „Der Rauch bewegt sich hinter der Baumgrenze schnell auf und ab. Das wäre bei einem Waldbrand nicht der Fall – ist vermutlich ein Traktor“, befindet der 22-jährige Mitarbeiter der Forstbehörde. Er schließt den Befund und öffnet direkt die nächste Meldung des Systems – ein Prozess der in der Zentrale derzeit hundertfach jeden Tag wiederholt wird. „Wir sind in Nordsachsen bereits auf Gefahrenstufe fünf. Das Waldbrandrisiko ist sehr hoch“, erklärt Forstoberrat Frieder Voigt. Und die Zentrale ist derzeit sieben Tage die Woche besetzt, um möglichst jeden Brand frühzeitig erkennen zu können.

So überwacht die Forstbehörde die Wälder Nordsachsens: In mehr als 30 Metern Höhe sind die meisten Kameras des Firewatch-Systems angebracht. Von den fünf hohen Türmen können alle Wälder im Landkreis überwacht werden. Die Bilder der Kameras landen in der Zentrale, wo Meldungen von den Mitarbeitern genau überprüft werden.

Ab Gefahrenstufe fünf herrscht Waldverbot in Nordsachsen

„Wir hatten in diesem Jahr bereits zehn Waldbrände und haben eine Waldschadensfläche von etwa 0,6 Hektar. Es ist der Verdienst der Waldarbeiter, dass es nur 0,6 Hektar sind“, berichtet Voigt. Im Jahr 2018 war es in Nordsachsen zu 29 Bränden gekommen, 4,6 Hektar Wald wurden geschädigt. Das aktuelle Wetter ähnelt dem Ausnahmesommer des vergangenen Jahres. Die Lage ist ernst. Die hohen Temperaturen und geringen Niederschläge trocknen den Wald aus, ein Zigarettenstummel reicht, um einen großen Brand zu entfachen.

„Im Wald herrscht natürlich Rauchverbot“, betont Voigt und fügt hinzu: „Ab der Gefahrenstufe fünf ist es in Nordsachsen generell verboten, den Wald zu betreten.“ Gerade in einem so trockenen Landkreis wie Nordsachsen mit hohem Baumartenanteil der Gemeinen Kiefer sei ein solches Verbot nötig. Das Risiko müsse minimiert werden. Kollegen aus anderen Landkreisen würden sich ähnliche Maßnahmen wünschen, berichtet der Experte. Auch der Bundestagsabgeordnete Karlheinz Busen (FDP) forderte diese Woche ein vorübergehendes Waldverbot für alle Bürger. Nur noch geschultes Personal solle sich demnach abseits der befahrbaren Wege aufhalten dürfen, vor allem in Regionen wie Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Nordsachsen stellt mit dem eingeschränkten Betretungsverbot noch eine Ausnahme dar. „Ich halte das durchaus für richtig. Der Vorschlag ist bei dem hohen Risiko absolut gerechtfertigt“, sagt Voigt überzeugt.

Kameras bieten gutes Bild auf über 10 Kilometern Distanz

Zwei Gründe für einen Brand sind derzeit die größten Sorgen des Forstoberrates: Raucher und Brandstiftung. Die Gefahr durch weggeworfene Zigarettenstummel könne durch das Waldverbot zumindest reduziert werden. Hinzu kommen Maschinen der Landwirtschaft, die bei Überhitzung Funken werfen können, und Blitzeinschläge.

Auf diese Faktoren sind die Mitarbeiter der Forstbehörde seit 2005 inzwischen besser vorbereitet. Seit 14 Jahren kommt hier das Firewatch-System zum Einsatz, das rund um die Uhr eine Überwachung der Wälder im ganzen Landkreis ermöglicht. Fünf Kameras stehen dafür auf Wachttürmen in Nordsachsen verteilt. „Die Technik kommt ursprünglich aus der Raumfahrt. Die Kamera kann auf zehn Kilometer Distanz bei einer Fläche von zehn mal zehn Metern jede Grautonänderung erfassen und ein genaues Bild liefern“, so Voigt. Die Kamera dreht sich auf den Türmen dabei alle acht Minuten um 360 Grad und nimmt aller 10 Grad drei Bilder auf, die miteinander abgeglichen werden. Stellt das System einen Unterschied in den Grautönen fest, wird der Bereich dem Mitarbeiter angezeigt. Voigt erklärt: „Das System macht keine Fehler. Das Problem ist eher, dass der Mensch im Anschluss den Brand auch als solchen sofort erkennen muss.“

Nicht immer sei die Forstbehörde mit dieser Technik auch der erste, der den Brand meldet. Bei kleinen Bränden in Straßennähe seien Autofahrer nicht selten schneller als das System, das nur auf Rauchentwicklung reagieren kann. Dennoch ist Voigt von dem System überzeugt: „Wir erkennen einen riesigen Anteil der Brände sofort und können direkt die Integrierte Regionalleitstelle in Leipzig darüber informieren.“

Von Tilman Kortenhaus

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