Gemischte Gefühle in Nordsachsens Firmen: Die Corona-Krise und die Lehrstellensituation
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Gemischte Gefühle in Nordsachsens Firmen: Die Corona-Krise und die Lehrstellensituation

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19:18 20.06.2020
Die Delitzscher Schokoladenfabrik kann 2020 vielleicht zum ersten Mal seit mehreren Jahren alle Ausbildungsplätze besetzen. Quelle: Wolfgang Sens
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Nordsachsen

Falk Stolpe, zuständig für die Ausbildung bei Bau- und Haustechnik Bad Düben, sieht durch die Corona-Pandemie keine großen Veränderungen in der Lehrstellensituation. „Ähnlich schlecht wie in den vergangenen Jahren“, so beschreibt er die Lage. „In guten Jahren waren wir froh, wenn wir auf 17 bis 18 Auszubildende gekommen sind. In den vergangenen Jahren waren wir aber schon mit fünf gut dran.“ Das sei in diesem Jahr nicht anders. Zwei Ausbildungsverträge seien schon in Sack und Tüten, wenige weitere Anfragen lägen noch als Bewerbungsmappe auf seinem Schreibtisch und warten noch auf die Durchsicht und ein eventuelles Bewerbungsgespräch.

„Kein fundamentaler Unterschied zu vorigen Jahren“

Ralf Herget, Geschäftsführer der Delitzscher Schokoladenfabrik kann mit Zufriedenheit feststellen, dass sich die Angebotsrate nicht verändert hat – der Betrieb kann in diesem Jahr die gleiche Anzahl an Ausbildungen anbieten wie in den vergangenen Jahren. Und die Resonanz ist sogar etwas besser geworden: „Es ist zwar kein fundamentaler Unterschied zu den vorigen Ausbildungsjahren. Aber vielleicht können wir 2020 alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Das ist uns letztes Jahr nicht gelungen.“ Vier Ausbildungszweige bietet die Delitzscher Schokoladenfabrik: Süßwarentechnologe, Industriekaufleute, Fachkräfte für Lagerlogistik und Mechatroniker. Pro Jahr bietet das Unternehmen zwischen zehn und 15 Ausbildungsstellen an.

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Ein Katalysator für Vermittlung und Sichtbarkeit seien dafür meist die Ausbildungsmessen. „Leider wurden die aktuellen Messen abgesagt“, erzählt Herget. Aber auf der letzten Messe in Halle im Januar konnte er auch wieder feststellen, dass die Hemmschwelle niedriger ist, das Unternehmen anzusprechen. „Und dazu kann ich die jungen Interessierten nur ermutigen. Wer sich bezüglich der Ausbildung noch nicht sicher ist, kann auch ein oder zwei Tage zum Probearbeiten bei uns erste Eindrücke gewinnen.“

Das frühe Unternehmen fängt den Azubi

Die Papierfabrik Stora Enso in Eilenburg ist den Unsicherheiten in der Pandemie-Situation größtenteils ausgewichen: „Ich suche schon immer sehr früh nach Auszubildenden, ich fange schon im September an“, erklärt Personalerin Simone Höge. Zwei der drei Ausbildungsstellen in den Bereichen Papiertechniker und Mechatroniker sind schon besetzt. Und Höge ist zuversichtlich, auch noch einen Elektriker zu finden. „Bis jetzt habe ich aufgrund der aktuellen Situation noch keine Gespräche geführt. Aber in den nächsten Tagen sollte auch das möglich sein.“

Zu den vergangenen Jahren hat Höge keine Veränderung in der Nachfrage festgestellt. „Die einzige Unsicherheit bestand in der Frage, ob die Abschlussprüfungen stattfinden können, damit die werdenden Azubis einen Abschluss vorweisen können.“ Aber auch diese Zweifel sind ausgeräumt und Stora Enso wartet gespannt auf den Nachwuchs.

„Die Situation ist bescheiden“

Thomas Schupke von „Der Computerladen“ in Oschatz würde eigentlich in dieser Zeit des Jahres die Verträge mit seinen Auszubildenden unterschreiben. Fragt man ihn aber, wie sich die Lehrstellensituation derzeit gestaltet, kommt wie aus der Pistole geschossen: „Bescheiden.“ Er wägt derzeit noch ab, ob es sich sein Unternehmen überhaupt leisten kann, einen neuen Auszubildenden anzunehmen.

Drei Ausbildungszweige bietet „Der Computerladen“ mit Standorten in Oschatz, Dresden und Meißen an: Kaufmann oder Kauffrau im E-Commerce, IT-Systemelektroniker und Mediengestalter für Digital und Print. Schupke fühlt sich in seiner Situation jedoch nicht alleine, er hat von anderen Unternehmen gehört, die mit den gleichen Problemen kämpfen. „Da geht es auf jeden Fall nicht nur uns so.“

Von Katharina Stork