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Oschatz Geplante Offenlegung der Tauschke stößt in Treptitz auf Kritik
Region Oschatz Geplante Offenlegung der Tauschke stößt in Treptitz auf Kritik
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06:00 28.06.2018
Landwirt Peter Hühnlein misst den Wasserstand der Tauschke nördlich von Treptitz, der acht Zentimeter an der tiefsten Stelle beträgt.
Landwirt Peter Hühnlein misst den Wasserstand der Tauschke nördlich von Treptitz, der acht Zentimeter an der tiefsten Stelle beträgt. Quelle: Fotos: Jana Brechlin
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Treptitz

Zahlreiche, dicke Ordner haben zuletzt in der Cavertitzer Gemeindeverwaltung in Schöna ausgelegen. Ihr Inhalt: die Unterlagen zum Bau des geplanten Flutpolders bei Außig mit den vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen. Heute ist der Stichtag für alle, die Einwände gegen das Projekt oder Teile davon haben. Und das sind einige. So gibt es in Treptitz Gegenwehr was die geplante Offenlegung der Tauschke nördlich des Ortes betrifft. Dort soll auf einer Strecke von 1,2 Kilometern der bislang verrohrte Bach zu einem offenen Gewässer werden – als Ausgleichsmaßnahme für Eingriffe in ein Schutzgebiet, die beim Bau des gesteuerten Flutungspolders bei Außig nötig würden. Ohne entsprechenden Ausgleich keine Genehmigung, so will es das Gesetz.

Die Treptitzer kritisieren den damit verbundenen Flächenverlust und verweisen ihrerseits darauf, dass der Ausgleich auch an anderer Stelle erfolgen könnte. „Das ist überhaupt nicht auf dieses Gebiet festgelegt. Es gibt zum Beispiel alte Deponien die renaturiert werden könnten“, sagt Sylke Hesse und erinnert daran, dass in der Region zum Beispiel auch Ausgleichsmaßnahmen für den Bau der A 72 stattgefunden haben – weit weg von der Autobahn.

Eigentümer und Landwirte kritisieren Flächenverbrauch

Vertreter der Landestalsperrenverwaltung hatten früher schon im Cavertitzer Gemeinderat erklärt, die Offenlegung der Tauschke sei eine einfache Alternativmaßnahme, weil es dazu bereits eine Pilotstudie des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie gebe. Andererseits schreibe die Europäische Wasserrahmenrichtlinie vor, dass verrohrte Gewässer perspektivisch offenzulegen sind. In Treptitz gibt es allerdings daran Zweifel, weil die Fristen dafür schon mehrfach verlängert worden sind.

Betroffen von den Tauschke-Plänen sind elf Landeigentümer und ein Pächter, der die Flächen bewirtschaftet. Direkt um einen vor zwei Jahren neu gebauten Einlass ist derzeit Grünland, daran schließt sich Ackerland, das vom Landwirtschaftsbetrieb Hühnlein bewirtschaftet wird. Dort sieht man angesichts der Pläne keine Möglichkeit, nach einer Offenlegung das Gelände weiter zu bewirtschaften: Der 1200 Meter lange Abschnitt soll eine vier Meter bereite Sohle erhalten, am oberen Böschungsrand wäre die Tauschke nach den bisherigen Plänen sieben Meter breit. Dazu kommt jeweils links und rechts des Baches ein Gewässerrandstreifen auf zehn Metern Breite. Die Rede ist auch von einem Unterhaltungsweg auf einem oder beiden Ufern.

Auch Enteignung kommt infrage

Der Flächenverbrauch beträgt nach Angaben der Landestalsperrenverwaltung dafür rund drei Hektar. Bauer Martin Hühnlein, der mit seinem Vater Peter im Ort einen Landwirtschaftsbetrieb führt, geht von mehr aus: „Dafür werden fünf Hektar nicht reichen.“ Unklar sei auch, was aus den Ackerflächen zwischen dem vorgesehenen neuen Flussbett und dem Waldrand wird. „Für eine sinnvolle Bewirtschaftung ist das dann viel zu klein. Wir kommen mit unserer Technik nicht mehr vernünftig auf die Flächen und können nicht richtig hantieren“, so Hühnlein.

Austauschflächen für den verlorenen Boden gibt es nicht, aber eine Verkaufsoption für die Besitzer. Auf seine Frage, was geschieht, wenn jemand darauf nicht eingehe, erhielt der Treptitzer Andreas Barth, der für den Verein zur ökologischen Gewässerbewirtschaftung (VÖG) im Cavertitzer Gemeinderat sitzt, von Vertretern der Landestalsperrenverwaltung die Antwort, dann komme auch Enteignung infrage. Hans-Hendrik Ferl ist einer, dessen Flächen von der Ausgleichsmaßnahme betroffen wären. Flächen, die er jetzt an Bauer Hühnlein verpachtet hat und dafür jedes Jahr Pacht bezieht.

Der Erlös aus einem möglichen Verkauf wäre für den Eigentümer dabei kein Trost. „Unserer Familie, unseren Kindern gehen dadurch für immer die Pachteinnahmen verloren. Wenn schon, dann müsste der Kaufpreis deutlich höher ausfallen, damit wir so entschädigt werden, als wäre das nicht passiert“, findet er.

Hochwasserschutz umstritten

Hans-Günther Hesse, ebenfalls Treptitzer VÖG-Gemeinderat, kritisiert auch die Argumentation, mit der Offenlegung der Tauschke werde etwas für den Hochwasserschutz getan. „Gerade dort hinten ist die Tauschke ein winziges Rinnsal, dort haben wir kein Hochwasser-Problem. Wenn es besonders viel geregnet hat, steht manchmal die Fläche unter Wasser, aber das stört keinen Menschen und stellt auch keine Gefahr da“, beschreibt er. Wenn die Tauschke wie vorgesehen auf 1,2 Kilometern zwischen Wald und Feld ein breites Bett bekommt, könne das Wasser bei Starkregen in diesem Bereich schneller abfließen. „Das nimmt dann richtig Fahrt auf, nur um sich in Richtung Treptitz und Schirmenitz wieder zu stauen“, schätzt Hesse ein. Landwirt Peter Hühnlein versichert, er habe kein Problem damit, wenn seine Flächen nach heftigen, anhaltenden Niederschlägen bei einem Hochwasser zeitweilig unter Wasser stehen. „Das Stück wirkt wie ein natürlicher Polder. Anderswo sollen für viel Geld solche Areale gebaut werden, und bei uns vernichtet man diese Flächen“, meint er kopfschüttelnd.

Hohe Unterhaltungskosten für Kommune befürchtet

Hans-Hendrik Ferl sieht das genauso. Die Menschen in der Region würden seit Generationen das Verhalten der Bäche beobachten, wüssten, wo viel Wasser ankommt und wo die Gefahr für Überschwemmungen eher gering sind. So seien in den Planungsunterlagen 30 Liter pro Sekunde als mittlerer Abflusswert der Tauschke angegeben worden, und entsprechend müsste das Gewässerprofil für die Offenlegung geplant werden. „30 Liter, das kommt vielleicht in Schirmenitz an, aber niemals fließt so viel oberhalb von Treptitz durch“, sagt Ferl. Und Bauer Peter Hühnlein hat an Ort und Stelle sogar nachgemessen: Gerade einmal acht Zentimeter hoch steht die Tauschke an der tiefsten Stelle, schon einen Meter weiter schaut das Bachbett aus dem Wasser, und von einem Fließen könne kaum mehr die Rede sein.

„Hier sollen bewusst Flächen, die ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für unseren Ort sind, verschwinden und andererseits entstehen neue Kosten“, weist Hans-Günther Hesse auf einen weiteren Punkt hin: Die Unterhaltung für die offengelegte Tauschke. Dafür wäre dann die Kommune zuständig, selbst wenn der Freistaat nach der Ausgleichsmaßnahme in den ersten Jahren einspringe. „Womöglich muss Cavertitz dann anschließend jährlich 5000 Euro für die Unterhaltung einplanen. Das ist Geld, das unsere Gemeinde an vielen Stellen dringender braucht“, so Hesse.

Ihre Argumente haben die Treptitzer ausgetauscht und zu Papier gebracht. Heute werden ihre Einwendungen eingereicht. Dann heißt es abwarten. Ursprünglich hat die Landestalsperrenverwaltung angekündigt, mit den Arbeiten an der Tauschke 2020 zu beginnen. In Treptitz wird man das weitere Prozedere sehr genau verfolgen.

Von Jana Brechlin